Ronald Reagan 1987 vor dem Brandenburger Tor (Bild: dpa)

60 x Deutschland - Die Jahre 1985 - 1988

Die Umweltverschmutzung wird immer häufiger zum Topthema. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wird im Januar Smogalarm der Stufe III ausgelöst. Im Ruhrgebiet gilt ein Fahrverbot für Privatautos, Schulen bleiben geschlossen, Kraftwerke werden gedrosselt. Feierlaune auf der anderen Seite der deutsch-deutschen Grenze: Mitte Februar wird in Dresden die Semperoper wiedereröffnet, rund 40 Jahre nach den schweren Luftangriffen auf die Stadt an der Elbe. Die Einweihung wird auch über die Grenzen der DDR hinaus zum Medienereignis. Ein solches ist auch der größte Agentenaustausch des Kalten Kriegs, der die Glienicker Brücke zwischen Potsdam und West-Berlin endgültig zu einem Mythos macht. Mehr als 20 Spione des Westens werden gegen vier Kundschafter des Ostens getauscht.

Anfang April 1986 wird auf die West-Berliner Diskothek „La Belle” ein Bombenanschlag verübt. Er gilt US-Soldaten, die sich hier vergnügen. Drei Menschen sterben, 28 werden schwer verletzt. Die Drahtzieher werden in Libyen vermutet. Nur wenige Tage später bombardieren US-Kampfflieger die Hautstadt Tripolis und töten 36 Zivilisten. Ein Atomunfall in der Sowjetunion sorgt für Angst. Im Kernkraftwerk Tschernobyl gibt es eine schwere Explosion in einem der Reaktoren. Erst zwei Tage nach der Katastrophe erfährt die Welt vom Super-GAU. Nicht nur die sowjetische Staatsführung beschwichtigt zunächst, auch die deutsche Regierung betont, es gebe keine Auswirkungen westlich der Oder. Doch wenige Tage nach der Explosion zieht eine riesige radioaktive Wolke über Europa.

KPdSU-Chef Michail Gorbatschow will die Sowjetunion reformieren. Bei einem Treffen des Warschauer Pakts in 1987 in Ost-Berlin rumort es deswegen hinter den Kulissen. Gorbatschow bringt frischen Wind mit, SED-Chef Honecker fürchtet den Reformeifer seines sowjetischen Besuchs. Berlin wird 750 Jahre alt und bekommt weiteren hohen Besuch: US-Präsident Ronald Reagan appelliert vor dem Brandenburger Tor an Gorbatschow: „Öffnen Sie das Tor, reißen Sie die Mauer nieder!” Später im Jahr besucht Erich Honecker die Bundesrepublik und wird von Helmut Kohl empfangen. Die politischen Differenzen zwischen Gast und Gastgeber sind spürbar. Aber Honecker, gebürtiger Saarländer, besucht nach Jahrzehnten auch seinen Geburtsort Neunkirchen – und lässt sich zu einer überraschenden Äußerung hinreißen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel bekommt Gegenwind: Björn Engholm fordert als SPD-Spitzenkandidat den CDU-Mann heraus. Dieser engagiert einen dubiosen Medienberater, der das Privatleben Engholms unter die Lupe nehmen soll. Gerüchte werden gestreut. Am Tag vor der Landtagswahl macht der „Spiegel” die Schmutzkampagne öffentlich. Barschel beteuert seine Unschuld, tritt aber schließlich zurück und taucht unter. Journalisten finden ihn im Genfer Hotel „Beau Rivage”: Seine Leiche liegt in der Badewanne von Zimmer 317.

 

Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab Klasse 9
45 Minuten

Herkunft: rbb/MDR/NDR/PHOENIX/SWR/WDR/DW-TV