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Zu sehen sind sie nicht, stecken aber in Zahnpasta, Duschgels oder Peelingcremes: Mikrofeine Plastikpartikel. Die kleinen Kügelchen bestehen meistens aus Polyethylen und sollen für einen mechanischen Reinigungseffekt sorgen. Plastikkügelchen, die unterschätzte Gefahr? Zu Gast: Jürgen Stellpflug, Chefredakteur Ökotest
Unsere Meere sind in unverstellbarem Ausmaß mit Plastik zugemüllt. Eine Gefahr auch für uns Menschen. Denn Tiere verwechseln Kunststoffpartikel mit Nahrung. Forscher finden mittlerweile schon in jedem Fisch Plastikpartikel.
Mikroplastik in Kosmetika
Es steckt z.B. in einigen Zahncremes, Peelings, Duschgels oder Reinigungsmitteln, meistens als "Schleifmittel". Seit etwa 20 Jahren gibt’s das schon. Man hat das nur bislang nicht als Problem angesehen, weil der Eintrag über anderes Plastik in die Meere viel größer ist. Denn aus normalem Plastik wird auch irgendwann Mikroplastik. Das Mikroplastik in Kosmetika ist eine zusätzliche Belastung, die nicht unerheblich ist. Der Chemiker Gerd Liebezeit hat untersucht, wie viel Plastik sich in einigen Kosmetik- und Pflegeprodukten befindet. Andere Inhaltsstoffe werden mit einem feinen Sieb herausgewaschen, was übrig bleibt, sieht zwar aus wie Schaum. Ist aber Plastik. In einem Duschgel fand er 5 Prozent und bei einer Zahncreme sogar 10 Prozent Plastik. Nur stark vergrößert kann man die Kunststoffpartikel richtig erkennen. Die Klärwerke filtern das Mikroplastik anscheinend nicht ausreichend, deshalb gelangt es in die Umwelt. Der Forscher hat in geklärtem, vermeintlich sauberem Wasser Mikroplastik gefunden. Auch im Honig hat er welches nachgewiesen, sogar kugelförmiges, ähnlich wie es in Kosmetik verwendet wird. Mikroplastik in der Nahrungskette - welche Auswirkungen das auf uns hat, ist ungewiss. Versuche an Miesmuscheln haben ergeben, dass Mikroplastik bei ihnen Entzündungen auslöst.
Woran kann man erkennen, ob Mikroplastik in Produkten steckt?
Plastik kann viele Namen haben, häufig kommen im Kleingedruckten diese Bezeichnungen vor:
Polyethylen (PE)
Polypropylen (PP)
Polyethylenterephthalat (PET)
Ethylen-Vinylacetat-Copolymere (EVA)
Copolymere von Acrylnitril mit Ethylacrylat/Copolymere von anderen Acrylaten (ANM)
Welche Alternativen gibt es?
Es geht auch ohne. Das zeigt Naturkosmetik.
Eine Gefahr soll auch von unserer Wäsche ausgehen, was ist da dran?
Ja das stimmt. Plastik in Kleidung ist ein Problem, mit jeder Wäsche wird Mikroplastik ausgewaschen. Der Eintrag über unsere Kleidung in die Gewässer ist viel größer als über die Kosmetik. Was können wir noch machen, Verzicht auf Plastik im Alltag? Ganz verzichten können wir nicht. Selbst Naturkosmetikhersteller haben nach einer kurzen Phase mit Glasflaschen wieder auf Plastik zurückgegriffen. Verbraucher können aber gucken, wo Plastik wirklich nötig ist: Kosmetik, Plastiktüten, Verpackungen. Sich immer wieder selber hinterfragen.
Beitrag von Susanne Stein











