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Schmerzmittel und Cholesterinsenker werden in Deutschland zu schnell und zu oft verschrieben. Das geht aus dem BARMER-Arzneimittelreport 2012 hervor. Mehr hierzu und zu Risiken von Schmerzmitteln im Service.
Barmer GEK Arzneimittelreport 2012
Am 26.06. erscheint der Barmer GEK Arzneimittelreport 2012. Wie in den vergangenen Jahren deckt er auch diesmal wieder gravierende Mängel im Umgang mit Arzneimitteln auf. Der Report entstand unter der Leitung des renomierten Arzneimittel-Experten Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Dazu wurden Daten der Barmer GEK aus den Jahren 2010 und 2011 ausgewertet. Sie stammen von neun Millionen Versicherten und gelten als repräsentativ.
Laut dem Arzneimittelreport 2012 werden immer häufiger Medikamente verschrieben, die wenig nutzen, aber gefährlich sein können. Außerdem bemängelt der Report, dass es den Ärzten in der Praxis oft an Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit Medikamenten fehlt.
Schmerzmittel
Das gilt besonders für den Umgang mit Schmerzmitteln. Schmerzen gehören in Deutschland zu den am häufigsten auftretenden Beschwerden. Sie zu behandeln ist daher mit die wichtigste Aufgabe in der medizinischen Praxis. Dauert ein Schmerz sechs Monate und länger an, spricht man von chronischem Schmerz. Darunter leiden rund zehn Prozent der Bevölkerung. Bei Befragungen in Arztpraxen gaben 62 Prozent der Patienten an, von Schmerzen betroffen zu sein.
Die Folge: Schmerzmittel gehören zu den am häufigsten verbrauchten Medikamenten. 2011 wurden rund 150 Millionen Packungen verkauft. Das Problem dabei: In der Praxis können viele Ärzte nicht angemessen mit Schmerzen umgehen. Sie verschreiben oftmals die falschen Schmerzmedikamente. Dazu kommt, dass zu viele Menschen zu leichtfertig zu den frei verkäuflichen Schmerzmitteln greifen. Immerhin wurden im vergangenen Jahr über 110 Millionen Schmerzmittel ohne Rezept gekauft. Schon die enormen Mengen weisen darauf hin, dass es in der Medikamentenpraxis ein Schmerzmittelproblem gibt. Die gesundheitlichen Folgen können dabei enorm sein. Zum Beispiel kann eine Gewöhnung entstehen, so dass die Medikamente nicht mehr wirken. Wer zu viel Schmerzmittel nimmt kann auch Nieren- und Leberschäden bekommen. Untersuchungen gehen z.B. davon aus, dass mindestens 5% der Dialysepatienten Opfer eines Schmerzmittelmissbrauchs sind. Ständiger Schmerzmittelkonsum kann auch zu schmerzmittelinduzierten Schmerzen führen. Da ist dann eine Entzugstherapie nötig. Das Problem mit der Selbstmedikation rezeptfreier Schmerzmittel ist so groß, dass die Bundesregierung bereits überlegt, aus den rezeptfreien Schmerzmitteln rezeptpflichtige zu machen.
Während auf der einen Seite viel zu viele Schmerzmittel eingenommen werden, bekommen paradoxerweise auf der anderen Seite die Patienten, die wirklich starke Schmerzmittel bräuchten, zu wenig davon. Das liegt daran, dass die starken Schmerzmittel dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen und bei der Verschreibung von den Ärzten sehr ausführliche und detaillierte Angaben nötig sind. Das ist vielen Ärzten nicht ganz geheuer, so dass sie das BTM-Rezept eher vermeiden und die chronischen Schmerzpatienten daher zu wenig Schmerzmittel verschrieben bekommen.
Cholesterinsenker
Ein großes Problem gibt es auch bei den Cholesterinsenkern. Rund zwei Millionen Menschen nehmen sie, ohne dass sie davon einen Nutzen haben. Das Grundproblem liegt bereits darin, ab wann der Cholesterinwert wirklich als zu hoch zu betrachten ist und was dann medizinisch zu tun ist. In der Schweiz zum Beispiel verschreiben viele Ärzte erst ab einem Wert von 300 eine Therapie mit Cholesterinsenkern , bei uns meist schon wesentlich früher. Zu früh, wenn keine anderen Risiken wie Bluthochduck oder Diabetes vorliegen. Denn Studien belegen, dass die Behandlung des Cholesterinwertes allein völlig unsinnig ist und hier zu viele und unnötigerweise Medikamente verschrieben und genommen werden.
Beitrag von Michael Großmann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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