Service - TÜV, DEKRA und Co. - Was Autofahrer wissen müssen

Regelmäßig müssen Millionen PKW-Halter zur Hauptuntersuchung (HU) - und die wird oft zur Nervenprobe. Dazu kommen seit Beginn des Jahres ein paar Neuerungen. Wir erklären, was Sie tun können, um nicht durch die Prüfung zu rasseln und worauf Sie noch achten sollten.

Ab dem Monat der Erstzulassung nach 3 Jahren, in der Folge alle 2 Jahre ist die Hauptuntersuchung (HU) für PKW-Halter eine gemäß § 29 StVZO vorgeschriebene Pflichtveranstaltung.
Durchgeführt von den Prüforganisationen TÜV, DEKRA & Co. Inzwischen als Doppelpack in einem: HU und Abgasuntersuchung (AU) zusammen.

Deren Ziel: Die Verkehrssicherheit und Umweltverträglichkeit des Fahrzeugs bestätigen bzw. schwerwiegende und geringe Mängel erkennen und zu deren Beseitigen auffordern.
Hat das Fahrzeug bestanden, wird dies durch eine Plakette am hinteren Kennzeichen bestätigt. Die weist zudem den Monat und das Jahr der nächsten HU aus.

Der Prüfer nimmt das Fahrzeug genau unter die Lupe: Bremsen, Lenkung, Scheiben, Spiegel, Licht, Tacho, Kupplung und Achsen, hier im Detail Räder, Reifen Aufhängungen und
das Fahrgestell werden auf ihren technischen Zustand hin überprüft. Per HU-Adapter kommt die On Bord Diagnose elektronische gesteuerter Teile hinzu: Assistenz- und Sicherheitssysteme
wie ESP, ABS, Sicherheitsgurte, Tempomat und andere werden per Fehlerauslese aus der Blackbox (Datenspeicher) gecheckt. 

Die integrierte Abgasuntersuchung misst die Abgaswerte und überprüft die Funktionstüchtigkeit der Abgasreinigungsanlagen. Dieser Test ist nicht mit der Schadstoff- und Verbrauchsermittlung des stark in der Kritik stehenden Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) zu vergleichen. Als zusätzlichen kostenlosen Service bieten Prüforganisationen einen Leistungsfähigkeitstest der sicherheitsrelevanten Stoßdämpfer in % an. Offiziell ist hier aber immer noch nur ein Sichttest vorgesehen.   

Für 2017 ist eine Erhöhung der HU-Gebühren angekündigt, um rd. 10%. So ergeben sich aktuell HU-Kosten, wenn auch von Prüforganisation und zu Bundesland etwas unterschiedlich, von rd. 100 €. Weiterhin soll die Abgasuntersuchung wieder von der On Bord Diagnose (Auslesen der Blackbox) zur Sensormessung im Auspuff wechseln. Diese liefere genauere Werte.

Wenn auch von manchem Autofahrer angezweifelt, bestätigen Fachleute immer wieder: Die regelmäßige HU ist ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass Deutschland weltweit zu jenen Ländern zählt, in denen die Unfallursache „technisches Versagen“ nur um die 2% des Gesamtunfallgeschehens ausmacht.  Und diese 2 % beziehen sich großteils auf nicht witterungsgemäße bzw. abgefahrene Reifen.    

Tipps:

Bei erheblichen Mängeln muß deren fachgerechtes Beseitigen innerhalb eines Monats durch eine Wiedervorstellung des Fahrzeugs zu einer Nachprüfung belegt werden. Je nach deren Umfang können die Kosten hier zwischen 12 und 25 € liegen. Stellen die Prüfer erhebliche Mängel fest, die die Verkehrssicherheit völlig ausschließen, wird die Zulassung entzogen, das Auto muß huckepack zur Werkstatt und zur Nachprüfung rollen.

Auch geringe Mängel, wie ein abgelaufenes Erste Hilfe Set oder die im Fahrzeug nicht aufzufindende Warnweste werden auf dem Prüfbericht vermerkt, ziehen aber keine Nachprüfung nach sich.

Das Überschreiten der vorgeschriebenen HU-Prüftermine ist kein Kavaliersdelikt gesehen. Das zeigt sich aktuell auch an den Bußgeldern, dem Flensburgpunkt und höheren Kosten für die HU selbst:
Ist die Frist für die HU bis zu 2 Monate überzogen, drohen 15 € Buße, bei 3 bis 4 Monaten werden 25 € Buße fällig, bei 5 bis 8 Monaten Fristüberziehung 60 € + 1 Punkt und bei mehr als 8 Monaten 75 € + 1Punkt. Dazu kommt ab dem 3. Monat Terminverzug ein 25% Aufschlag auf die HU-Gebühr. Und: Wird das Fahrzeug nicht rechtzeitig zur Nachprüfung vorgeführt hagelt es 40 € Buße.

Dagegen gehört das Rückdatieren der HU Gültigkeit auf den eigentlichen HU Monatstermin der Vergangenheit an. Wer im Dezember dran war, aber im Februar kommt, bekommt seine HU Gültigkeit nicht mehr auf den Dezember zurückdatiert, sondern ist bei bestandener Prüfung im Februar nun ab Februar wieder volle 2 Jahre als gecheckt dabei.  

Nach wie vor grassiert die Meinung, dass eine bestandene HU eine Garantiezusage für die geprüften Teile in nächster Zeit sei. Das mit dieser Konsequenz: Geben Teile ihren Geist auf, sei die Prüforganisation zumindest mit einem Teil der Reparaturkosten in der Pflicht.  Da sagt der Gesetzgeber klar: Nein. Die HU checkt die Verkehrssicherheit im Augenblick der Prüfung, nicht die allgemeine Betriebssicherheit. Ergo: Hat man die HU ohne Mängel bestanden und fällt 25 km weiter der Auspuff ab, ist das eine Sache für den Fahrzeughalter ganz allein. Rechtsansprüche gegenüber der Prüforganisation entstehen nicht.

Trotz steigender technischer Komplexität der HU, lassen sich vor der Prüfung Mängel vom Halter beheben oder zumindest entdecken, um sie vorab in der Werkstatt gezielt beseitigen zu lassen.
Selbst sind die Frau und der Mann, sitzt die Scheibenwischerlippe zu locker oder ist sie verschlissen. Ein sicherheitsrelevanter Mangel. Und sind die Spritzdüsen verkalkt, hilft Druckluft.

Auch der Check, ob die Beleuchtung ringsherum und alle Lichtfunktionen in Takt sind, fällt leicht. Einen Ausfall im  Xenon- oder LED –Bereich zu beheben leider nicht. Ob die Scheinwerfer verstellt sind, zeigen die Lichtkegel an der Wand, wenn sie unterschiedlich hoch sind.

Und mit einem satten Steinschlag im Sichtbereich des Fahrers hat man beim Prüfer kein Stein im Brett. Ebenso sind die Reifen abgefahren und weisen nicht mehr die geforderte Mindestprofiltiefe von 1,6 mm aus. Verschwindet aber der 3mm starke Rand einer 1 Euro Münze im Profil und das an verschiedenen Reifenstellen, ist alles im Lot. Und sollten nach dem Starten nicht alle Warnleuchten erlöschen, empfiehlt sich vorab ein Werkstattbesuch. Ebenso, sorgt beim Rückwärtsfahren der Handbremseneinsatz dafür, dass sich das Auto ungleich anhebt oder beim Vorwärtsfahren das Bremsen das Auto stark einseitig wegziehen läßt.  

Auch der feste Batteriesitz ist ein Checkpoint. Und sollte ein 5 Sekunden zugehaltener Auspuff einen Pfeifton von sich geben, pfeift er mindestens auf einem Loch.  Und wenn auch nur geringe Mängel, müssen ein abgelaufener Erste Hilfe Kasten, eine fehlende Warnweste oder das nicht vorhandene Warndreieck nicht sein.

Eines sollte man aber nicht tun: Das Auto mit dem alleinigen, allgemeinen Hinweis „für den TÜV fertig machen“ in der Werkstatt abgeben. Das wäre so etwas wie  ein „Rechnungs-Freibrief“.

Beitrag von Reinhard Rychlik