In der Zahnarztpraxis Dr. Kirste in Frankfurt (Oder) werden die Zähne eines Jungen untersucht, aufgenommen am 07.04.2009. (Quelle: dpa)

Service - Angst vor einer rätselhaften Zahnkrankheit

Kinder-Zahnärzte schlagen Alarm: Eine mysteriöse Krankheit zerstört den Zahnschmelz von immer mehr Schulkindern. Die betroffenen Zähne sind gelblich-braun verfärbt, oft extrem schmerzempfindlich und porös. Im schlimmsten Fall zerbröseln sie regelrecht.

Laut einer aktuellen deutschen Studie zur Mundgesundheit der Bundeszahn-ärztekammer und Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind fast 30 Prozent aller Schulkinder betroffen, wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung.

MIH ist die Abkürzung für „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation“ (MIH). Molaren ist die Bezeichnung für Backenzähne, Inzisiven nennen Zahnärzte die Schneidezähne. MIH  stellt eine entwicklungsbedingte Erkrankung der Zahnhartsubstanz dar, bei der es bereits vor dem Durchbruch der betroffenen Zähne in die Mundhöhle zu gelblich-bräunlichen bzw. weißlich-cremefarbenen Flecken auf einem oder mehreren ersten bleibenden Backenzähnen (Molaren) kommt. Die bleibenden Schneidezähne sind seltener und meist weniger stark betroffen. Der Zahnschmelz ist nicht ausreichend mineralisiert, sondern porös und weich. Dadurch ist der Zahn sehr anfällig für Karies und oft extrem schmerzempfindlich.

MIH kann verschiedene Ausprägungen haben. Manche Zähne sind „nur“ weißlich, gelblich oder  bräunlich verfärbt, bei anderen Kindern ist der Zahnschmelz so porös, dass er zerbröckelt und die Zähne nicht erhalten werden können. Füllungen halten nicht, fallen immer wieder raus. Bei etwa der Hälfte der Kinder sind die Zähne sehr schmerzempfindlich.  Fast 29 Prozent der 12-Jährigen in Deutschland leiden unter MIH. Etwa 5,4 Prozent der Betroffenen sind behandlungsbedürftig.

Rätseln über die Ursache

Über die Ursache von MIH rätseln die Fachleute noch. Manche vermuten Umweltgifte, andere die frühe Antibiotikagabe oder häufige Infektionen im Kleinkindalter. Derzeit laufen mehrere Studien. Es wird auch untersucht, ob bestimmte Vorkommnisse in der Schwangerschaft oder in der Phase nach der Geburt die Mineralisierung der bleibenden Zähne beeinträchtigt – denn schon zu diesem frühen Zeitpunkt werden die Zähne im Kiefer des Embryos angelegt.

Sicher scheint nur: Mit der Zahnhygiene hat es nichts zu tun. Allerdings müssen Patienten, die MIH haben, besonders oft und gut Zähne putzen, denn ihre Zähne sind aufgrund des kaputten Zahnschmelzes besonders kariesanfällig.

MIH sollte rechtzeitig behandelt werden

Eltern sollten ab dem Alter, wenn der erste Backenzahn durchbricht, also etwa ab dem 6. Lebensjahr, regelmäßig in die Mundhöhle ihres Kindes gucken, um MIH möglichst frühzeitig zu erkennen und ihren Zahnarzt darauf hinweisen. Bei leichteren Fällen von MIH wird Fluorid auf die Zähne aufgetragen, damit sich wieder Mineralien im Zahn einlagern können. Auch Versiegelungen der Fissuren, also der Kauflächenreliefs der Backenzähne, sind möglich. Sind bereits Stellen vom Zahn abgeplatzt, kommen Kunststoffeinsätze oder Kronen infrage. Wenn die Zähne so bröckelig sind, dass keine Füllungen mehr halten, ist die Stahlkrone oft die letzte Möglichkeit, den Zahn zu erhalten. Meist bleibt sie aber nur solange im Mund, bis alle Zähne durchgebrochen sind (ca. mit 12 Jahren). Dann würde man es mit der „biologischen Ersatztherapie“ versuchen, bei der die hinteren, nicht betroffenen Backenzähne mittels Zahnspange nach vorne gezogen werden, an den Platz der gezogenen Zähne.

Beitrag von Sina Krambeck

Übrigens:
Am Institut für Zahnheilkunde wird derzeit eine Studie zu MIH durchgeführt. Dafür werden noch Probanden gesucht. Interessenten können sich gerne hier melden:

 Institut für Zahnheilkunde
Benjamin Franklin Campus Charité

Aßmannshauser Straße 4-6
14197 Berlin (Wilmersdorf)

Tel.: 030 450562773

https://zahnmedizin.charite.de/institut/