
60 x Deutschland -
Anfang des Jahres 1989 ist SED-Chef Honecker überzeugt, dass die Mauer in 50 oder 100 Jahren noch stehen wird. Im Mai beginnt Ungarn mit dem Abbau von Sperranlagen an der Grenze zu Österreich. In der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag fliehen im September tausende Ostdeutsche über die bundesdeutsche Botschaft in den Westen. Und in der DDR selbst gehen immer mehr Menschen auf die Straße, fordern Reformen. Der erste Erfolg: Die SED-Führung stürzt Erich Honecker. Aber das reicht den Menschen nicht, die Proteste gehen weiter. Schließlich verkündet Günter Schabowski am 9. November auf einer Pressekonferenz: Privatreisen von DDR-Bürgern ins Ausland sind ohne weiteres möglich. Ab sofort. Zehntausende strömen zu den Berliner Grenzübergängen. Die Mauer ist offen. In wenigen Monaten wird sie verschwunden sein.
Im März 1990 stellen sich 24 Parteien und Bündnisse zur ersten demokratischen Wahl der DDR-Volkskammer. Mit 48 Prozent siegt die “Allianz für Deutschland”, ein Wahlbündnis aus der ostdeutschen CDU und kleineren konservativen Gruppierungen. Am 1. Juli wird mit der Marktwirtschaft auch in Ostdeutschland die D-Mark eingeführt. Die Nationalmannschaft der Bundesrepublik schlägt Argentinien im WM-Endspiel in Rom. Deutschland wird Weltmeister. Am 31. August wird der deutsch-deutsche Einigungsvertrag unterzeichnet. Gut einen Monat später ist es soweit: Am 3. Oktober 1990 wird die deutsche Wiedervereinigung vollzogen.
Nachdem die Partylaune der Einheitsfeiern abgeklungen ist, macht sich bei vielen erste Ernüchterung breit: Die Treuhandanstalt wickelt 1991 über 8000 Ost-Betriebe ab. Massenentlassungen sind die Folge. Ende April läuft in Zwickau der letzte Trabi vom Band. Das Herz des wiedervereinigten Deutschland rückt ostwärts: Berlin wird zum künftigen Sitz der Bundesregierung gekürt. Der erste Mauerschützenprozess endet mit Gefängnisstrafen. In der Revision werden diese zur Bewährung ausgesetzt. Der Prozess ist der Anfang einer langen und schwierigen strafrechtlichen Bewältigung der DDR-Vergangenheit.
Jeder Deutsche darf mit der Verabschiedung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes seine Akte einsehen. Die darin enthaltene Wahrheit ist oft schmerzhaft. In den nächsten Jahren werden millionenfach Anträge auf Überprüfung vermeintlicher IM-Vergangenheiten gestellt.
Ende Juli wird der ehemalige DDR-Staatschef Honecker aus der chilenischen Botschaft in Moskau nach Deutschland ausgeliefert. Im November beginnt der Prozess gegen Honecker wegen des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze.
Rechtsradikale randalieren 1992 tagelang vor der Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen. Als Molotow-Cocktails fliegen, können sich mehr als 100 Menschen erst im letzten Moment aus dem brennenden Haus retten. Fremdenfeindlichkeit auch in Westdeutschland: In Mölln werfen Rechtsradikale Brandsätze in zwei von Türken bewohnte Häuser. Drei Menschen sterben, darunter zwei Kinder. Hunderttausende demonstrieren danach gegen den rechten Terror.
Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab Klasse 9
45 Minuten
Herkunft: rbb/MDR/NDR/PHOENIX/SWR/WDR/DW-TV
