Viele Euro-Scheine liegen auf einem Tisch (Bild: dpa)

Service - Mehr Geld für die Pflege

Das Geld aus der gesetzlichen Pflegekasse reicht schon heute nicht mehr aus. Seit Anfang des Jahres fördert die Bundesregierung deshalb die private Vorsorge. Stiftung Warentest hat Zusatzversicherungen getestet. Die Ergebnisse bei zibb.

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Alte Hände auf dem Knauf eines Gehstocks, Quelle: dpa

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Jeder Zweite wird im Laufe seines Lebens zum Pflegefall. Das Geld aus der gesetzlichen Pflegekasse reicht dafür schon heute nicht aus. Im Schnitt 37.000 Euro müssen Familien laut einer Studie insgesamt aus eigener Tasche bezahlen. Künftig soll deshalb jeder für den Pflegefall selbst vorsorgen. Und der Staat hilft dabei. Seit Anfang des Jahres fördert die Bundesregierung private Pflegetagegeldversicherungen. Doch wie gut sind die Angebote? Stiftung Warentest hat sie unter die Lupe genommen.

Pflegetagegeldversicherungen - hinter diesem Wortungetüm steckt eine private Zusatzversicherung, bei der im Pflegefall eine vereinbarte Geldsumme pro Tag ausgezahlt wird, unabhängig von den tatsächlichen Kosten. Die Höhe der Summe richtet sich nach der von der Krankenkasse festgestellten Pflegestufe. Der Vorteil: Der Versicherte kann frei über das Geld verfügen, es auch z.B. für die Hilfe von Familie oder Freunden ausgeben. Der Nachteil: Will man professionelle Leistungen hinzubuchen, kann es mit dem Tagegeld eng werden. Denn das Risiko, dass die Pflege teurer ist als gedacht, ist hier nicht abgesichert. Die Bundesregierung fördert dieses Modell trotzdem mit Zuschüssen.

Der sogenannte Pflege-Bahr funktioniert so: Wer pro Monat 10,00 Euro in eine private Pflegetagegeldversicherung einzahlt, der bekommt 5,00 Euro obendrauf. Maximal 60,00 Euro gibt der Staat dazu - in diesem Fall läge der monatliche Beitrag für den Versicherten bei 120,00 Euro monatlich.

Maklerprovision und Verwaltungskosten sind gesetzlich gedeckelt, damit möglichst viel Geld direkt in die Vorsorge fließt. Weiterer Vorteil: Wirklich jeder bekommt einen Vertrag - egal, wie alt oder krank jemand ist.

Mogelpackung Pflege-Bahr
Die Idee von Gesundheitsminister Daniel Bahr klingt erstmal gut. Die Stiftung Warentest sagt aber: Mogelpackung. Unter den Testsiegern ist kein einziger geförderter Tarif. Der Pflege-Bahr wird nach Ansicht der Experten in absehbarer Zeit immer teurer werden, da es keine Gesundheitsprüfung gibt. Denn das könnte dazu führen, dass viele Ältere und Kranke diese Verträge abschließen. Außerdem reichen die Leistungen bei weitem nicht aus, um die hohen Kosten für die Pflege zu decken.

Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 600,00 Euro Leistung bei Pflegestufe 3 - viel zu wenig, sagt die Stiftung Warentest. Denn die Versorgungslücke bei Pflegestufe 3 liegt bei bis zu 2.320 Euro monatlich. Und die Leistungen bei Demenz sind bei gleichem Beitrag oft deutlich niedriger als in den Tarifen ohne Zulage. Hinzu kommt, dass meist erst fünf Jahre nach Abschluss des Vertrags Leistungen abgerufen werden können. In ungeförderten Tarifen sind es maximal drei Jahre, die meisten Versicherer verzichten sogar ganz darauf.

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest, rät Kunden deshalb: Lieber das Geldgeschenk vom Staat links liegen lassen und einen ungeförderten Vertrag abschließen. Am ehesten sei der Pflege-Bahr geeignet für junge Leute mit schwerer Krankheit. Sie bekommen keinen regulären Tarif und können sich so zumindest ein wenig privat absichern. Aber: Auch für sie gilt eine Wartezeit von fünf Jahren.

Testsieger HanseMerkur
Am besten abgeschnitten haben die Anbieter HanseMerkur mit dem Tarif  PA , die DFV mit dem Tarif PZV und die Mecklenburgische mit dem Tarif ProME Pflegeplus. Die Testsieger schließen die Versorgungslücke in allen Pflegestufen so gut wie möglich. Außerdem bieten sie auch Leistungen für Demenzkranke ohne körperliche Pflegebedürftigkeit. Und das alles bei einem vorher von der Stiftung Warentest festgelegten Beitrag (55,00 Euro monatlich für 45-Jährige, 85,00 Euro monatlich für 55-Jährige).

Generell empfiehlt die Stiftung Warentest die Policen wegen der hohen, kaum überschaubaren Beiträge eher nicht für Leute unter 40 Jahren. Zu Beginn der Berufstätigkeit können viele die Höhe ihres Verdiensts über Jahrzehnte noch nicht einschätzen. Andere Versicherungen (z.B. Berufsunfähigkeitsversicherungen) sind für sie wichtiger. Nur wer Beiträge über Jahre sicher zahlen kann, sollte den Vertrag abschließen. Denn wer kündigt, verliert den Schutz und das gezahlte Geld.

Beitrag von Christine Schaller