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Jede zweite Schwangere trinkt gelegentlich Alkohol. Nicht ohne Folgen: Rund 10000 Babys komm jährlich mit Alkoholschäden zur Welt. Mehr dazu in unserem Service.
Schwangerschaft und Alkohol? Eigentlich passt das nicht zusammen und trotzdem: Jede zweite Schwangere trinkt gelegentlich Alkohol. Nicht ohne Folgen für das Ungeborene: Etwa 3-4000 Kinder kommen pro Jahr mit dem so genannten Fetalen Alkohol Syndrom, kurz FAS, auf die Welt. Es ist die häufigste angeborene Behinderung und das, obwohl sie zu 100% vermeidbar ist. Für die Fachleute gibt es keine klare Grenzmenge, ab der Alkohol gefährlich wird, sie sagen: "Kein Alkohol in der Schwangerschaft".
Unser Experte im Studio ist Prof. Hans-Ludwig Spohr bemüht sich seit über 20 Jahren um Aufklärung, denn der Kinderarzt hat in seiner täglichen Arbeit mit alkoholgeschädigten Kindern zu tun. In sein "Zentrum für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden" können Eltern und Erwachsene betroffene kommen und sich beraten lassen oder sich von Fachleuten diagnostizieren lassen.
Fetales Alkohol Syndrom (FAS) und Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD)
Die Symptome reichen von leichten bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Behinderungen sowie irreparablen Schädigungen des Zentralen Nervensystems. Deshalb spricht man auch von Spektrumsstörungen. Die ausgeprägteste Form des FASD ist das FAS.
Einem Teil der Kinder sieht man es an, sie sind kleiner als Altersgenossen, haben einen schmalen Kopf, veränderte Gesichtszüge. Vielen Kindern sieht man die Behinderung auf den ersten Blick aber nicht an, sie sind aber stark verhaltensauffällig. Bis bei ihnen FASD diagnostiziert wird, haben sie oft eine Ärzteodyssee hinter sich.
Betroffene neigen oft zur Hyperaktivität, haben oft eine verminderte Intelligenz, sind in ihrem Verhalten sprunghaft und unkontrolliert und in ihrer Aufmerksamkeit schwer beeinträchtigt.
Jugendliche mit FASD sind überdurchschnittlich häufig aggressiv oder depressiv, verstehen auch einfache Zusammenhänge nicht, leiden an ihrer fehlenden Bindungsfähigkeit und ihrer Außenseiterrolle und überschreiten nicht selten die ihnen gesetzten Grenzen bis hin zu Gewalttätigkeit und Diebstahl. Viele Kinder mit FASD müssen aufgrund einer beeinträchtigten Grundintelligenz und ihres auffälligen Verhaltens Sonderschulen besuchen.
Im Erwachsenenalter sind die allerwenigsten der Betroffenen in der Lage, sich selbst zu versorgen
Schwangerschaft und Alkohol
Warum sagen Experten: "Null-Alkohol"?
Weil es keine Grenze gibt, unter der Alkohol nicht gefährlich ist.
Wie wirkt sich Alkohol in der Schwangerschaft auf das Ungeborene aus?
Alkohol ist ein Zellteilungsgift und das Gehirn ist das sich am meisten ausdehnenste Organ in Schwangerschaft, es wird von daher auch am meisten betroffen. In der Hälfte der Schwangerschaft macht es 50% des Embryos aus.
Gibt es ein Stadium in der Schwangerschaft, in dem Alkohol besonders schädlich ist?
Wenn man sehr früh sehr viel trinkt, kommt es in der Regel zum Abort. Ansonsten sind alle Phasen gleich gefährlich, weil sich das Gehirn ja bis zum Ende der Schwangerschaft entwickelt.
Was ist wenn Frau vor bekannt werden der Schwangerschaft getrunken hat?
Die Wahrscheinlichkeit, ist gering, dass es negative Auswirkungen hat, aber sie soll sofort aufhören zu trinken. Egal zu welchem Zeitpunkt, auch wenn die Frau erst in der späteren Schwangerschaft sich dazu durchringen kann auf Alkohol zu verzichten, kann das noch zum Wohl des Ungeborenen sein. Man sollte nicht glauben, dass es ab dem siebten Monat nichts mehr ausmacht, ob man Alkohol trinkt oder nicht.
Gibt es Unterschiede: Bei einer Frau hat eine bestimmte Menge Alkohol keine Auswirkung, bei der anderen schon?
Nein. Tierexperimente zeigen: Gleiche Menge Alkohol erzeugt bei jedem die gleichen Schäden.
Welches können Anzeichen für FASD sein?
Meistens kommen mehrere Punkte zusammen: Das Kind ist kleiner und leichter. Es hat ein auffälliges Gesicht (schmale Lidspalten, schmale Oberlippe, flaches Gesicht, zu kleiner Kopf) Es ist anders in seinem Verhalten als Altersgenossen. Und: es gab mütterlichen Alkoholkonsum.
Wie sehen denn typische Verhaltensauffälligkeiten aus?
Konzentrationschwächen, Lernschwächen, fehlendes Unrechtsbewusstsein und ähnliches.
Welche Abstufungen gibt es?
Es gibt ein partielles Alkoholsyndrom und ein akutes. Aber für die Betroffenen macht es meist keinen Unterschied.
Warum ist die Diagnose wichtig?
Es ist eine Behinderung und diese Kinder brauchen eine besondere Förderung. Für die Eltern ist es wichtig, sie sind nach einer Ärzteodyssee endlich angekommen, wissen, was los ist. Das ist eine Entlastung.
Welche Therapien gibt es?
Es gibt nur gezielte Förderung. Und wenn die Kinder ADHS haben, kann Ritalin helfen, in diesem Fall ausnahmsweise auch schon im frühen Kindesalter
Was sollen Betroffene tun, die einen Verdacht auf FASD haben?
Erst zum Kinderarzt oder Psychiater gehen und den Verdacht äußern. Dann zu Spezialisten neben Berliner Zentrum gibt es ein weiteres bei Münster.
Beitrag von Susanne Stein
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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