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Mo 16.01.12 18:30

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Migräne

Rund sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Migräne. Für die Behandlung wurde nun Botox zugelassen. Doch ein Alheilmittel ist es nicht. Welche Medikamente und Therapien können helfen? Mehr dazu im zibb-Service.

Etwa sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland darunter: Migräne. Außenstehende tun sie oft als Lappalie ab. Für die Betroffenen ist eine akute Attacke aber kaum auszuhalten. Bei einigen kommen sie nur dreimal im Jahr vor, andere haben 15 oder mehr  im Monat und können damit nur schwer ihrer Arbeit nachgehen.

Was ist Migräne überhaupt, was passiert da?
Das ist noch nicht endgültig erforscht. Betroffen sind Kopf- und Gesichtsnerven, die werden sehr empfindsam, sie sind auch für die Blutversorgung  der Hirngefäße verantwortlich, dadurch spüren Migränepatienten jeden Pulsschlag, haben einen pulsierenden Schmerz. Außerdem laufen auch entzündliche Prozesse ab, für die aber weder Viren, noch Bakterien verantwortlich sind, im Gehirn gerät die ganze Biochemie durcheinander. Man weiß, dass Migräne genetisch bedingt sein kann.

Woran kann man erkennen, ob es sich um Migräne handelt oder um starke Kopfschmerzen?
Spannungskopfschmerz ist ein dumpfer Schmerz, beidseitig ohne Begleiterscheinungen.
Migräne hingegen ist einseitig, pulsierend, verstärkt sich bei Anstrengungen, Patienten sind gegenüber Licht und Geräuschen empfindlich, oft kommt Übelkeit hinzu. Wenn mehrere dieser Anzeichen zusammen auftreten, handelt es sich wahrscheinlich um Migräne.

Wann sollte man unbedingt zum Arzt gehen?
Wenn man sehr stark beeinträchtigt ist, wenn es sich häufig wiederholt, wenn man immer mehr und häufiger Schmerzmittel nehmen muss

Über Botox wird zur Zeit viel diskutiert. Wann kann Botox zum Einsatz kommen? Was ist davon zu halten?
Die Behandlung mit Botox ist teuer und es wirkt nur bei sehr wenigen Menschen.  Es ist nur etwas für Menschen mit chronischer Migräne, mit mehr al 15 Attacken im Monat.

Es gibt in diesem Zusammenhang auch eine OP?
Ja, dabei wird ein bestimmter Stirnnerv behandelt, das ist eben der, der auch auf Botox anspricht. Das kann z.B. helfen bei Menschen, die auf Eis empfindlich reagieren, also mit einer Migräne. Aber diese Behandlungen muss man selber bezahlen, sie sind wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht und helfen nur wenigen Menschen.

Welche medikamentösen Hilfen gibt es?
1.    welche, die die einzelnen Attacken behandeln: Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit, für sehr starke Schmerzen sind das Triptane.
2.    Tauchen die Attacken sehr häufig auf, sollte man profilaktische Medikamente nehmen, das sind z.B. Betablocker.

Auf was sollte man bei der Medikamenteneinnahme achten?
Nicht zu spät einnehmen, dann kommt die Attacke nämlich mit voller Wucht, Medikament in Wasser gelöst, es wirkt dann schneller und nicht zu oft. Ab 10-15 Einnahmen pro Monat besteht das Risiko, dass ein chronischer Kopfschmerz entsteht.

Einigen Patienten ist ja auch übel dabei, die können gar keine Tabletten nehmen, welche Alternativen gibt es?
Es gibt Zäpfchen, so wohl gegen die Schmerzen, als auch gegen die Übelkeit, Nasenspray und auch Injektionen.

Welche  Migräneauslöser gibt es?
Schlafentzug, Mahlzeiten auslassen, Stress, Alkohol im Einzelfall. Lebensmittel sind hingegen als Auslöser wenig gesichert.

Welche  nichtmedikamentösen Maßnahmen gibt es, wenn die Migräne akut ist?
Man sollte sich genau beobachten, z.B. ein Migränetagebuch führen: In welchen Situationen es zur Migräne kommt und möglichst solche Situationen vermeiden: Stress, Schlafmangel. Manchmal muss man etwas an der Lebenssituation ändern. Man sollte lernen im Alltag Pausen einzubauen, auch mal Nein zu sagen, Vielleicht Kurse zum Stressmanagement besuchen oder eine Psychotherapie. Auch Biofeedback kann helfen.

Warum haben viele Migräne ausgerechnet am Wochenende, oder zum Urlaubsbeginn wo es doch stressfrei ist?
Einmal weil wir jetzt einen anderen Schlafrhythmus haben, man schläft länger. Das kann schon für einige reichen, um eine Attacke auszulösen. Das andere ist, wir sprechen auch von  Urlaubsmigräne: Man hat vorher die maximale Anspannung, noch viel zu erledigen, dann kommen die freien Tage und abrupt lässt die Anspannung nach und dadurch bricht die Migräne aus.

Welche vorbeugenden Maßnahmen gibt?
Man sollte einen regelmäßigen Lebensrhythmus haben, 2 Mal die Woche Ausdauersport betreiben 30 Minuten den Puls auf 120 bringen, Entspannungsübungen machen. Viele mögen es, wenn sie selber aktiv werden können, anstatt Medikamente zu nehmen.

Gibt es auch Medikamente, die prophylaktisch wirken?
Das sind keine Schmerzmittel, sondern Betablocker., eigentlich Blutdrucksenker. Diese kann man bei chronischer Migräne einsetzen. Ab 2-4 Attacken im Monat sollte man über prophylaktische Medikamente nachdenken.

Ab welche Menge von Tabletten wird's gefährlich, worin besteht die Gefahr?
Ab 10-15 pro Monat steigt das Risiko, dass daraus ein chronischer Kopfschmerz entsteht, der fühlt sich anders an: dumpf, beidseitig und es besteht die Gefahr einer Leber- oder Nierenschädigung.

Wie kann man eine Reduzierung schaffen?
Da hilft nur der komplette Entzug, Verzicht auf alle Tabletten, entweder zu hause oder in der Klinik.

Beitrag von Susanne Stein

Dieser Text gibt den Sachstand vom 16.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Infoseite zum Thema

www.dmkg.de

Kontakt zur Berliner Selbsthilfegruppe der Migräneliga

Lucia Raeck
Tel.: 030 - 4459552 

www.migraeneliga-deutschland.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/zibb/service/gesundheit/migraene.html

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