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Fr 28.10.11 18:30

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Juckreiz - eine Plage ohne Ende?

Er treibt die Betroffenen zur Verzweiflung und sorgt für schlaflose Nächte: Juckreiz. Etwa jeder Fünfte leidet darunter, doch nur jeder Zweite geht deshalb zum Arzt. Dabei kann das lästige Kribbeln auf ernste Erkrankungen hinweisen. Zu Gast im Studio ist die Dermatologin Dr. Yael Adler.

Wer länger als sechs Wochen an Juckreiz leidet, sollte sich ärztliche Hilfe holen und die Ursache klären. Denn chronisches Jucken ist nicht nur lästig. Auslöser können unter anderem Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Leber-, Lungen- und Nierenkrankheiten, Schilddrüsenfunktionsstörungen und ernste Hauterkrankungen wie Neurodermitis sein. Selten sind  bestimmte Krebserkrankungen die Ursache.

Es gibt Juckreiz mit und ohne Hautausschlag. Beides kommt sehr häufig vor. Bilden sich rote, juckende Quaddeln auf der Haut, deutet dies auf eine Nesselsucht hin. Diese kann durch bestimmte Lebensmittel-Unverträglichkeiten ausgelöst werden. Betroffene sollten dann lieber auf histaminreiche oder histaminfreisetzende Nahrungsmittel verzichten.

Auf Histamine verzichten

Histamin ist ein Neurotransmitter (Botenstoff), der eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen und Juckreiz spielt. Auch bestimmte Medikamente - wie Arzneien gegen Bluthochdruck und Gicht - können Juckreiz und Hautausschlag auslösen. Ebenso Allergien gegen Tierhaare, Pollen und Duftstoffe in Kosmetika.

Histamine sind z. B. in folgenden Nahrungsmitteln enthalten bzw. werden freigesetzt, wenn diese geräuchert sind, gepökelt, vergoren, schlecht gelagert, mariniert.Konserven-Fisch, Kaviar, geräucherter Fisch, insbesondere Makrelen, Sardellen Thunfisch, Sardinen gehören dazu.

Lang gereifter Käse: Emmentaler, Parmesan, Harzer, Gorgonzola, Camembert
Rohwurst: Salami, roher Schinken
Abgehangenes Fleisch
Gemüse: Tomaten (inclusive Ketchup und Tomatenmark), Spinat, Avocado, Aubergine, Sauerkraut, saure Gurken, Sellerie
Rotwein-Essig
Rotwein, Weißwein, Sekt und Champagner, Dessertwein, Likör, Bier

Zusatzstoffe: E100-1518, Farb- und Konservierungsstoffe, Geliermittel, Verdickungsmittel, Emulgatoren, Geschmacksverstärker, Antioxidationsmittel, Süßstoff

Dem Auslöser langsam auf die Spur kommen

Dem wahren Auslöser für den Juckreiz auf die Spur zu kommen, kann lange dauern und erfordert eine gründliche Diagnose seitens des Arztes. Dazu gehören Allergietests, Blutuntersuchungen, Röntgen und Ultraschall der inneren Organe. Können körperliche Leiden ausgeschlossen werden, kommen auch Stress oder Depressionen als Auslöser infrage.

So vielfältig die Ursachen sind, so unterschiedlich sind auch die Therapien von Juckreiz. Es können rückfettende Cremes, Antibiotika, Kortison-Salbe, Tabletten, Photo-UV-Licht-Therapie und anderes verschrieben werden.

Wer unter juckender Haut leidet, sollte zunächst einmal alle reizenden Stoffe, also parfümierte Duschgele und Lotions etc. weglassen und nicht mehr so oft und heiß baden. Wenn diese Maßnahmen nicht helfen und der Juckreiz länger als sechs Wochen anhält oder immer schlimmer wird, sollte man unbedingt zum Arzt.

Rezept: Apotheke

Bei Juckreiz helfen außerdem Seife für trockene Haut, bestimmte reizarme Lotions aus der Apotheke, z.B. mit Urea. Gut hilft laut Hautärztin Dr.Yael Adler auch eine Creme mit Capsaicin (Stoff im roten Pfeffer), die man in der Apotheke anmischen lassen kann.

Ethanolische Capsaicin-Stammlsg. 1%
Basiscreme DAC
Propylenglycol
Gereinigtes Wasser

Diese capsaicinhaltige, hydrophile nichtionische Creme (O/W-Creme) ist zur äußeren Anwendung. Sie ist kühlend, nicht fettend, abwaschbar. Mehrmals am Tag auftragen. Nicht auf Schleimhäute bringen.

Oberstes Gebot: Finger weg!

Oberstes Gebot bei juckender Haut: Finger weg - nicht kratzen. Nur ist dies leichter gesagt als getan. Oft ist Ablenkung die wirksamste Waffe gegen den Juckreiz. Wer sich viel bewegt, konzentriert sich auf andere Dinge als auf das Jucken. Auch eine effektive Taktik: Wenn der linke Arm juckt, halten Sie den rechten unter kühles Wasser. Der Temperaturunterschied kann den Impuls tatsächlich unterbrechen und so den Juckreiz stoppen.

Beitrag von Sina Krambeck

Dieser Text gibt den Sachstand vom 28.10.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Hilfe

Juckreiz-Ambulanz Berlin

Vivantes Klinikum Spandau:
Tel: 030 130 13 1553


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