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Unsere Gefühle sind uns ins Gesicht geschrieben! Wohl kaum ein Körperbereich verrät so viel über unsere tiefsten Emotionen, wie die Mimik. Bereits kleinste Reaktionen des Gesichts verraten, wie unser Gegenüber wirklich tickt. Wir begrüßen Mimikexperte
Dirk W. Eilert im Studio.

Nichts ist so wichtig wie die Mimik
Unsere Mimik ist die "Bühne unserer Emotionen". Viel mehr als beispielsweise die Gestik oder die Körperhaltung, die beide dagegen etwas überschätzt werden. In keinem anderen Körperbereich werden Emotionen so deutlich wie im Gesicht ausgedrückt. Das merken wir, wenn wir mit jemandem ein wichtiges Gespräch führen möchten. Wo führen wir das? Meist nicht am Telefon, sondern lieber von Angesicht zu Angesicht.
Wenn die Person dann eine Sonnenbrille auf hat, merken wir wie wichtig die Mimik ist. Und wenn wir alle lernen, diesen Ausdruck besser zu lesen, können wir letztendlich unsere Kommunikation mit unserem Gegenüber verbessern und wir können herausfinden, wie unser Gegenüber "tickt".

Mimik direkt mit dem Gehirn verdrahtet
Die Mimik ist gerade deshalb so ausdrucksstark, weil sie direkt mit unserem Gehirn, d.h. unserem limbischen System verknüpft ist. Das ist ein sehr alter Teil unseres Gehirns. Die Mimik drückt aber nicht nur unsere Gefühle aus, sie beeinflusst sie auch. So können wir mit einem Trauergesicht auch traurige Gefühle in uns erzeugen und mit einem Lächeln eine positive Stimmung. Probieren Sie es mal aus!
![Symbolbild Baby [Imago] Symbolbild Baby [Imago]](/zibb/service/gesundheit/gesichterlesen/_jcr_content/articlesContList/textpicture_4/image.img.jpg/rendition=original/size=320x180.jpg)
Die Mimik ist teilweise universell
Die Wissenschaft, allen voran Paul Ekman, s.u., hat herausgefunden, dass es sieben universelle "Basisemotionen" gibt. Diese werden kulturübergreifend gleich ausgedrückt. Egal ob in einem zivilisationsfernen Dorf in Südamerika oder in Tokio. Sogar Blinde oder Babys nutzen diese Ausdrücke, obwohl sie diese nie gesehen haben. Die Basisemotionen sind Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Verachtung, Trauer und Freude.
Die Mikroexpressionen als Spiegel der Seele
Mimikexperten achten besonders auf so genannte Mikroexpressionen. Das sind Gesichtsausdrücke, die nur wenige Sekundenbruchteile andauern, 40 bis 500 Millisekunden. Sie können nicht bewusst gesteuert werden und werden von anderen nur selten bewusst wahrgenommen. Mikroexpressionen treten insbesondere auf, wenn wir etwas verheimlichen möchten oder uns eine Emotion noch nicht bewusst ist. Und wenn wir lernen, auf diese Ausdrücke zu achten, dann können wir sehr zuverlässig sagen, was in einem Menschen vorgeht.
Paul Ekman – "Entdecker" der Mimik
In den 60er und 70er Jahren begann der amerikanische Psychologe Paul Ekman sich mit der Mimik zu beschäftigen. Er leistete Pionierarbeit und entwickelte eine Methode, mit der man aus jedem Gesicht die dahinterliegende Emotion ablesen kann.
Acht Jahre lang studierte er das Gesicht und trainierte, um alle möglichen Ausdrücke auch selbst herstellen zu können. Das Resultat: Das Facial Action Coding System, kurz FACS genannt. Das ist ein rund 700 Seiten starkes Handbuch zum Gesichterlesen, das noch heute gültig ist. Darin wird jeder Muskel samt seiner Bewegungsmöglichkeiten aufgelistet.
Die einzelnen Muskelbewegungen nennt Ekman Action Units. Und die Kombination der einzelnen Action Units ergibt einen erkennbaren Gesichtsausdruck. Ekmans eigener, typischer Gesichtsausdruck könnte demnach etwa so aussehen: AU 1 – 6 – 45 – 12.

Eilert im Radio
Der Mimikexperte Dirk W. Eilert ist jeden Montag um 8:35 Uhr auf RadioEins zu hören. Nach jeder Sendung gibt es auch ein Video mit Zeitlupenaufnahmen der entsprechenden Mikroexpressionen. Die vergangenen Beiträge finden Sie auf der Homepage von Dirk W. Eilert unter www.gesichterleser.de
Beitrag von Michael Großmann













