Brustkrebszelle, Quelle: dpa

Service - Neues aus der Krebsforschung

Mehr als die Hälfte aller Krebspatienten kann inzwischen geheilt werden, durch Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Bisher unterscheiden Mediziner Krebsarten nach den Organen, in denen sie vorkommen. Das könnte sich jetzt ändern, denn offenbar besitzt jeder Krebs seine genetischen Eigenarten - ganz egal, wo er wächst.

Chancen der DNA-Krebsforschung

Über sieben Millionen Menschen weltweit sterben jedes Jahr an Krebs – in Deutschland sind 480.000 Patienten. Operation, Bestrahlung und medikamentöse Behandlung, damit lassen sich die Hälfte der Patienten heilen. Die Krebsforschung arbeitet auf Hochtouren, um auch denen zu helfen, die bisher keine Perspektiven haben. Darum wenden Wissenschaftler die Erkenntnisse der Genforscher schon praktisch an. In Berlin beginnt vielleicht gerade eine Revolution in der Krebstherapie. An der Charite suchen Ärzte nach Wegen, um mehr Patienten zu retten.

Probleme in der bisherigen Behandlung
In der Klinik werden Brust oder Lungentumore häufig mit ähnlichen Medikamenten behandelt. Das Problem: bei den einen schlägt die Chemotherapie an, bei den anderen nicht. Der eine hat Nebenwirkungen, der andere nicht. Warum das so ist, das wollen die Wissenschaftler nun herausfinden.

Denn Krebs entsteht durch genetische Veränderungen in den Körper-Zellen. Nun werden diese Zellen eingehend genetisch analysiert und einer Krebsart zugeordnet. Brust – oder Darmkrebs – die Tumore werden danach unterschieden, wo sie gewuchert haben, und entsprechend behandelt.

Neue Zuordnung von Tumoren
Doch dieses Verfahren wird jetzt in Frage gestellt. Wissenschaftler vermuten, dass jeder Tumor genetisch anders ist, egal, wo er im Körper wächst.

Um das genau zu erforschen, arbeiten Ärzte und Genetiker international zusammen.

Die Wissenschaftler begannen für 50 Krebsarten das Erbgut der Tumorzellen zu erfassen. Die Erkenntnisse sind bahnbrechend: der eine Lungentumor hat ganz andere Gendefekte als ein anderer und muss insofern auch anders therapiert werden. Eine Revolution mit vielen winzigen Stolpersteinen: In Hautkrebszellen fanden die Forscher über 500 genetische Veränderungen.

Konsequenzen für die Behandlung
Peter M. Schlag hat mit Genetikern des Max-Planck-Institutes in Berlin und anderen Wissenschaftlern ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Sie untersuchen, was die DNA-Forschung wiederum für die Behandlung der Patienten konkret bedeutet. Ihr Ziel ist immer, den Krebs heilbar zu machen. In diesem Projekt werden große Datenmengen von Patienten erfasst – mit Hilfe der Bioinformatiker. Es geht dabei um die DNA-Sequenzierung der Patienten und um die genetische Analyse der Krebszellen. Der Computer bildet dann einen "digitalen Tumor" ab mit hunderten genetischen Veränderungen einer einzigen Zelle. Nun geht es darum, maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln.

Zukunftsmodelle: Digitaler Tumor erlaubt die individuelle Behandlungen
Dafür gibt es eine Software, die das gesamte medizinische Wissen über Krebs und alle Therapieformen berücksichtigt. Der Computer soll die Masse an genetischen Daten jedes Einzelnen und seiner Tumorzellen noch zusätzlich verarbeiten. So wollen die Forscher simulieren wie oder ob Medikamente wirken. Sie hoffen darüber die optimale Therapie für jeden einzelnen Krebspatienten vorherzusagen.

Zibb Experte:
Professor Peter Schlag war jahrelang in der Charité als Tumorchirurg tätig und war dort auch Direktor des Tumorzentrums. Er war und ist sehr aktiv in der Krebs-Forschung mit den deutschen und internationalen Molekularbiologen.


Beitrag von Eva Wagner

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