Frau mit Bauschmerzen (Quelle: Colourbox)
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Service - Magensäureblocker - das unterschätzte Risiko

Mehr als 13 Millionen Deutsche schlucken Magensäureblocker. Die so genannten Protonenpumpenhemmer werden vor allem gegen Magengeschwüre und Sodbrennen verschrieben. Dabei drohen Abhängigkeitsrisiken und schwere Nebenwirkungen. Mehr dazu im Service.

Wohl kaum eine Medikamentart wird so häufig eingenommen, wie Mittel gegen Sodbrennen. Nicht nur nach üppigen Mahlzeiten sind sie beliebt, sondern sie werden auch immer häufiger gerade in Krankenhäusern vorbeugend verordnet, z.B. gegen Nebenwirkungen anderer Medikamente. Millionen Menschen schlucken sie regelmäßig, Für sie sind sie ein Segen, doch andere haben auch negative Erfahrungen gemacht.

Tatsächlich häufen sich jetzt Meldungen über mögliche gefährliche Nebenwirkungen und Risiken. Alles Panikmache oder berechtigte Kritik? Unser zibb Service über Sinn und Unsinn von Magensäureblockern.

Was passiert bei Sodbrennen?
Sodbrennen kann viele Ursachen haben, wie z.B. erhöhte Magensäureproduktion oder eine Schwächung des Schließmuskels, der normalerweise das Aufsteigen von Magensäure verhindert. Beim Sodbrennen kommt es zum Rückfluß (auch Reflux genannt), d.h. ätzender Mageninhalt schießt aus dem Magen nach oben bis in die Speiseröhre. Das ist schmerzhaft und kann zu Verätzungen und Geschwüren und auf Dauer schlimmstenfalls zu Speiseröhrenkrebs führen.

Was sind Antazida?
Medikamente, die lediglich die Magensäure binden, sind die sogenannten Antazida, die bei gelegentlicher Einnahme in der Regel harmlos sind. Bei leichtem Sodbrennen können diese bindenden Mittel eingenommen werden. Sie wirken sofort.

Was sind Magensäureblocker?
Die Magensäureblocker, auch Protonenpumpenhemmer oder Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) genannt, hingegen wirken erst nach ein bis zwei Stunden, dafür hält die Wirkung aber einen Tag an. Sie verhindern, dass die Magensäure erst gebildet wird.

Wann werden sie verordnet?
Zum einen zur Behandlung von Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren, wobei man auch sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Sobald das Geschwür abgeheilt ist, wird das Medikament wieder abgesetzt.

Und zum anderen zur dauerhaften Behandlung der Refluxkrankheit, also dem ständigen Sodbrennen, weil zum Beispiel der Schließmuskel zum Magen nicht mehr richtig funktioniert. Viele Krankenhäuser verordnen Magensäureblocker vorbeugend, z.B. vor Operationen, weil man in dem Fall stressbedingt mit Magenproblemen bzw. mit Magengeschwüren rechnet oder weil Patienten Blutverdünner bekommen, die eventuell Probleme mit dem Magen machen oder andere Medikamente, die sich negativ auf den Magen auswirken.

Wichtig ist, diese Medikamente dann auch wieder abzusetzen, wenn der Patient aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Machen Magensäureblocker abhängig? Werden die Beschwerden nach dem Absetzen noch schlimmer?
Der Experte meint: Sie machen nicht körperlich abhängig. Richtig ist aber, dass der Körper nach Absetzen verstärkt Magensäure ausschütten kann, diese Phase dauert etwa ein bis zwei Wochen, dann reguliert es sich wieder. Deshalb lässt man Magensäureblocker besser langsam ausschleichen, anstatt abrupt abzusetzen. Manche Menschen werden sie aber nie absetzen und dauerhaft nehmen müssen.

Was sollte man bei der Einnahme von Magensäureblockern beachten?
Möglichst nicht dauerhaft einnehmen. Falls doch eine Indikation zur dauerhaften Behandlung gegeben ist, sollte man alle ein bis zwei Jahre die Blutwerte überprüfen lassen. Denn man muss wissen: Die Magensäureblocker können die Aufnahme von bestimmten Spurenelementen hemmen. Das sind Eisen, Kalzium, Magnesium und Vitamin B 12. Herrscht hier ein Mangel, kann man das aber mit entsprechenden Präparaten ausgleichen. Eine Kontrolle ist hierbei allerdings wichtig.

Das zweite betrifft Patienten koronarer Herzerkrankung, die mindestens zwei gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Diese sollten möglichst keine Säureblocker einnehmen, wegen des erhöhten Risikos eines Gefäßverschlusses.

Es gibt ja auch rezeptfreie Magensäureblocker, sind das die gleichen?
Seit 2009 gibt es Säureblocker auch rezeptfrei, die haben eine andere Dosierung. Wichtig ist, dass man die Packungsbeilage beherzigt. Da findet man auch den Hinweis: nicht länger als 14 Tage einnehmen. Zur Kurzzeitanwendung ist das OK. Sollten die Beschwerden anhalten, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Welche anderen Mittel/Maßnahmen oder Hausmittel gegen Sodbrennen können helfen?
Bei vielen ist Sodbrennen eine Folge nicht optimaler Lebensführung: Stress, zu viel und zu üppiges Essen usw. Deshalb gilt erst einmal hier einzuschreiten: z.B. 3-4 Stunden vor dem Schlafen gehen essen oder die Ernährung umstellen. Dann gibt es einige Hausmittel, die bei leichten Beschwerden helfen können: Milch trinken, Mandeln gut durchgekaut, Heilerde, auf der linken Seite schlafen.

Beitrag von Susanne Stein