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Humor - eine Definition ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.
Humor bezeichnet auch die Begabung, ein Lachen hervorrufen oder selbst lachen zu können. Als humorvoll werden jene Personen bezeichnet, die andere Menschen zum Lachen bringen oder selbst auffällig häufig lustige Aspekte einer Situation zum Ausdruck bringen. Eine engere Auffassung – eine Verwechslung von humorvoll mit der Akzeptanz makabrer Situationen liegt nahe – wird in der sprichwörtlichen Wendung Humor ist wenn man trotzdem lacht ausgedrückt.
Schämen sich die Deutschen für ihren Humor oder haben sie wirklich wenig zu lachen? Was ist Humor und wie entsteht er? Wird Humor, humoristische Literatur entsprechend gewürdigt, oder wird sie als eine gewissermaßen „niedere Gattung“ angesehen? Wie unterscheidet sich deutscher Humor von dem anderer Nationen? Gibt es guten und schlechten Humor und worin unterscheidet sich der Humor von Männer und Frauen? Diese und viele andere Aspekte des Phänomens Humor betrachten Jakob Hein und Jürgen Witte in ihrem kürzlich erschienenen Buch.
Humor, so die Autoren bedarf einer gewissen Intelligenz, eines Reflektionsvermögens, "Humor ist die Konfliktlösung des Schwächeren." Humor wird zumindest in Deutschland häufig als Gegenteil von Ernsthaftigkeit verstanden.“
Dabei bedarf es zur Schaffung von Humor großer Ernsthaftigkeit. Vicco von Bülow ist ein glänzendes Beispiel für den ernsthaften und disziplinierten Prozess bei der Entstehung seiner berühmten Sketche und Cartoons. Die Autoren: "Das Gegenteil von Humor ist nicht Ernsthaftigkeit- das Gegenteil von Humor ist Humorlosigkeit."
Die Autoren plädieren dafür, den Humor, humorvolle Kunst aller Genres mehr zu würdigen, ihren Schöpfern einen angemessenen Platz in der Kunstlandschaft einzuräumen. Die z.T. geringschätzige Haltung gegenüber humorvollen Genres, sei es die Komödie, die Satire hat ihre Wurzeln schon in der Antike. Die Ablehnung des Humors reicht bis zu Plato zurück, der das Lachen ablehnte, weil er es wie viele Humorverächter nur als eine Art des Auslachens kannte. Domokrit, der „lachende Philosoph“ betrachtete es hingegen noch als erstrebenswert, wenn die Seele in den heiteren und gelassenen Zustand der euthymia kommt.
Die Autoren: Jakob Hein (Jg.1971) ist Autor von bislang neun Büchern und Lesebühnenautor. Bis zum Jahr 2011 war er Oberarzt (Psychiatrie/Neurologie) an der Berliner Charité, arbeitete gemeinsam mit seinem Freund Kurt Krömer an einem Theaterstück und trat gemeinsam mit ihm in "Jonny Chicago" in der Berliner Volksbühne auf. Jakob Hein praktiziert weiter als Arzt in eigener Praxis und lebt mit Frau und Kindern in Berlin Prenzlauer Berg.
Jürgen Witte (Jg 1956), geboren in Karlsruhe, lebt seit 1979 in Berlin. Er ist Schriftsteller, Journalist und Herausgeber der Literaturzeitschrift Salbader. Auch er ist regelmäßiger Gast und Mitbegründer der Reformbühne "Heim und Welt".
Beitrag von Ute Müller-Slomka













