Medikamentensammlung (Quelle: rbb)

Service - Risiko Selbstbehandlung

Für 4,5 Millionen Euro jährlich werden in Deutschland rezeptfreie Medikamente für die Hausapotheke gekauft. Immer mehr Menschen behandeln sich selbst. Doch die Selbstbehandlung birgt einige Risiken. Mehr dazu im Service.

Für viereinhalb Millionen Euro jährlich werden in Deutschland rezeptfreie Medikamente für die Hausapotheke gekauft. Immer mehr Menschen behandeln sich selbst. Riskant ist das, wenn Symptome falsch eingeschätzt werden, denn rezeptfreie Medikamente sind nicht immer harmlos. Neben- und Wechselwirkungen können gefährlich werden.

In einer Apotheke stehen die Regale mit den rezeptfreien Medikamenten ganz vorne. Das Infor­mations­system der Gesund­heits­bericht­erstat­tung des Bundes hat für die Selbstmedikation für 2011 verschiedene Häufigkeiten ermittelt. Bei einer absoluten Zahl von 4.613 Indikationen steht der Bereich "Husten und Erkältung" mit 1.171 weitaus an erster Stelle. Gefolgt vom Indikationsbereich "Magen und Verstopfung" mit 638, dem Bereich "Schmerzen" mit 445, "Haut, Schleimhäute, Wunden" mit 437 und dem Bereich "Beruhigung, Schlafmittel und Stimmungsaufheller" mit 191.

Gefahr falscher Selbstbehandlung
Wenn Menschen Symptome falsch einschätzen und sich über einen längeren Zeitraum falsch behandeln, kann das gefährlich werden. Clemens Fahrig spricht von einem Patienten, der Bauchschmerzen auf Verstopfung zurückgeführt und sich über einen längeren Zeitraum mit Abführmitteln behandelt hat. Schließlich hat der Internist fortgeschrittene Darmkrebstumoren festgestellt, die das Bauchweh ausgelöst haben. In solchen Fällen kann also eine falsche Selbstmedikation am Ende tödlich sein, wenn die eigentliche Ursache nicht entsprechend und frühzeitig behandelt wird.

Bereiche der häufigen Selbstmedikation
Die Mittel gegen Erkältungskrankheiten werden also am häufigsten genutzt. Dabei wird von Kunden in der Apotheke argumentiert, dass die von einem Arzt empfohlenen Medikamente ebenso privat gezahlt werden müssen. Auch wissen viele Betroffene aus Erfahrung, auf welche Mittel sie gut reagieren. zibb-Experte Clemens Fahrig warnt allerdings davor, sich zu lange alleine zu behandeln. Bei hartnäckigen Infekten kann  die Entzündung auch die Lunge betreffen. Insofern müssen Erwachsenen bei hohem Fieber, anhaltendem Husten und Gliederschmerzen den Arzt aufsuchen.

Die Apotheker wissen aus Erfahrung auch, dass im Frühjahr das Regal für die Allergiker gefragt ist. Die rezeptfreien Mittel erhöhen die Lebensqualität, sind griffbereit aber natürlich nicht kostenlos.

Schmerzmittel werden das ganze Jahr über nachgefragt. Damit meint sich jeder selbst behandeln zu können. Doch Vorsicht: Schmerzmittel dürfen nicht ohne ärztliche Kontrolle über längere Zeit eingenommen werden. Die Folgen können gravierend sein und insbesondere die Magenschleimhaut angreifen und zu Magengeschwüren führen.

Selbstbehandlung bei Venenproblemen
Das Internet liefert auch bei komplexen Gefäßerkrankungen Tipps, Diagnosen und den entsprechenden Medikamenten-Mix. Zum Beispiel bei schweren und geschwollenen Beinen, die häufig mit Venenproblemen zu tun haben. Salben in Hülle und Fülle sind per Mausklick zu haben und Kompressionstrümpfe sind frei verkäuflich. Fatal ist, wenn die Ursache der Beschwerden nicht ärztlich exakt diagnostiziert ist. Dann bringen auch die Aktionswochen in Apothekenbringen nichts, in denen mit Leihgeräten der Venendurchfluss gemessen werden soll. Sie liefern nur grobe Anhaltspunkte. Bei Auffälligkeiten muss eine seriöse internistische Untersuchung folgen. Nur so kann die genaue Ursache für geschwollene Beine festgestellt werden: ob es die Venen sind, ein kardiologisches Problem vom Herzen aus oder etwa ein Problem, das mit Rheuma in Zusammenhang steht.

Nach einer genauen Diagnose muss ein Arzt beispielsweise blutverdünnende Medikamente verschreiben oder Kompressionsstrümpfe abmessen und anpassen. Das ist dann die Basis für eine seriöse Behandlung und parallel kann ein Patient – allerdings auf eigene Kosten – sich mit pflanzlichen und homöopathischen Mitteln selbst versorgen.

Beitrag von Eva Wagner