Stress am Arbeitsplatz (Foto: dpa)

Service - Gefangen in der Stressfalle

Wir befinden uns im dauerhaften Ausnahmezustand – schnelle durchgängige Taktung unseres Lebens, alles passiert gleichzeitig - gegen den natürlichen Rhythmus. Doch Dauerstress macht Körper und Seele krank. Die Zahlen sind alarmierend: 53 Millionen Fehltage am Arbeitsplatz wegen psychischer Belastungen in nur einem Jahr in Deutschland.

Viele Entwicklungen in der Arbeitsfeld führen dazu, dass Menschen ihren Stress nicht mehr richtig abbauen können – dazu zählen Arbeitsverdichtung, Multitasking, Flexibilisierung, Vereinzelung und Mobilität, keine Trennung mehr zwischen Arbeit und Freizeit. Doch es sind nicht nur Erwartungen aus der Außenwelt, die krank machen. Es geht auch darum, ob Betroffene einhaken, ob man allen Ansprüchen gerecht werden muss.

Ein großes Problem in unserer heutigen Zeit ist auch die innere Haltung der Menschen ans Leben, an sich selbst. Dabei spielen die Veränderung unserer Lebenswelt eine Rolle, denn es  gibt unzählige und vielfältige Möglichkeiten, die zu einem permanenten Druck führen, sich entscheiden zu müssen, wie man leben möchte, was man machen möchte. Auch das kann ein zusätzlicher Stressfaktor sein.

Was im Körper bei Stress passiert

Die Abläufe in Stresssituation sind dieselben wie bei unseren Vorfahren - ein Modus für Kampf oder Flucht. Bei Gefahr steigt die Leistungsfähigkeit sprunghaft an. Die Hormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin werden von der Nebennierenrinde in die Blutbahn ausgeschüttet: der Blutdruck steigt, das Herz arbeitet auf Hochtouren, Gehirn und Muskulatur sind sehr gut mit Sauerstoff versorgt. Ungeahnte Kräfte werden mobilisiert. Sportler profitieren noch heute davon – und nicht nur die.

Wenn sich Herausforderungen verdichten, werden die Blutbahnen von Stresshormonen überflutet. Gefährlich ist ein Dauerzustand, denn der Körper gewöhnt sich an den hohen Cortisolspiegel. Dieser verhindert, dass ein Glückshormon ausgeschüttet wird. Der Stress Geplagte kann sich nicht mehr freuen. Zu jeder weiteren Belastung fehlt die Kraft. Ein Burnout mit innerer Unruhe, Getriebenheit, Unkonzentriertheit, Angstzuständen entsteht. Folgen von Dauerstress sind auch Rücken oder Nackenschmerzen, Migräne oder Tinnitus. Die Stressfalle verursacht seelischen und körperlichen Schmerz, der chronisch werden kann.

Leben gegen den Stress

Meditieren verändert die Strukturen im Gehirn. Die Methode hilft, Fähigkeiten zu entwickeln, die beim Dauerstress verkümmern: Aufmerksamkeit – Distanz zu den eigenen Gedanken - sich aus einer anderen Perspektive sehen – das Gehirn trainieren – das macht Meditation aus.

Besonders effektiv ist die Methode der „Mindfulness Based Stress Reduction“. Kurse werden von den Kassen finanziert – auch Yogakurse. Diese Methoden sind modern. Doch es gibt viele und sehr individuelle Wege, Stress abzubauen.

Eine Person verbringt seine Freizeit mit Joggen, Renovieren und Handwerksarbeiten. Der andere schwört darauf, immer eines nach dem anderen zu machen. Viele versuchen, ihre "Work-Life-Balance" zu halten, d.h. auch das Handy abzuschalten, nicht verfügbar zu sein, Gegenpole zur Arbeit zu suchen.

Bei einem Leben gegen den krankmachenden Stress geht es darum, mehrere Ebenen nicht aus dem Blick zu verlieren. Es ist wichtig, genug zu schlafen, sich ausreichend zu bewegen, gesund zu essen, sich etwas zu suchen, was Freude macht.

Es müssen Gegenpole zum Arbeitsleben bleiben: die Pflege sozialer Kontakte und der persönlichen Beziehung, des Familienlebens. Wichtig ist es auch, Werte und Ziele zu überprüfen und sich die Frage zu stellen, ob man das Leben führt, das man erstrebenswert findet. Auch eine Leben neben der eigentlichen Bestimmung und Verwirklichung kann zu starkem innerem Stress führen.

Kontakt Expertin

PD Dr. med. Cora Stefanie Weber, Oberärztin an der Klinik für Psychosomatik der Charité Berlin

Fachärztin für Innere Medizin, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Tel. +49 (0)30 450 565 -606

cora.weber@charite.de  

weitere Themen der Sendung

Ein Strafzettel hängtan einem parkenden Pkw. (Bild dpa)

Pro und Contra Falschparker-App

Falschparker denunzieren - wer möchte das schon? So denken wahrscheinlich die meisten, wenn sie hören, dass Parksünder demnächst per Handyfoto und App von jedem Bürger ans Ordnungsamt gemeldet werden können.

Hilfswelle für den kleinen Arne

Seit Mai 2013 liegt der kleine Arne im Wachkoma in einer Spezialklinik in Brandenburg.  Bei einer Garten-Geburtstagsfeier war der damals Zweijährige in einem unbeobachteten Augenblick in den Pool gestürzt. Wie lange das Kind unter Wasser lag, ist unklar.

Pflegenotstand (c) dpa

Pflege für Migranten

Rund 40.000 Migranten über 65 Jahren leben in Berlin, im Jahr 2020 werden es über 57.000 sein. Sie zu pflegen, erfordert besondere Kenntnisse. Denn die deutschen Sprachkenntnisse gehen bei Demenzkranken mit Migrationshintergrund oftmals als erstes verloren.

Bauchtänzer und Nadel-Künstler

Horacio Cifuentes tanzte acht Jahre beim San Francisco Ballett und ist heute einer der wenigen männlichen Bauchtänzer weltweit. In Berlin betreibt er gemeinsam mit Ehefrau Beata ein Bauchtanzstudio. Doch viel weniger bekannt ist die andere Seite von Horacio Cifuentes: Er stickt für sein Leben gern!

80 Jahre Bollhagen-Vasen

Das blau-weiße Geschirr der 1991 verstorbenen Keramikerin Hedwig Bollhagen hat wohl jeder schon einmal gesehen. "Einfach schöner leben" lautet die Philosophie der von ihr gegründeten HB-Werkstätten für Keramik im brandenburgischen Marwitz.

Gast - Rolf Lautenschläger

Das Tempelhofer Feld ist ein städtischer und zugleich wilder Freiraum: ein Wiesenmeer einerseits, ein topographischer Rohdiamant für eine weitere zentrale Stadtentwicklung andererseits. Am 25. Mai wird über die Zukunft des Tempelhofer Feldes per Volksentscheid entschieden.

Maria Simon, Foto: dpa-bildfunk

Preview - Polizeiruf 110

Ein Toter vom Ökobauernhof, zwei alte Freundinnen, die Frage nach Mord oder "nur" fahrlässiger Tötung - im neuen Polizeiruf geht es um brisante Fragen und alte Themen. Wir sind beim Preview im Babylon dabei und sprechen mit den Hauptdarstellern über ihre Rollen, Freundschaften und den Dreh.

Kofferpacken professionell

Ivica Tot-Genz ist professioneller Kofferpacker im "Hotel de Rome" in Berlin. Oft rufen Ihn Hollywood-Stars und Prominente in ihre Suite. Seine Dienste sind im Zimmerpreis von 600 bis 2400 Euro pro Nacht inbegriffen. Seine Tipps ... sind für Jedermann.