Pflegenotstand (c) dpa

- Ausländische Pflegekräfte

Bis zu 10.000 Euro im Monat kostet die 24-Stunden-Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst aus Deutschland.

Unbezahlbar für die meisten Familien. Viele weichen daher auf Pflegekräfte aus dem Ausland aus – doch das birgt Risiken. Schätzungsweise 150.000 illegale Hilfen arbeiten in deutschen Haushalten – und leben ständig mit der Angst entdeckt zu werden. Die Anzeigen kommen meist aus dem Umfeld der Familien, zum Beispiel der Nachbarschaft. Zuständig für die Strafverfolgung von Schwarzarbeit ist der Zoll, Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Wer eine Pflegekraft unangemeldet beschäftigt, muss mit Bußgeldern und hohen Nachzahlungen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen rechnen.

Dabei ist es seit dem 1. Januar 2014 sogar noch einfacher geworden, eine Pflegekraft aus dem Ausland legal zu beschäftigen. Im Rahmen der EU-Arbeitnehmer-Freizügigkeit darf nun jeder EU-Bürger ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland arbeiten. Ausnahme: Kroatien. Mindestens bis Juni 2015 brauchen Kroaten eine Arbeitserlaubnis. Nicht-EU-Bürger beantragen einen Aufenthaltstitel bei der deutschen Auslandsvertretung ihres Landes oder bei einer Ausländerbehörde in Deutschland. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber, also die Familie des Pflegebedürftigen, die Pflegekraft beim Sozialversicherungsträger, bei der Agentur für Arbeit und bei der Meldebehörde anmelden und die Lohnsteuer an das Finanzamt abführen. Wird die Person von einem ausländischen Unternehmen entsendet, muss sie in ihrem Heimatland sozialversichert sein und dort Steuern zahlen. Vor Beginn sollte man sich die A1-Bescheinigung vorlegen lassen. Damit bestätigen die Behörden im Heimatland, dass die Person dort sozialversichert ist.

Übliche Löhne zahlen

Wer eine Pflegekraft selbst anstellt, kann den Arbeitslohn frei verhandeln. Allerdings darf er nicht sittenwidrig sein. Der Mindestlohn liegt im Westen bei 9 Euro, im Osten bei 8 Euro pro Stunde, wenn überwiegend Grundpflege-Leistungen erbracht werden. Sittenwidrig wäre, wenn weniger als zwei Drittel des Mindestlohnes gezahlt würden. Lässt man sich von der Arbeitsagentur eine Pflegekraft vermitteln, sollte der Tarif für die Beschäftigten in Privathaushalten gezahlt werden. Dieser liegt in Berlin-Brandenburg bei 1.632 Euro plus Sozialabgaben des Arbeitgebers, das heißt monatlich bei bis zu 2.000 Euro. Ausländische Firmen verlangen zwischen 1.300 bis 2.500 EUR plus Unterkunft, Verpflegung und Reisekosten. Hinzu kommt meist eine monatliche Gebühr für die Vermittlungsagentur.

Vorsicht vor Scheinselbstständigkeit: Wenn die Pflegekraft nur einen Auftraggeber hat und ihre gesamte Arbeitszeit dort erbringt auch dort wohnt, kann sie nicht auf Rechnung arbeiten. In diesem Fall besser einen Arbeitsvertrag abschließen. Darin festgehalten sind Arbeitszeit, Aufgaben- und Tätigkeitsbeschreibung (Haushalt, notwendige pflegerische Alltagshilfe, Betreuung), Bezahlung (möglichst Tarif- bzw. Mindestlohn), Urlaub (mindestens 24 Werktage jährlich), Regelarbeitszeit und Lohnfortzahlung bei Krankheit.

Wird die Pflegekraft krank oder hat Urlaub, schicken die Vermittlungsagenturen in der Regel Ersatz. Bei Privat-Verträgen ist es schwieriger. Kurzfristig bleibt nur die Versorgung in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung oder in der Verhinderungspflege.

Angebote vergleichen

Gute Pfleger findet man zum Beispiel über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit oder über Vermittlungsagenturen, die mit Pflegeanbietern in überwiegend osteuropäischen Ländern kooperieren. Diese Anbieter entsenden ihr Personal nach Deutschland. Der Vertrag wird also mit dem Anbieter geschlossen, nicht mit der Pflegekraft selbst. Aber Vorsicht: Es gibt sowohl für die Vermittlungsagenturen als auch für die ausländischen Pflegekräfte keine überprüfbaren Qualitätskriterien nach hiesigen Standards. Die betroffenen Familien müssen die Bedingungen und Qualifikationen selbst vergleichen und überprüfen. Gut kann heißen: gute Sprachkenntnisse, Erfahrung im Umgang mit alten pflegebedürftigen Menschen, insbesondere mit Demenzkranken, krankenpflegerische Ausbildung.

Beitrag von Christine Schaller

weitere Themen der Sendung

Pilotenstreik (Quelle: dpa)

Tagesthema - Kraniche am Boden

Der Streik der Piloten bei Lufthansa führte heute allein in Berlin zu mehr als 130 Flugausfällen. Das hatte für tausende Menschen in unserer Region heftige Konsequenzen.

Tänzer des U-Theatre Taiwan (Quelle: U-Theatre Taiwan)

LOVER

Chinesische und amerikanische Liebesgedichte, menschlicher Gesang und asiatische Trommelkunst - all das bringt Komponist Christian Jost in seinem jüngsten Werk "Lover" zusammen.

Bahnhofstraße Chorin

Chorin – mit dem kleinen Ort in der Nähe von Eberswalde verknüpft man eigentlich nur das weltbekannte Kloster, aber es gibt auch anderes dort zu entdeckenn.

Alexander Scheer zu gast im kulturradio-Studio; Foto: gb

Gast - Alexander Scheer

Ob in der Komödie "Sonnenallee" oder als internationaler Top-Terrorist in dem Film "CARLOS" – Alexander Scheer bewies in der Vergangenheit seine Wandlungsfähigkeit vor der Kamera in den unterschiedlichsten Schauspielrollen.