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Jedes dritte Baby in Deutschland wird inzwischen per Kaiserschnitt geboren. Im Jahr sind es 200.000 Kinder. Die Gründe für den schnellen Schnitt sind vielfältig. Die Meinungen, wann geschnitten werden muss, gehen auseinander. Nicht umstritten ist, dass er in vielen Fällen Leben retten kann. Doch Kinderärzte schlagen Alarm.
Zunahme der Kaiserschnittgeburten ist rasant
Jedes dritte Kind in Deutschland wird per Kaiserschnitt geboren. Im Jahr sind es 200.000. Damit hat sich die Kaiserschnittrate in den Jahren zwischen 1991 und 2011 verdoppelt, von ca. 15% auf über 32% aller Geburten.
Gesundheitliche Folgen für die Kaiserschnittkinder
Kinderärzte warnen vor den Langzeitfolgen für die Kaiserschnittkinder. Eltern sind häufig nicht darüber aufgeklärt, wie hoch die Risiken wirklich sind. Doch Studien belegen, dass sie häufiger unter Asthma. Allergien und Diabetes leiden. Hier einige Zahlen:
- Durchfallerkrankungen tauchen bei Kaiserschnittkindern sehr viel häufiger auf, die Zunahme der Erkrankung liegt bei 50%.
- Es sind doppelt so viele Kaiserschnittkinder, die sensibel gegenüber Nahrungsmitteleiweißen reagieren, im Vergleich zu natürlich entbundenen Kindern;
- Kinder, die mit Kaiserschnitt entbunden wurden, haben ein um 20 % erhöhtes Risiko, an Asthma zu erkranken
- Der in den letzten Jahren beobachtete Anstieg des Diabetes mellitus im Kindesalter (Typ 1-Diabetes) wird durch die Zunahme der KS-Entbindungen weitergehen. Kinder nach Kaiserschnittgeburt haben ein um 20 % höheres Risiko, an Typ 1-Diabetes zu erkranken.
Der Geburtskanal - der Weg für eine gesunde Darmflora
Eine natürliche Geburt kann 24 Stunden dauern und drei Schichten von Hebammen beanspruchen. Sie wissen: eine Geburt braucht Zeit. Der stressige Weg eines Kindes durch den Geburtskanal ist für den Start ins Leben wichtig. Der Darm des Babys ist im Mutterleib noch frei von Keimen, er ist steril. Erst bei der Geburt kommt er mit den Keimen der Umwelt in Berührung. Dabei besiedeln Bakterien der Mutter den Darm des Kindes sowie die Haut, Nägel und Haare. Die Besiedlung mit diesen Mikroben - darunter Escherichia coli, Enterokokken und Laktobazillen - spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Immunsystems. Die sich nach der Geburt und während der Stillzeit entwickelnde individuelle Zusammensetzung der kindlichen Darmflora bleibt lange relativ stabil.
Bei einem Kaiserschnitt ist das Baby dagegen zu allererst den Hautkeimen des OP-Personals und der Mutter ausgesetzt. Das Bakterien-Spektrum der dadurch entstehenden Darmflora unterscheidet sich deshalb deutlich von dem eines vaginal entbundenen Babys. Die Vielfältigkeit der Darmflora ist deutlich geringer.
Gründe für die Zunahme an Kaiserschnitten
Früher galt der Kaiserschnitt als großer Eingriff mit gefürchteten Risiken für Blutungen, Infektionen und Thrombosen für die Mütter. Mittlerweile hat jedoch der operative Eingriff seinen Schrecken verloren. Das Risiko hat sich erheblich reduziert. Insofern ist ein Kaiserschnitt immer ein Segen, wenn im Notfall das Kind geholt werden kann bei entsprechender Indikation (Quer- oder Schräglage des Babys; Missverhältnis zwischen Kopf des Babys und dem Becken der Mutter; wenn der Mutterkuchen vor dem Muttermund zu liegen kommt; bei vorzeitiger Plazentalösung; bei bestimmten Erkrankungen der Mutter).
Es sind Risiken hinzugekommen. Es gibt mehr Kinder, die im Vergleich schwerer sind. Ärzte befürchten, dass sie bei der Geburt mit der Schulter hängenbleiben: ein häufiger Grund für eine Kaiserschnittgeburt.
Haltung von Frauen
Gleichzeitig spielt auch die Haltung der Frauen eine Rolle. Die Frauen werden immer älter bei der Geburt ihres ersten Kindes und sie bekommen im Schnitt weniger Kinder. Ihr Wunsch, auf Nummer sicher zu gehen, führt dann häufiger zum geplanten Kaiserschnitt. Auch Ängste spielen eine Rolle: Traumatisierungen bei der ersten Geburt, Furcht vor Geburtsverletzungen, vor Wehenschmerzen oder vor der Überdehnung des Beckenbodens - auch das können Gründe sein für den Wunsch nach einer Sectio sein.
In der latein- und südamerikanischen Oberschicht gehört schon lange zum guten Ton, per Kaiserschnitt zu entbinden: In Brasilien liegt die Sectio-Rate bei 46 Prozent, in wohlhabenden Vierteln sogar bei 75 Prozent. Umgekehrt gibt es für Deutschland ganz eindeutige Ergebnisse aus Verschiedenen Studien. Die meisten Frauen (ca 95% und mehr) wollen ihre Kinder auf natürlichem Weg zur Welt bringen. Es ist sogar so, dass sich viele als "Versagerinnen" fühlen, wenn sie es nicht schaffen, obwohl sie eine Natürliche Entbbindung angestrebt haben. Darum kommt die postnatale Depression bei Frauen mit Kaiserschnitt sehr viel häufiger vor aals bei Frauen ohne Kaiserschnitt.
Ökonomische Anreize für den Kaiserschnitt
Der geplante Kaiserschnitt findet an einem fixen Termin statt in weniger als einer Stunde. Das ist ökonomisch und die Fallpauschale ist doppelt so hoch. Eine Folge davon ist, dass Ärzte und Hebammen weniger Erfahrungen sammeln, wie auch bei komplizierten Situationen natürlich entbunden werden kann. Das heißt umgekehrt, dass sie häufiger in kritischen Fällen zum Schnitt tendieren. Ein wesentlicher Aspekt zum tieferen Verständnis sind die juristischen Dimensionen der Geburtshilfe, die sie mittlerweile hat. Sie ist zu einer Hochrisikomedizin geworden. Ärzte müssen Klagen befürchten, wenn dabei das Kind verletzt wird. Und vor Gericht geht es dann häufig darum, ob ein Kaiserschnitt zu spät gemacht oder ganz versäumt wurde. Es wird also nicht um die Frage verhandelt, ob ein Kaiserschnitt wirklich notwendig oder sogar überflüssig gewesen ist.
Beitrag von Eva Wagner











