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Der Markt für freiverkäufliche Mittel gegen Haarausfall ist riesig, besonders im Internet werden sie beworben. Doch für die Wirksamkeit der angebotenen Wässerchen und Tinkturen gibt es keine wissenschaftliche Studien, manche sind sogar schädlich und viele sehr teuer.
Gast : Dr. Yael Adler, Hautärztin, Berlin
Sie sind der Schrecken vieler Männer: Geheimratsecken und Tonsuren. Früher oder später trifft es fast jeden. Etwa vier von fünf Männern leiden unter Haarausfall. Aber auch Frauen können betroffen sein, bei ihnen ist der Haarverlust oft diffus.
Einige wagen dann lieber gleich den radikalen Schnitt - andere versuchen alles Mögliche, bis hin zur Transplantation, um ihre Haarpracht zu erhalten. Doch nur wenig hilft tatsächlich gegen den Kahlschlag auf dem Kopf.
Normaler Haarverlust
Man verliert etwa bis zu 100 Haare pro Tag. Wenn man sich tagelang nicht den Kopf wäscht, landen mehr Haare in der Wanne.
Ursachen für Haarausfall
- Jahreszeitlich bedingt, auch wir Menschen machen eine Art „Fellwechsel“ durch.
- Stress
- Krankhafter Haarausfall, kreisrund an einer Stelle, da sollte man sofort zum Arzt gehen, das kann ein versteckter chronischer Infekt sein.
- Durch Pilzinfektion verursachter, vernarbender Haarausfall, auch hier schnell handeln.
- Wichtig ist, auch nach inneren Krankheiten zu forschen: Infekte, Fieber, Impfungen, Schilddrüsenfehlfunktion.
- Bestimmte Medikamente können Haarausfall verursachen und die falsche Pille.
- Hormonell bedingter Haarausfall.
- Mangelzustände können Schuld sein (Eisen, Zink, Vitamin B) am Haarausfall.
Zu einer eingehenden Ursachenforschung zählen eine Blut- und eine Haaranalyse.
Welche Mittel können helfen?
1. Produkte mit dem Wirkstoff Minoxidil, gibt es für Männer und Frauen und sie helfen bei den meisten Fällen von Haarausfall, neuerdings auch als Schaum, das macht es für viele besser verträglich. Eigentlich ein blutdrucksenkendes Mittel. Mögliche Nebenwirkung: jucken, schuppen, Herzkreislaufprobleme,
2. Finasterid ist nur für Männer und blockiert die Wirkung des Testosterons an der Haarwurzel, kann aber auch mal die Libido vermindern. Es wird eingenommen.
Beide Mittel wirken nur so lange, wie sie eingenommen werden und werden nicht von der Kasse gezahlt.
3. Antiandrogene Pillen gegen männliche Hormone helfen Frauen mit „männlichem“ Haarausfall
4. Neu auf dem Markt ist Melatonin (Trichosense) als Haarwuchsmittel, was auch gut hilft.
5. Östrogene Tinkturen
Außerdem helfen einige Apothekenprodukte tatsächlich. Koffein Shampoos fördern die Durchblutung. Kieselsäuregel zum Einnehmen sorgt für dickere Haare.
Kann dort wo Haare ausgefallen sind, wieder etwas wachsen?
So lange noch Haarfolikel vorhanden sind, besteht Hoffnung. Wenn die Kopfhaut vernarbt ist, nicht mehr, deshalb sollte man mit Maßnahmen nicht zu lange warten.
Eigenhaartransplantation
Die Haare bzw. Haarwurzeln werden dafür meist als Streifen am Hinterkopf entnommen, dort entsteht eine Narbe. An den kahlen Stellen werden die einzelnen Haarwurzeln wieder eingesetzt. Die OP dauert mehrere Stunden und kostet mehrer Tausend Euro. Experten meinen, dass man damit kaum die vorherige Haardichte erreicht.
Risiko: An der verpflanzten Stelle wachsen die Haare immer weiter. Es besteht die Gefahr, dass die Haare an anderer Stelle ausfallen. Das sieht dann merkwürdig aus. Der Patient muss ewig mit Minoxidil weiter behandeln. Um das zu verhindern.
Bei einer anderen, noch zeitaufwendigeren und teureren Methode werden die Wurzeln punktförmig mit einer Stanze an vielen verschiedenen Stellen entnommen, dadurch entsteht keine Narbe und man erhofft sich eine größere Dichte.
Tipps für die Haarpflege, was ist gut, was schlecht, um Haarausfall zu provozieren?
Dicker wird das Haar durch Kieselsäure innerlich. Kopfmassage fördert Durchblutung, regt Haarwuchs an. Auf Dauerwellen und färben möglichst verzichten.
Beitrag von Susanne Stein










