Familie mit Kind - (Quelle: dpa Bildfunk)

Service - Helikopter-Eltern - bitte landen!

Es gibt Eltern, die kreisen immer um ihr Kind herum - sie wollen jederzeit helfen und vor allem schützen. Sie meinen es gut. Doch damit machen sie sich und ihrem Nachwuchs das Leben schwer.

"Ein Schiff ist am sichersten im Hafen, aber dafür ist es nicht gebaut." William Shedd, amerikanischer Theologe (1820 - 1894). Es gibt Eltern, die ihr Kind stets behüten wollen, alles für den Schützling im voraus planen, ihm jede unangenehme Erfahrung ersparen und auf keinen Fall bei der Erziehung einen Fehler machen wollen. Sie sind überall und übervorsichtig. Alles soll perfekt sein. Weil sie ihre Kinder ständig umschwirren, werden sie Helikopter-Eltern genannt. Besonders Mütter neigen dazu, sich zur Glucke zu entwickeln.

Lieben Eltern zu sehr?

Es ist normal, dass Eltern ihre Kinder lieben und sie beschützen wollen. Und weil wir immer weniger Kinder haben, konzentriert sich unsere Elternliebe immer mehr auf den einzelnen kleinen Schatz. Früher wurden Kinder in der Großfamilie von verschiedenen Erwachsenen betreut, Nachbarn schauten nach den Kinder, die draußen spielten. Heute werden die Kinder kaum aus den Augen gelassen. Doch zu viel des vermeintlich Guten tut dem Kind nicht gut: All zu ängstliche Eltern erziehen ängstliche und zögerliche Kinder. Ein Kind, dem seine Eltern nur wenig zutrauen, kann nur schwer Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen entwickeln. Und überbehüteter Nachwuchs neigt in der Pubertät zur Rebellion gegen seine Erzeuger. Wer keine Abenteuer erlebt, sieht keine Heraus- forderungen mehr. Und wenn es drauf ankommt, kann er allein später Situationen und Gefahren schlechter einschätzen. Wissenschaftler behaupten sogar, das bei überbehüten Kindern zu wneig Stresshormone und Botenstoffe ausgeschüttet werden, so dass die Entwicklung des Gehirns behemmt werden könnte.

Keine einfache Sache: Das richtige Maß für die Erziehung

Eltern haben ohne Zweifel einen Spagat zu bewältigen zwischen Fürsoge und Freiheit für das Kind. Und es gibt kein Rezept dafür, wie dies am besten gelingt. Doch sie sollten sich mit sich selbst auseinandersetzen, mit ihren Gefühlen und ihrem Verhalten. Was macht mir Angst, und woher kommt sie? Gebe ich sie an mein Kind weiter? Kann es sein, dass ich mit meiner Sorge das Kind an mich binde? Diese Fragen sollten sich Eltern stellen und es aushalten können, wenn ihr Kind auch mal traurig, wütend oder ängstlich ist. Dazu kommt die Akzeptanz, dass der Nachwuchs mit zunehmendem Alter immer mehr eigene Wege geht. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder zum ausschließlichen Lebenssinn und Mittelpunkt ihres Handelns machen, sondern sich bewusst um ihr eigenes Leben kümmern - in der Partnerschaft, im Freundeskreis und im Beruf.

(Beitrag von Andrea Brandt)