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Morbus Crohn ist unheilbar. Bisher betraf diese chronische Entzündung des Darms hauptsächlich Erwachsene. 15 bis 25 Prozent der Patienten entwickeln jedoch die Symptome vor dem 20. Lebensjahr und die Tendenz ist steigend.
Immer mehr Kinder sind betroffen – das stellt jedenfalls der Experte Michale Radke fest, Kinderarzt am Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam. Er ist ein auf Gastroenterologie spezialisierter Kinder- und Jugendarzt, der sich sehr für die Betroffenen engagiert.
Kinder immer häufiger betroffen
Insgesamt leben in Deutschland etwa 320.000 Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, darunter 37.000 Kinder und Jugendliche. Jährlich erkranken über 1000 Heranwachsende unter 18 Jahren an Morbus Crohn, Die Symptome bei Kindern sind nicht immer eindeutig und es ist zum Teil für Kinderärzte schwierig, die Erkrankung zu diagnostizieren. Typische Symptome sind Bauchschmerzen, Fieber, Durchfälle – die Symptome treten schubweise auf. Die Phasen mit hoher Entzündungsaktivität wechseln sich ab mit Phasen relativer Ruhe. In den meisten Fällen ist der Dünndarm entzündet, in schweren Fällen der ganze Magen-Darm-Trakt vom Mund bis zum Darmausgang. Es gibt aber auch Fälle, in denen krankheitsbedingt die Patienten unter Gelenkschmerzen leiden und gar keine Durchfälle habe: dann wird die Diagnosestellung schwierig.
Ursachen und Risikofaktoren
Es gibt eine familiäre Disposition für die Erkrankung, genetische Faktoren spielen eine große Rolle. Bei Verwandten ersten Grades eines Patienten ist das Risiko zu erkranken 30 Mal höher als bei der normalen Bevölkerung. Michael Radke, Kinderarzt am Ernst von Bergmann-Klinikum meint, vermutet, dass die Zunahme der Erkrankung viel mit den Veränderungen unseres Lebensstils zu tun haben, besonders mit der Sterilität der Lebensmittel, mit der "Keimfreiheit“ unseres Umfeldes und mit der Vielzahl an synthetischen Stoffen in unserem Essen. Das Immunsystem richtet sich dann gegen die gesunde Darmflora.
Bei Kindern ist auffällig, dass sie zunehmend unter Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und verzögertem Wachstum leiden. Da der entzündete Darm die Nahrung nicht mehr entsprechend verwerten kann, können Mangelzustände auftreten, Unwohlsein,. Leistungsabfall, Energielosigkeit und Konzentrationsschwächen. 80 Prozent der Betroffenen sind bei Erstdiagnose untergewichtig und 40 Prozent leiden unter Wachstumsverzögerungen. Der Toilettendruck kann sich bis zu 15/20 mal am Tag zeigen. Fisteln und Schleimhautrisse am After oder im Genitalbereich können sich bilden.
Durch Geschwüre und Vernarbungen im Darmgewebe kann es zu Engpässen kommen und die Nahrung ist gestaut. In solchen Fällen ist die Gefahr eines Darmverschlusses nicht auszuschließen, der sich durch krampfartige Bauchschmerzen, Appetitverlust und Erbrechen ankündigen kann.
Wie die Krankheit erkannt wird
Durch eine Darmspiegelung kann der Arzt die Entzündung des Darms erkennen: Rötungen, Wassereinlagerungen, Schleimhautveränderungen, Verdickung der Darmwand. Eine Gewebeprobe bringt Gewissheit. Bei sehr kleinen Kindern kann auch eine so genannte Kapselendoskopie sinnvoll sein: dabei muss das Kind eine mit einer Mikrokamera ausgestattete Mikrokapsel schlucken.
Behandlung
Da Morbus Crohn nicht heilbar ist, wird mit Medikamenten versucht die Entzündung möglichst zu unterdrücken und die Ruhephasen zu verlängern. Zum Einsatz kommen dabei Kortison, Präparate zur Unterdrückung des Immunsystems, das die Darmwand attackiert. Auch so genannte Biologica sind seit 15 Jahren zugelassen. Sie blockieren die Entzündungsbotenstoffe und werden unter die Haut gespritzt. Das Problem ist, dass viele Medikamente nicht für Kinder getestet und somit für sie nicht zugelassen sind. Um Kinder und Jugendliche entsprechend zu behandeln, müssen sie dennoch zur Anwendung kommen und sollten von den Kassen auch bezahlt werden, was zum Teil nicht gewährleistet wird.
Bei extremen Vernarbungen, die zu Engpässen führen, muss auch chirurgisch eingegriffen werden. Mitunter entfernen die Chirurgen bei schweren Verläufen entzündete Darmteile. Nach einer Besserung kann die Entzündung an anderen Stellen immer wieder auftreten.
Ernährungstherapie
Ernährung spielt bei Morbus Crohn eine wichtige Rolle. Sie sollte sehr nährstoffreich sein (150 bis 180 Prozent des normalen Energiebedarfs). Damit der Körper ausreichend Vitamine und Mineralien erhält, sind meist Nahrungsergänzungsmittel erforderlich, insbesondere für Eisen, Folsäure, Vitamin B12. Bei Kindern wird versucht, über eine Ernährungstherapie im Zusammenspiel mit immunsuppressiven Medikamenten die Gabe von Kortison möglichst zu vermeiden. Bei schweren Verläufen ist die Zugabe von hochkalorischer Nahrungsergänzung direkt über eine Magensonde ratsam. Gerade Kinder, die unter einem verzögerten Wachstum leiden, sollten auf diese Weise aufholen können – für eine möglichst normale Zukunft.













