Service - Kinderwagen im Test

Fürs Baby nur das Beste: Kinderwagen sollen bequem, sicher und schick sein. Für so viel Luxus zahlen werdende Eltern mitunter über eintausend Euro. Dafür erwarten sie zu Recht gute Qualität. Doch die bieten nur die wenigsten Modelle, wie die Stiftung Warentest jetzt herausfand.

Zwölf Kombikinderwagen haben die Prüfer untersucht – und teilweise erschreckende Mängel  festgestellt. Manche der Edelkutschen sind eher fahrende Chemiecocktails und ein echtes Sicherheitsrisiko.

Vier Wagen sind „mangelhaft“
Von den zwölf Kinderwagen sind vier mangelhaft aufgrund von erhöhten Schadstoffen und Sicherheitsmängeln. Betroffen sind die Marken Bergsteiger („Capri“), Bugaboo („Buffalo“), Knorr-Baby („Noxxter“) und Teutonia („Bliss“). Bei den Schadstoffen handelt es sich um:

- Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), am häufigsten PAK Naphthalin, das vermutlich krebserregend ist.

- Weichmacher (Phtalate). Sie können sich durch Speichel und Schweiß lösen. Sie können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen.

- Flammschutzmittel, vermutlich krebserregend

Die gesetzliche Norm für Kinderwagen legt nur für wenige Schadstoffe Grenzwerte fest. Kinder fassen die Gurte, Halterungen etc. aber täglich an oder lutschen an den Bezügen. Daher setzt die Stiftung Warentest bei Produkten, mit denen Kindern in Berührung kommen, bei ihren Prüfungen die Grenzwerte für Kinderspielzeug an. Die Hersteller berufen sich aber darauf, dass sie die gesetzlichen Normen einhalten.

Natürlich wird ein Kind nicht allein dadurch, dass es mit einem schadstoffbelasteten Wagen durch die Gegend geschoben wird, sofort krank. Dennoch sollte man aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes die Schadstoffmenge, mit der ein Kind im Laufe seines Lebens in Berührung kommt, so gering wie möglich halten.

Gänzlich ohne Schadstoffe war im Test nur der Kinderwagen „Varius Pro“ von Naturkind. Der Anbieter verwendet möglichst naturnahe Materialien wie Kokos und Schafschurwolle. Die Schiebegriffe bestehen aus Kork statt aus Kunststoff. Einziger Mangel des Wagens: Er kann kippen, wenn der Sitz nicht richtig eingesetzt wird. Allerdings ist dafür ein deutlich höherer Kraftaufwand als bei Knorr-Baby erforderlich.

Umkipp-Gefahr bei Knorr-Baby
Der Kinderwagen „Noxxter“ von Knorr-Baby  ist laut Stiftung Warentest nicht nur mit Schadstoffen belastet, sondern birgt auch noch ein anderes großes Risiko. Eltern können beim Einsetzen des Sitzes einen gefährlichen Fehler machen. Um den Sitz korrekt zu befestigen, müssen sie vier Metallstifte ins Fahrgestell einklinken. Auch wenn man nur zwei Metallstifte einklinkt, gab es im Prüflabor ein deutliches Einrast-Geräusch. Die Nutzer könnten also denken, sie haben alles richtig gemacht. Doch der Sitz kann kippen mitsamt dem Kind. Ist dieses nicht angeschnallt kann es rausfallen. Ist der Sitz rückwärts montiert, kann sich das Kind die Arme quetschen. Die Stiftung Warentest benachrichtigte daraufhin die Marktaufsicht des Anbieters. Diese entscheidet, ob der Wagen weiterhin verkauft werden darf. Knorr-Baby hat angekündigt, die Konstruktion ab der nächsten Produktion mit einer Kippsperre zu versehen. Alle bestehenden Kunden sollen ein kostenloses Nachrüstset erhalten.

Die Stiftung Warentest rät allen Besitzern eines mit „mangelhaft“ bewerteten Modells, innerhalb der Gewährleistungsfrist von 2 Jahren ab Lieferung, ihren Händler aufzufordern, den Mangel zu beheben. Eine weitere Möglichkeit für Eltern, deren Wagen schon älter als zwei Jahre ist: Die betroffenen Griffe entfernen oder überkleben.

Immerhin drei „gute“ Wagen
Dass es auch anders geht, zeigen drei Kinderwagen, die insgesamt mit „gut“ bewertet wurden: Britax “Go Big” (995 €), ABC Design “Condor 4” (600 €) und Joolz “Geo Earth” (1000 €).

Worauf man beim Kauf achten sollte
Ob ein Kinderwagen schadstofffrei ist oder nicht, sieht man ihm leider im Laden nicht an. Doch es gibt einige Punkte, auf die Eltern beim Kauf achten sollten.

Größe der Tragetasche
In vielen Kinderwagen ist zu wenig Platz. Die Folge: Schlechter Schlaf und gereizte Babys. Eine optimale Schlafumgebung bietet eine  Liegefläche von mindestens 35 mal 78 Zentimetern. Im diesjährigen Test hatten nur die Modelle von Joie, Joolz und Naturkind Tragetaschen, die lang genug sind für Kinder bis mindestens neun Monate. Ganz anders dagegen die Wagen von Hauck und Osann. Ihre Tragetaschen sind so kurz, dass großgeratene Babys schon nach vier, fünf Monaten mit den Füßen anstoßen. In diesem Alter können sie aber noch nicht in den Sportsitz umsteigen, dazu fehlt ihnen die Muskulatur.

- Auch die Rückenlehne sollten Sie vor dem Kauf ausmessen. Mindestens 50 Zentimeter sollte sie lang sein, sonst ragt bei großen Kindern der Kopf hinaus und ist nicht abgestützt.

- Empfehlenswert ist es, wenn sich die Sitzeinheit ganz flach einstellen lässt und die Fußstützen verstellbar sind und mitwachsen.

- Wichtig besonders für große Eltern: Ein Schiebegriff, der in der Höhe variabel ist, so dass sie aufrecht laufen können. Auch sollten Sie dabei nicht mit den Füßen an den Wagen stoßen.

- Starre Räder sind unpraktisch in engen Gängen. Wendiger unterwegs ist man mit schwenkbaren Rädern.

Beitrag von Sina Krambeck