Trinkwasser läuft aus einem Wassehahn ins Trinkglas (Bild: dpa)

Service - Gift aus der Leitung

Leitungen aus Blei vergiften noch immer in tausenden Haushalten das Trinkwasser in Berlin und Brandenburg. Ab 1. Dezember sinkt der erlaubte Bleigehalt von 25 auf 10 Mikrogramm je Liter. Letzte Bleirohre müssen dann endgültig ausgewechselt werden. Wie erfahren Mieter, ob sie betroffen sind? Was können sind sie in dem Fall tun? Wer trägt die Kosten?

Während man in Süddeutschland schon seit fast 150 Jahren auf bleihaltige Trinkwasserleitungen verzichtet, wurden sie in Nord- und Ostdeutschland zum Teil bis 1973 verbaut. Besonders in unsanierten Altbauten finden sich noch häufiger Bleirohre. Wie viele Häuser genau betroffen sind, ist nicht bekannt.

Warum ist Blei im Trinkwasser so gefährlich?
Das Schwermetall Blei wirkt als Nervengift. Schmecken oder riechen kann man es nicht. Blei wird im Rohr vom Wasser gelöst. Schon kleinste Mengen davon stören auf Dauer die Durchblutung im Gehirn. Betroffene leiden unter Schlaf- und Ruhelosigkeit, zudem verringert das Gift die Konzentrations- und Gedächtnisleistung - Blei macht dumm. Besonders gefährdet sind Ungeborene und Kleinkinder, da sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung befindet.

Wie erkenne ich Bleirohre?
Leitungen aus dem weichen Metall lassen sich leicht ausmachen. Sie sind in der Regel gebogen verlegt, haben dicke wulstige Lötverbindungen und glänzen silbrig, wenn man sie anritzt. Häufig lugen die Anschlüsse unterm Waschbecken oder an der Wasseruhr hervor. Sind die Rohre unter Putz versteckt, bringt nur eine Analyse Sicherheit über die Wasserqualität. Mieter sollten zunächst den Vermieter kontaktieren. Der ist ab dem 1. Dezember sogar dazu verpflichtet, über giftige Bleirohre zu informieren.

Wie kann ich mein Wasser untersuchen lassen?
Erster Ansprechpartner sollte das örtliche Gesundheitsamt sein. Es führt die Bleimessung entweder selbst durch oder vermittelt zuverlässige Labore. In Berlin und einigen anderen Gemeinden ist das für Haushalte, in denen Schwangere und Kleinkinder wohnen, sogar kostenlos. Für alle anderen ist eine einfache Bleianalyse ab etwa 18,00 Euro zu haben.

Was tue ich, wenn mein Wasser belastet ist?
Als Sofortmaßnahme sollte das Wasser aus dem Hahn ein bis zwei Minuten ablaufen, bevor es etwa zum Kochen verwendet wird. Wasser, das lange in der Leitung steht, reichert sich besonders stark mit dem Schwermetall an. Filter, ob fest installiert oder in Kannenform, taugen nicht als Dauerlösung. Zwar können einige das Schwermetall heraussieben, aber sie müssen regelmäßig gereinigt und gewartet werden. Sonst verkeimt der Filter nicht nur, sondern gibt das Blei auch wieder ans Wasser ab. Dann ist meist sogar noch mehr Gift im Wasser, als bei Ungefiltertem aus dem Hahn. Gegen Blei im Trinkwasser hilft deshalb nur eins: Die gesundheitsgefährdenden Rohre müssen raus.

Wer ist für den Austausch von Bleirohren verantwortlich?
Das kommt darauf an, welcher Rohrabschnitt betroffen ist. Für die Hausanschlussleitung, also das Rohr, das von der Hauptleitung zur Wasseruhr im Haus hinführt, ist der örtliche Wasserversorger zuständig. In den letzten Jahren wurden allein in Berlin jährlich tausende alte Rohre ausgetauscht. Noch sind in Berlin etwa 3800 giftige Anschlussleitungen übrig, in Potsdam sind es etwa 700. Das ergab eine Anfrage der Stiftung Warentest bei den zuständigen Gesundheitsämtern. Auch dieser Rest soll schnellstmöglich ausgetauscht werden. Für die Installation im Haus ist dagegen der Eigentümer oder der Vermieter verantwortlich. Er muss für eine einwandfreie Wasserqualität sorgen und Bleileitungen austauschen lassen, wenn der neue Grenzwert von 10 Mikrogramm Blei je Liter regelmäßig überschritten wird.

Darf der Vermieter die Kosten für neue Rohre auf Mieter umlegen?
Nein. Müssen alte Bleirohre gegen neue ausgetauscht werden, dann handelt es sich um eine Sanierungs- und keine Modernisierungsmaßnahme. Die Kosten dafür trägt der Eigentümer alleine, er darf sie nicht auf den Mieter abwälzen. Stellt sich der Vermieter quer und weigert sich, giftige Bleirohre zu erneuern, sollten sich Betroffene an das Gesundheitsamt wenden. Auch der Mieterbund kann weiterhelfen.

Beitrag von Claudia Till

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