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Wir benutzen sie täglich mehrmals: Duschgel, Shampoo, Zahnpasta und andere Kosmetikprodukte. Jetzt belegt eine Studie: In jedem dritten Produkt stecken Substanzen, die wie Hormone wirken.
Dabei handelt es sich um so genannte Parabene. Diese Stoffe werden von der Kosmetikindustrie als Konservierungsmittel eingesetzt. Sie sind zugelassen. Allerdings wirken sie ähnlich wie Hormone im Körper und stehen im Verdacht, unfruchtbar zu machen, verfrühte Pubertät bei Mädchen oder hormonbedingte Krebsarten wie Hoden- oder Brustkrebs auszulösen.
Bei Tierversuchen wurde diese Wirkung für einige Parabene nachgewiesen, beim Menschen vermuten Forscher eine ähnliche Wirkung, dies ist aber schwer zu beweisen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat nun in einer Studie die Inhaltsstoffe von über 60.000 Kosmetikprodukten untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass sich in fast jedem dritten Produkt hormonähnliche Stoffe befinden.
Hormonähnliche Substanzen können den Körper auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Entweder sie binden sich an Stellen im Körper, die eigentlich für eine körpereigene Substanz vorgesehen sind und lösen so die gleiche Reaktion aus. Oder sie blockieren die Bindestellen für Hormone im Körper.
Laut der BUND-Studie sind vor allem Haarwachs, Sonnenschutzmittel, Rasierschaum, Lippenstifte und Zahnpasta belastet. Viele Kosmetikartikel der größten Hersteller wie Beiersdorf (Nivea), Procter & Gamble (Wella, Head&Shoulders), L’Oréal und Henkel (Schwarzkopf) sind betroffen, während die Eigenmarken vieler Drogerieketten oft weniger belastet sind.
Das Problem sind dabei laut BUND nicht die jeweils geringen Dosen in den einzelnen Produkten (dafür gibt es ja auch Vorschriften über die zulässigen Höchstmengen), sondern das Zusammenspiel vieler verschiedener Chemikalien. Man würde in seinem Alltag aus mehreren Quellen belastet, daraus ergebe sich ein Gesamtcocktail, der problematisch sein könne. Die Autoren der Studie fordern daher ein generelles Verbot hormonell aktiver Substanzen.
Die Industrie wiederum wiegelt aber ab. Ihrer Meinung nach sind die Mengen in den Kosmetika viel zu gering, um zu schaden. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht das Thema nicht ganz so kritisch wie der BUND.
Methyl- und Ethylparabene, die laut BUND-Studie mit am häufigsten in Kosmetik vorkommen, sind nach Meinung des BfR unproblematisch. Für Butyl- und Propylparabene schlägt das BfR dagegen strengere Grenzwerte vor, vor allem für Kinderprodukte. In Dänemark beispielsweise sind Produkte, die Propylparaben enthalten, für Kinder unter 3 Jahren verboten.
Petition gegen Penaten
"Warum ist das bei uns nicht so?", fragte sich die Journalistin und junge Mutter Caroline Rosales aus Berlin. Durch den BUND hatte sie herausgefunden, dass in der Penaten-Wundschutzcreme Propylparaben enthalten ist.
Entrüstet startete sie eine Online-Petition gegen Penaten. Mit Erfolg: In kürzester Zeit unterschreiben über 25.00 Menschen. Angesichts der massiven Proteste hat der Konzern Johnson & Johnson, zu dem Penaten gehört, angekündigt, ab Mitte 2014 auf Propylparaben in der Penatencreme zu verzichten.
Wie kann man Parabene vermeiden?
In Naturkosmetik werden keine Parabene verwendet, sondern nur natürliche Konservierungsstoffe. Naturkosmetik kann man an Siegeln erkennen, die häufigsten sind die vom BDIH und NaTrue.
Außerdem biete der BUND die kostenlose App "ToxFox" an, die allerdings bislang nur für das IPhone funktioniert. Damit kann man den Barcode eines Produktes scannen und kriegt sofort Bescheid, ob das Produkt hormonähnliche Stoffe enthält oder nicht. Wer kein Iphone hat, kann auf der Homepage des BUND die Produktnummer eingeben und erhält dann auch Informationen.
Beitrag von Sina Krambeck













