Arzt Patient im Gespräch nach einer Untersuchung (Quelle: imago)

Service - Neuer Trend Medizintourismus

Bei der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) dreht sich normalerweise alles um Traumurlaube und Reiseabenteuer. Doch in diesem Jahr gibt es erstmals auch eine eigene Halle zum Thema Medizintourismus. Denn: Immer mehr Menschen legen sich im Ausland unters Messer.

Der Grund: es locken niedrigere Preise und die Genesung unter Palmen.

Medizinisch motivierte Reisen nehmen seit Jahren zu. Laut dem neuen Report von VISA und Oxford Economics besitzt die globale Medical Tourism Industrie derzeit weltweit einen Wert von rund 439 Milliarden US-Dollar. Die prognostizierte Wachstumsrate liegt bei 25 Prozent in den kommenden zehn Jahren. Laut einer Studie von McKinsey wird der Umsatz der Branche alleine innerhalb Europas in den nächsten zehn Jahren auf insgesamt 30 Milliarden Euro steigen. Die ITB Berlin 2017 stellt dieses wachsende Segment erstmals mit all ihren Facetten vor und bietet Einkäufern sowie Anbietern eine neue Plattform. Dubai zum Beispiel ist mit drei Ständen vertreten. Die Wüstenmetropole will sich zu einem neuen Zentrum für Schönheitsoperationen entwickeln. Ebenso dabei sind Polen und die Türkei.

Kosten sparen mit Risiko
Ein häufiges Argument für die Behandlung im Ausland ist der häufig günstigere Preis - vor allem für Selbstzahler. Ein Beispiel: Kostet in Deutschland eine Laserbehandlung für ein Auge knapp 1000 Euro, bekommt man die gleiche Leistung in der Türkei für nur etwa 900 Euro - und das gleich für beide Augen. Ein weiteres Argument: Wer sich etwa im Urlaub in Dubai liften lässt, muss sich zuhause nicht womöglich unangenehmen Fragen stellen. Wieder zuhause, sind die Wunden verheilt und niemand hat etwas mitbekommen. Und nicht zuletzt weichen manche Patienten deshalb aufs Ausland aus, da die Methode in Deutschland nicht verfügbar ist - etwa bei der hierzulande verbotenen Eizellenspende.

Doch es gibt auch Risiken. Wer sich im Ausland behandeln lässt, muss damit rechnen, auch bei eventueller Nachbesserung auf Reise gehen zu müssen. Deutsche Ärzte werden im Regelfall die Nachbesserung nicht durchführen. Nur in einem Notfall besteht eine Behandlungspflicht. Teilweise finden sich aber bereits Angebote, die eine Nachbesserung durch einen deutschen Arzt beinhalten. Eine gründliche Recherche lohnt sich daher. Da sich auch bei einem gut ausgebildeten Arzt das Risiko eines Arztfehlers nicht ganz ausschließen lässt, müssen Patienten einkalkulieren, dass etwaige Haftungsansprüche gegen den Arzt in der Regel nach dem jeweiligen Landesrecht geltend gemacht werden müssen. Um das Prozessrisiko hierbei zu minimieren, sollte man sich vom behandelnden Arzt daher zumindest eine Garantie einräumen lassen.

Krankenkassen zahlen nicht immer
Generell gilt im Medizintourismus: Nie das erstbeste Angebot wahrnehmen. Kunden sollten sich eingehend über die medizinischen Gegebenheiten vor Ort informieren und mehrere Kostenvoranschläge einholen. Auch Sprachkenntnisse des Personals sollten in die Entscheidung einbezogen werden. Wer unsicher ist, kann auch auf spezialisierte Agenturen zurückgreifen, die Behandlungen im Ausland vermitteln. Und: Manche deutsche Ärzte und Kliniken kooperieren mit Kollegen im Ausland. In diesem Fall werden alle Voruntersuchungen sowie die Nachsorge nach dem Eingriff in Deutschland übernommen.

Ob die Krankenkasse für die Kosten des Eingriffs aufkommt, hängt zum einen vom Land ab, zum anderen von der Behandlung. Der Europäische Gerichtshof hat in mehreren Urteilen entschieden, dass Krankenkassen die Kosten erstatten müssen, die ihre Mitglieder für eine Behandlung im Ausland vorgestreckt haben, sei es für Krankenhausaufenthalte, eine Zahnbehandlung oder ein künstliches Hüftgelenk. Teilweise muss die Behandlung aber zuvor genehmigt werden. Laut der sogenannten "Patientenmobilitätsrichtlinie" herrscht innerhalb der EU grenzüberschreitende Wahlfreiheit für Krankenhausleistungen. Gründe, warum eine Krankenkasse einen geplanten Krankenhausaufenthalt im EU-Ausland ablehnen darf, sind schlechte Qualität in der ausgewählten Klinik, fragliche Finanzierung oder gesundheitliche Gefahr für den Patienten. Deshalb sicherheitshalber immer vorher mit der Krankenkasse klären, was alles übernommen wird und worauf man achten muss.

Beitrag von Christine Knospe

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