Zeichnung: Mutter mit zwei Kindern; Quelle: Imago/Westend61
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Service - Alleinerziehend - na und?

Seit zwölf Jahren ist die Berliner Autorin Katja Zimmermann alleinerziehende Mutter. Über ihre Erfahrung, die sie mit 1,6 Millionen Deutschen teilt, hat sie jetzt ein Buch geschrieben. "Esst euer Eis auf, sonst gibt es keine Pommes" ist ehrlich, offen und kommt mit einer guten Prise Humor daher.

Die Scham der Alleinerziehenden

Viele Menschen,die ihre Kinder allein großziehen, befällt ein Gefühl der Scham. Was habe ich falsch gemacht, dass ich jetzt allein mit den Kids dasitze? Warum genüge ich meinem Partner nicht? Katja Zimmermann empfiehlt in ihrem Erfahrungsbericht, sich nicht von idealisierten Bildern davon, wie eine Familie auszusehen hat, runterziehen zu lassen. Sich von den eigenen Erwartungen zu befreien, und den Ist-Zustand zu akzeptieren, ist der erste Schritt zu einem glücklichen Leben als Alleinerziehende. Die Akzeptanz der eigenen Situation ist wichtig, um sich auch von den Ansprüchen anderer an das eigene Leben zu befreien.

Abschied vom Bild der Super-Mama

Auch die eigenen Bedürfnisse nicht immer den Kindern unterzuordnen, gehört für Katja Zimmer, die Mutter der beiden zwölfjährigen Zwillinge Luis und Nele ist, zu ihrem Erfolgsrezept. Sind erst einmal die Ansprüche zurückgeschraubt, lebt es sich einfach entspannter. Das eigene Wohlbefinden im Auge zu behalten, sich nicht ausschliesslich als Mutter zu sehen, sondern auch als jemand, der eigene Bedürfnisse hat und verfolgt, ist der beste Weg die eingetretenen Pfade zu verlassen, und zu einem Selbstbild zu kommen, das nichts mit dem Image der aufopfernden Super-Mama zu tun hat, dass wir in Deutschland so pflegen.

Ignoranz der "normalen" Eltern

Viele Elternpaare schauen auf die Alleinerziehenden mit einer Mischung aus Ignoranz, Mitleid und Neid. Das hat mehrere Gründe. Zum einen wird die Situtation der Alleinerziehenden als eine empfunden, in die man selber nicht gerne kommen möchte. Dabei werden aber oft die Nachteile, die es auch in einer schlecht aufgeteilten Arbeitsteilung innerhalb einer "normalen" gibt, ausgeblendet. Dazu kommt in manchen Fällen auch noch ein gewisser Neid, meint Katja Zimmermann, denn viele Frauen könnten sich garnicht von ihrem Mann trennen, aufgrund der finanziellen Abhängigkeiten, die oft in solchen Familien entstehen.

 

Alleinerziehen hat auch Vorteile

In ihrem Erfahrungsbericht schildert die Berliner Autorin auch die Vorteile einer alleinerziehenden Mutter. Da ist zum Beispiel ein tolles soziales Umfeld, bestehend aus Freunden und Familie. Beziehungen, die ein Paar garnicht nötig hätte, und die das Leben aber doch bereichern, offener und
kontaktfreudiger machen. Auch bleibt man, so Katja Zimmermann, mehr Herrin des eigenen Lebens, und wird weniger bequem. Denn das kann man sich als alleinerziehende Mutter auch garnicht leisten.

Beitrag von Andrea Brandt