Knie wird nach einer Operation gekühlt, Quelle: dpa

Service - Kreuzbandriss

Skispringer Severin Freund hat es die Saison verhagelt, und egal, ob beim Winter- oder Sommersport: Der Kreuzbandriss ist eine der häufigsten Knieverletzungen überhaupt. Treffen kann es das vordere oder hintere Kreuzband eines Knies. Bleibt der Riss unbehandelt, drohen schwerwiegende Schäden am Knie.

Kreuzbandriss
Beim Skifahren, beim Fussball, anderen Sportarten oder einem Unfall kann es ganz plötzlich geschehen: Das Kniegelenk wird übermäßig gebeugt, gestreckt oder verdreht. Das Kreuzband reißt. Mitunter ist ein Knall zu hören, heftige Schmerzen verursacht das in jedem Fall. Das Knie schwillt an.

Wozu sind die Kreuzbänder da?
Wir haben in jedem Knie zwei Kreuzbänder, die – wie der Name sagt – überkreuz dort liegen, wo Ober- und Unterschenkelknochen im Kniegelenk aufeinander treffen. Das vordere und das hintere Kreuzband, jeweils etwa so dick wie ein kleiner Finger, stellen zentrale Stützpfeiler des Kniegelenkes dar. Sie verhindern, dass sich der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel nach vorne verschiebt. Die Verletzung des vorderen Kreuzbandes ist viel häufiger als die des hinteren.


Medizinische Hilfe ist notwendig
Ist ein Kreuzband beschädigt oder gerissen, wird das Knie instabil und der Gang insgesamt unsicher. Ein Knie-Spezialist kann durch die exakte klinische Untersuchung die vermehrte Beweglichkeit des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel feststellen. Zusätzliche Klarheit geben die Bilder der MRT-Untersuchung. Nicht selten ist, dass weitere Teile des Gelenks wie der Meniskus oder Knorpel gleichzeitig geschädigt wurden.


Bei einigen zumeist älteren Patienten mit nur geringer Instabilität im Knie kann die konservative Therapie ohne Operation genutzt werden. Durch intensives Aufbautraining für die Muskulatur wird das Kniegelenk weitest gehend stabilisiert.


Was geschieht bei der Operation?
Patienten mit einem instabilen Knie, die auch weiterhin aktiv im Leben stehen und Sport treiben möchten, wird in den meisten Fällen zur Operation geraten. Sie kann erfolgen, wenn das Kniegelenk abgeschwollen, schmerzarm und relativ gut beweglich ist.


Während einer ca. einstündigen Operation wird das gerissene Kreuzband durch ein körpereigenes Transplantat ersetzt. Dazu wird durch einen Schnitt entweder Sehne aus der Innenseite des Oberschenkels oder ein Teil aus der Kniestrecksehne entnommen. Die Operation erfolgt minimal-invasiv. Die neue Sehne wird durch je ein Bohrloch im
Unterschenkel- und im Oberschenkelknochen in das Kniegelenk passgenau eingezogen und fixiert. Physiotherapie (Krankengymnastik, Lymphdrainage, Trainingstherapie) ist erforderlich.


Die lange Zeit der Therapie
Die Zeit der Physiotherapie beginnt schon in den ersten Tagen nach der Operation. Es geht darum, die Muskeln wieder aufzubauen und die Beweglichkeit des Kniegelenkes wiederherzustellen. Das Tragen einer Orthese, die dem Knie Stabiltät gibt, ist in den ersten Wochen notwendig. Die sportlichen Aktivitäten können nach etwa 3 Monaten beginnen, wobei Kontaktsportarten wie Fußball oder Handball frühestens 9 bis 12 Monate nach der Operation durchgeführt werden sollten.

zibb klärt auf - im Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Halder, Chefarzt an den Sana Kliniken Sommerfeld.