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Die Zahl der Masern-Fälle hat sich in unserer Region verdreifacht! Einer der Gründe ist, dass die Durchimpfungsrate in den letzten Jahren drastisch gesunken ist. Ebenfalls beunruhigt, dass bei den Tuberkulosefällen vermehrt Stämme auftreten, die Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika entwickelt haben.
Unterschätze Infektionskrankheiten – die Masern
In unserer Region breiten sich die Masern aus. Bis September waren in Brandenburg fast 60 Menschen betroffen, in Berlin 485. Regional wie bundesweit schwanken die Ansteckungszahlen jährlich. Gesundheitsexperten warnen jedoch davor, dass zu viele Kinder nicht genügend Impfschutz haben und vergleichen die Fallzahlen mit einer Epidemie. Auch in der Altersgruppe zwischen 16 und 50 Jahren zeigen sich Lücken. Jeder Fünfte ist betroffen und hat zu wenig Impfschutz, da häufig keine oder nur eine von zwei notwendigen Impfungen durchgeführt wurde.
Ausbruch der Kinderkrankheit
Denn Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Viren werden durch Tröpfchen übertragen und sind hoch ansteckend. Das ist insbesondere kurz vor dem eigentlich Ausbruch der Symptome der Fall, also bevor sich sie sich ein Hautausschlag bemerkbar macht, Fieber auftritt, sich Husten und entzündete Schleimhäute zeigen. Ein Händedruck reicht, ein Niesen oder Husten und das Virus ist beim Nächsten angekommen. Es passiert über Körperkontakt und über die Schleimhäute der Atemwege.
Folgen – mitunter fatal
Die Krankheit wird unterschätzt. Viele Menschen wissen nicht, dass sie bei jedem zehnten Patienten zu Komplikationen führen kann wie Mittelohr- oder Lungenentzündung. Eine aktuelle Studie der Universität Würzburg zusammen mit dem Land Bayern hat untersucht, wie häufig die gefürchteten Spätfolgen von Masern auftreten. Erschreckend sind die Ergebnisse der Uni Würzburg. Viel mehr Kinder als bisher angenommen sterben an den Spätfolgen der Masern, an einer SSP, einer zerstörerischen Entzündung des Gehirns. Das Verhältnis liegt bei einem Kind von 3.300 Kindern, die im Alter zwischen 0 und 5 Jahren erkrankt waren. Tritt eine SSP auf, so fällt der Erkrankte ins Wachkoma und stirbt unausweichlich. Wer nicht geimpft ist, wird zur Gefahr für diejenigen, die durch Komplikationen der Erkrankung leiden.
Frage nach der Masernimpfung
Wenn die Masernfälle zunehmen – wie in diesem Jahr, wird wieder viel diskutiert: ob es eine Impfpflicht geben soll und warum der Impfstatus hierzulande schlechter wird. Befürworter der Impfung argumentieren, dass eine Impfung normalerweise keine Nebenwirkung hat und auch das Risiko für den Geimpften wie für seine Umwelt minimiert. Gegner bewerten eine Impfung als etwas Aufgesetztes und stellen den lebenslangen Schutz in Frage. Sie argumentieren, dass das Durchleben der eigentlichen Kinderkrankheit das Immunsystem stärkt und perspektivisch besseren Schutz gewährt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät auch Erwachsenen, sich gegen Masern impfen zu lassen. Die Kosten dafür übernehmen einige Kassen sogar freiwillig.
Unterschätzte Infektionskrankheiten – die Zweite: TBC
Die Erreger der Tuberkulose befallen zu 80% die Lunge und zu 20% andere Organe wie Nieren, Knochen, Gelenke, Verdauungstrakt. Es erkranken in Deutschland jährlich etwa 4500 Menschen daran. Seit der verstärkten Migration aus Osteuropa haben Infektionen schleichend zugenommen. Häufig sind es die älteren Migranten, die das Bakterium schon lange in sich tragen und es nicht wissen.
Ansteckung und Ausbruch
Eine gute Immunabwehr tötet die Bakterien ab. Doch manchmal überleben sie in der Lunge und werden vom Immunsystem abgekapselt. Solange der Körper sie in Schach hält, kann der infizierte Mensch die Krankheit nicht übertragen. In manchen Menschen schlummern die Erreger jahrzehntelang unbemerkt. Ist das Immunsystem aber geschwächt, können sie sich verteilen und es entstehen Entzündungsherde im ganzen Körper.
Auch Ärzte verkennen die Symptome
Das Problem: die Krankheit wird häufig nicht erkannt, weil sie so selten ist. Die Betroffenen haben Fieber, Leistungseinbußen und fühlen sich abgeschlagen – Symptome eines normalen Infektes und die ärztlichen Deutungen weisen in die falsche Richtung. Nur das Röntgenbild gibt Aufschluss über eine TBC. Dann muss schnell gehandelt werden. Die Betroffenen werden über einen längeren Zeitraum mit einer Kombination von Antibiotika behandelt und ärztlich begleitet. Zu 85% ist die Erkrankung heilbar. Unbehandelt führt sie zum Tod.
Beitrag von Eva Wagner
zibb Experte:
Prof. Dr. med. Michael Radke
Arzt, Kinderarzt, Kinderchirurg, Allgemeiner Chirurg
Klinikum ernst von Bergmann Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Charlottenstr. 72
14467 Potsdam
Telefon: 0331/241-0












