Augenuntersuchung an der Spaltlampe (Bild: imago)

Service - Gut sehen, sicher fahren

Rund 300000 Verkehrsunfälle im Jahr werden verursacht, weil einer der Fahrer nicht gut sieht, so der Berufsverband der Augenärzte. Häufigste Ursache für eine Sehschwäche ist der Graue Star, eine in der Regel altersbedingte Eintrübung der Linse. Ein Sehtest dauert circa 20 Minuten und kann im besten Fall Leben retten.

Der Berufsverband der Augenärzte schlägt Alarm: Im Jahr werden rund 300 000 zum Großteil schwere Unfälle verursacht, weil das Sehvermögen verschiedener Verkehrsteilnehmer schlecht ist. Vor allem in der Dämmerung und Dunkelheit. Weniger als ein Viertel aller Fahrten finden in Deutschland in der Dunkelheit statt, aber rund 40% aller Verkehrstoten sind unter diesen Umständen zu beklagen.

Entgegen bisheriger Annahmen ist in den Industrieländern eine Verschlechterung des Sehens im jungen Erwachsenenalter zwischen 18 und 30 vermehrt zu beobachten. Den nächsten Schub gibt es mit den beginnenden 40er Lebensjahren. Zum einen sind es einsetzende oder sich verstärkende Fehlsichtigkeiten, die mit entsprechenden Brillen oder Kontaktlinsen korrigiert werden können, so dass in der Nähe wie Ferne die Sehschärfe wieder auf den Punkt gebracht wird.

Zum anderen nimmt die Zahl der Augenerkrankungen zu, die zu einer Abnahme des Sehvermögens führen (Grauer Star, Grüner Star, Trübung der Hornhaut oder Netzhauterkrankungen).

Diese Krankheiten haben oft eine Heimtücke: Sie entwickeln sich schleichend und bieten den Betroffenen so die Möglichkeit, sich an den Verlust zu gewöhnen, ihn manchmal nicht ein mal bewusst bemerken oder ihn so nicht als gefährlich einstufen.

Tipps:
- Der Verlust von Sehvermögen darf nicht ignoriert werden. Erkennt man aus dem Auto auf 100 m Entfernung Verkehrszeichen nicht mehr oder nimmt gerade bei Fahrten in der Dunkelheit die Unsicherheit zu, werden Abstände und Geschwindigkeiten nicht mehr klar eingeschätzt, verschwimmen die Konturen oder gar alles in einem grauen Brei und nimmt die Blendempfindlichkeit stark zu, ist Vorsicht geboten. Ursachen können eine Fehlsichtigkeitsentwicklung der Sehschärfe (Nah- und Fernsichtigkeit) sein, aber eben auch Augenkrankheiten, z.B. Grauer Star, die unbedingt beim Augenarzt abgeklärt werden müssen.

- Zudem gilt im Dunkeln generell, dass der geringe Lichteinfall zum Erweitern der Pupillen führt, damit so viel Licht wie möglich ins Auge fällt. Erweiterte Pupillen sorgen aber wiederum dafür, dass die Blendempfindlichkeit zunimmt, Sehfehler stärker zur Wirkung kommen und das Sehfeld leicht unscharf wird.

- Mit einem Nyktometer oder Mesoptometer ist es Augenärzten möglich, das Dämmerungs- und Nachtsehvermögen auch unter Gegenlichtbedingungen, sprich Blendungen, zu messen. Sind die Ergebnisse hierbei schlecht, wird an die Diagnose möglicher Augenkrankheiten gegangen.

- Lediglich für Berufskraftfahrer ist ab dem 50 Lebensjahr alle fünf Jahre eine Verkehrsmedizinische Untersuchung einschließlich Sehtest vorgeschrieben, ansonsten wird in Deutschland auf die Freiwilligkeit gesetzt.

- Augenärzte und Verkehrsmediziner empfehlen ab dem 45 Lebensjahr alle 2 bis 3 Jahre einen umfangreichen Seh- bzw. Augentest zu absolvieren. Ab dem 60 Lebensjahr jedes Jahr. Im Gegensatz zu bisherigen Annahmen, dass sich die Sehschärfe um das 18. Lebensjahr eingependelt hat, zeigen Studien , dass sich in den Industrieländern das Sehen erstmals zwischen 18 und 30 verschlechtert.

Ein zweiter Schub der Sehverschlechterung folgt meist mit Anfang/Mitte 40. Zum einen sind es dann ganz normale, altersbedingte Verschleißerscheinungen, die sich mit entsprechender Glas- oder Kontaktlinsenstärke ausgleichen lassen. Aber es geht leider auch anders. Dann, wenn mit zunehmendem Alter vermehrt Augenkrankheiten auftreten:

Trübungen der Linse (Grauer Star) oder der Hornhaut, Erkrankungen der Netzhaut oder der Grüne Star (Erhöhung des Augeninnendruckes). Einige Krankheiten sind operativ zu beheben (wie der Graue Star),andre können bei frühzeitiger Behandlung auch medikamentös behandelt werden (wie der Grüne Star).

Fällt das scharfe Sehen während Dunkelfahrten immer schwerer, ist im Volksmund von der Nachtblindheit die Rede. Diese ist aber im medizinischen Sinne äußerst selten und meist vererbt. Deutschlandweit leiden darunter rd. 40 000 Menschen. Ursache der Nachtblindheit ist das Unvermögen der Netzhaut eine Dunkeladaption, eine Anpassung an Dunkelheit vorzunehmen. Konturen werden nicht mehr wahrgenommen, alles wird zum grauen Brei. Im Extremfall sinkt das Sehvermögen auf 0, man ist „nachts blind“. Zu einem derartigen Funktionsausfall der Netzhaut können auch Grüner Star oder schwere Diabetes führen. Ebenso starker Vitamin A-Mangel. In diesem Falle ist die Nachtblindheit durch Vitamin-A-Zufuhr mit der Nahrung wieder zu beheben. Für Nachtblinde besteht Nachtfahrverbot.

- Autofahrer sollten nicht vergessen: Auch einige Vorkehrungen am Auto verbessern in der Dunkelheit die Sicht: Scheiben sauber halten, intakte Wischblätter, Frostschutz im Waschwasser, richtig eingestellte Scheinwerfer, Sicherheitsabstand einhalten.

Beitrag von Reinhard Rychlik

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