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Die Alterssichtigkeit beginnt etwa mit 45 Jahren und trifft früher oder später jeden. Mögliche Alternative zu einer Lesebrille ist eine Operation. Zu Gast im Studio ist Dr. Anja Liekfeld, Ernst-von-Bergmann Klinikum Potsdam, Chefärztin der Augenklinik.
Fast jeder über 50 ist früher oder später von der Alterssichtigkeit betroffen. Dann klappt das nahe Sehen nicht mehr gut, etwa beim Zeitungslesen oder bei der Arbeit am Computer. Die meisten behelfen sich mit einer Lesebrille. Die ist aber nicht zwingend nötig. Wer unbedingt ohne Lesebrille leben will, für den gibt es Alternativen: Das Augenlasern sowie künstliche Linsen, d.h. eine so genannte Multifokallinse oder aber ein Kamra-Inlay.
Jeder wird alterssichtig
Die Alterssichtigkeit ist eine ganz normale Veränderung der Augenlinse, die im Alter zwischen 40 und 50 Jahren beginnt und mit 65 abgeschlossen ist. Augenärzte sprechen hier von einer Presbyopie. Sie kommt zustande, weil sich die Augenlinse mit zunehmendem Alter verhärtet und an Elastizität verliert. Damit verliert sie auch die Fähigkeit, in der Nähe scharf zu stellen.
Der normale Abstand zum Lesen beträgt 35 Zentimeter. Um in diesem Nahbereich scharf sehen zu können, muss sich die Linse wölben. Dafür zieht sich ein Ringmuskel im Ziliarkörper des Auges zusammen, wodurch sich der Aufhängeapparat der Linse zugleich entspannt und die Linse kugelförmiger wird. Diese Naheinstellung ist bei der Alterssichtigkeit reduziert, weil sich die Linse verhärtet hat. Die Folge: Die Bereiche, auf die das Auge scharf stellen kann, rücken immer weiter in die Ferne. So erklärt sich auch, warum ältere Menschen die Arme zum Lesen ausstrecken, um noch scharf sehen zu können.
Laser statt Lesebrille
Das bekannteste Verfahren zur Korrektur von Fehlsichtigkeit ist die sogenannte Lasik-Methode. Mit einem kleinen Hobel wird die oberste Schicht der Hornhaut eingeschnitten und dann aufgeklappt. Das darunterliegende Gewebe wird nun, nach vorheriger exakter Berechnung je nach Korrekturmaß, per Laser abgeschliffen. Für die Korrektur der Alterssichtigkeit wird dabei ein Auge für die Ferne und ein Auge für die Nähe korrigiert. Dies reduziert allerdings die Fähigkeit zum Stereosehen. In der Regel werden auch nur 1,5 bis 2 Dioptrien korrigiert.
Manche Patienten klagen nach dem Eingriff über Schleiersehen.
Die Behandlung kostet rund 2000 Euro pro Auge.
Die Multifokallinse
Die Multifokallinse ist der Königsweg bei der Alterssichtigkeit. Die Multifokallinse ist eine künstliche Augenlinse, welche die körpereigene Linse komplett ersetzt. Bei der Operation wird zunächst die körpereigene Linse abgesaugt und an deren Stelle eine Kunstlinse eingesetzt.
Die Operation erfolgt in mehreren Schritten. Mit dem Laser wird zunächst die körpereigene Linse zerstört. Dann wird die neue Kunstlinse eingeführt. Der Patient wird dabei lediglich lokal betäubt. Nach der Operation kann er sofort nach Hause und schon wenige Stunden später wieder sehen.
Die Multifokallinsen haben auf ihrer Oberfläche mehrere Brennpunkte eingearbeitet, die für Sehen im nahen, mittleren und weiten Bereich sind. Auf der Netzhaut des Auges entstehen so gleichzeitig mehrere Bilder, und das Gehirn muss lernen, diese richtig zu interpretieren. Der Lernprozess dauert bei den Patienten zwischen wenigen Tagen und einigen Wochen.
Die Multifokallinsen verfügen über einen enormen Korrekturbereich. Dies bedeutet, dass auch Patienten mit starker Kurz- oder Weitsichtigkeit von Multifokallinsen profitieren können. Außerdem ist die Operation auch im Zusammenhang mit einem Grauen Star gut möglich.
Die Erfolgsquoten der Operation, welche ähnlich der beim Grauen Star ist und in Deutschland jedes Jahr etwa 650.000 mal durchgeführt wird, sind relativ hoch. Einige Patienten haben nach der Operation aber Schwierigkeiten mit dem Sehen bei schlechten Kontrasten und mit der Blendempfindlichkeit.
Auch hier übernehmen die Krankenkassen die Kosten, die insgesamt zwischen 4.500 und 5.000 Euro liegen, in der Regel nicht.
Das Kamra-Inlay
Dieses Verfahren ist relativ neu. Das Kamra-Inlay besteht aus einer kreisrunden, extrem dünnen schwarzen Kunststofflinse mit einem Durchmesser von 3,2-3,8 Millimetern und einer zentralen Öffnung von 1,6-1,8 Millimetern Durchmesser. Das Implantat wird unter die Hornhaut, zentral über der Pupille platziert und wirkt wie eine Lochblende zur Erhöhung der Schärfentiefe.
Die Operation erfolgt ambulant unter lokaler Betäubung und dauert etwa 10-20 Minuten.
Der Eingriff kommt vorzugsweise für jüngere Menschen in Frage, die keine weitere Fehlsichtigkeit aufweisen.
Langzeitstudien über Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen liegen noch nicht vor. Kurzzeitstudien bescheinigen eine Verbesserung der Nahsehschärfe in mittleren Bereichen. Bei einigen Patienten bringen die Linsen kleinere Abstriche beim Sehen in der Ferne. Der Seh-Eindruck kann etwas dunkler und minimal unschärfer werden. Einige klagen über deutliche Überblendungen.
Auch hier werden die Kosten von bis zu 2.600 Euro pro Auge in der Regel nicht von den Kassen übernommen.
Beitrag von Michael Großmann










