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zibb-Service - Steuererklärung: Heiße Tipps für kühle Rechner

Es ist zeitraubend, doch am Ende zahlt es sich meistens aus, sie abzugeben: Die Steuererklärung. Rund 900 Euro erhielten Angestellte in den vergangenen Jahren vom Finanzamt zurück. Auch für 2017 stehen die Chancen auf eine ordentliche Rückzahlung vom Fiskus gut. Zumal es  einige neue Urteile gibt, die Steuerzahler entlasten.

Wer muss eine Steuererklärung machen?

Viele kommen ohnehin nicht um die Abrechnung mit dem Finanzamt herum. Zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind unter anderem: Arbeitnehmer und Pensionäre mit Steuerklassen 5, 4 oder 6; Arbeitnehmer, die  Nebeneinkünfte oder Lohnersatzleistungen über 410 Euro hatten; Rentner, deren Einnahmen nach Abzug von Pauschbeträgen über 8652 Euro lagen; Freiberufler.

Wer zur Abgabe verpflichtet ist, muss die Steuererklärung für 2016 bis 31. Mai 2017 abgeben. Bei Hilfe durch Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein hat man bis zum 31. Dezember 2017 Zeit. Wer diese Fristen nicht schafft, sollte rechtzeitig und formlos eine Verlängerung beim Finanzamt beantragen. Übrigens: Ab dem Veranlagungszeitraum 2018 bekommen diejenigen, die ihre Steuererklärung selbst machen, zwei Monate mehr Zeit. Wer einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein zu Hilfe hat, hat sogar bis zum 2. März 2020 Zeit.

Aber auch für diejenigen, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, kann sich der Aufwand lohnen. Gute Aussichten auf eine Erstattung vom Finanzamt haben zum Beispiel  Arbeitnehmer, die 2016 nur zeitweise beschäftigt waren. Die Lohnsteuersoftware im Betrieb geht von zwölf gleichen Gehältern aus. Bei weniger sind Jahreseinkommen und persönlicher Steuersatz geringer. Auch Ehe- und gesetzliche Lebenspartner, die nicht die optimalen Steuerklassen hatten oder Alleinerziehende, die nicht Steuerklasse 2 hatten und die deshalb noch den Entlastungsbetrag bekommen.

Wer bisher noch keine Steuererklärungen gemacht hat, weil er nicht musste, kann auf einen Rutsch noch die Erklärungen für 2013, 2014 und 2015 gleich mitabgeben und damit seine Steuererstattungen eventuell vervierfachen.

Steuermodernisierungsgesetz in Kraft

Zum 1. Januar 2017 ist das Steuermodernisierungsgesetz in Kraft getreten. Die Finanzverwaltung automatisiert damit zunehmend das Besteuerungsverfahren. Die elektronische Steuererklärung ist auf dem Vormarsch. Das bedeutet für diejenigen, die ihre Steuererklärung über Elster oder eine gekaufte Steuersoftware abgeben: Ihre vom Arbeitgeber gemeldeten Daten (z.B. Löhne) müssen sie nicht mehr eintragen, sie werden vom Arbeitgeber und Sozialversicherungsträger digital ans Finanzamt gemeldet. Diese so genannten E-Daten können in seltenen Fällen falsch sein. Dann ist der Steuerbescheid aufzuheben oder zu ändern. Tipp: Man kann in seiner Steuererklärung freiwillig abweichende Daten angeben. So soll sichergestellt werden, dass ein Sachbearbeiter die Zahlen noch einmal prüft. Dazu genügt es, die abweichende Zahl im sogenannten qualifizierten Freitextfeld einzutragen. Ihre Erklärung wird dann aus der automatischen Veranlagung herausgenommen.

Wer seine Steuererklärung elektronisch abgibt, muss nun keine Papierbelege mehr mitschicken. Man muss sie aber mindestens ein Jahr aufbewahren und bei Nachfrage ans Finanzamt schicken.

Chance auf Rückzahlung

Die Chancen auf eine Rückzahlung steigen, wenn in der Steuererklärung möglichst hohe Ausgaben stehen, die das Finanzamt anerkennt.

Mietern und Eigentümern, die hohe Ausgaben für Putzhilfe, Babysitter, Gärtner oder Möbelmonteure geltend machen können, winken insgesamt bis zu 5700 Euro Steuerbonus. 

Für Handwerker zum Beispiel können Sie bis zu 6000 Euro eintragen. Das Finanzamt zieht 20 Prozent davon, also 1200 Euro, direkt von der Steuerschuld ab.  Geltend machen können Sie aber nur die Lohn- und Fahrtkosten, nicht die Ausgaben für das Material. Lassen Sie diese Kosten daher in Rechnungen stets separat ausweisen und zahlen Sie per Überweisung, um ihre Zahlungen belegen zu können.

Für 2016 sponsert das Amt erstmals auch Messungen an der Gastherme, Ölheizung oder Schornstein.

Einen Bonus können jetzt auch Tierfreunde einstreichen. Wer seine Vierbeine in den heimischen vier Wänden betreuen lässt, darf laut einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofs diese Kosten abrechnen. 

Menschen, die 2016 einen Angehörigen unentgeltlich gepflegt haben, können diese Kosten abrechnen. Wer z.B. unentgeltlich eine Person mit Pflegestufe 3 gepflegt hat, kann 924 Euro Pauschbetrag absetzen. Leistungen, die eine Pflegekraft auf Minijob-Basis im Haushalt erbringt, können als haushaltsnahe Dienstleistung abgesetzt werden.

Bei der Abrechnung von Medikamentenkosten fällt ein Eigenanteil an, der je nach Einkommen und Familienstand zwischen 1-7 Prozent beträgt. Erstattungen von privaten Zusatzversicherungen muss man vorher abziehen. Bei Brillen und Kontaktlinsen bewertet das Amt im Einzelfall, ob die Kosten abziehbar sind. Wichtig: Die Arzneien und Therapien müssen vom Arzt verordnet worden sein. Wer eine Kur oder Psychotherapie abrechnen lassen will, braucht dafür eine Bescheinigung vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen oder ein Attest vom Amtsarzt.

Wenn Sie 2016 Krankheitskosten hatten, sollten Sie diese unbedingt bei der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung angeben. Denn derzeit prüft das Bundesverfassungsgericht, ob der Abzug der zumutbaren Eigenbelastung überhaupt verfassungskonform ist.

Einen Steuerbonus gewährt das Finanzamt  auch jedem, der 2016 einen bedürftigen Angehörigen finanziell unterstützt hat. Das gilt etwa für Eltern, die ihr erwachsenes Kind, für das sie kein Kindergeld mehr bekommen unterstützen. Oder wer Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis in seinen Haushalt aufgenommen hat. Absetzen können Sie jetzt bis zu 8652 Euro (bislang: 8472 Euro) plus die Basisbeiträge für Kranken- und Pflegeversicherung für den Unterhaltsempfänger.

Beitrag von Sina Krambeck