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Mi 25.01.12 18:30

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Service: Risiken beim Haare färben

Heute blond, morgen schwarz und übermorgen vielleicht lila? Etwa jeder siebte Deutsche färbt sich die Haare. Doch immer wieder geraten Haarfärbemittel in die Schlagzeilen.

Wie gefährlich sind sie wirklich? Eine neue EU Verordnung will seit kurzem besonders Jugendliche schützen: Auf Verpackungen muss jetzt ein Warnhinweis stehen. Und Friseure müssen die jungen Kunden vorher ausreichend über Risiken aufklären.

Experte im Studio: Dr. Alex Rothhaar, Hautarzt

EU-Verordnung
Hintergrund der EU-Richtlinie, die seit Ende vergangenen Jahres gilt, war die Erkenntnis, dass durch bestimmte Haarfärbemittel verursachte Allergien ein zunehmendes Gesundheitsproblem bei unter 16jährigen darstellt. Häufig dafür verantwortlich wird die Chemikalie PPD gemacht. Außerdem soll der Verbraucher für das Risiko durch sie ausgehender gesundheitsschädlicher Wirkung sowie auch für das Bewusstsein einer Typveränderung an sich sensibilisiert werden. Letztere hält der Gesetzgeber erst ab 16 Jahren für gegeben. Die neue Verordnung verpflichtet Hersteller und Vertreiber bestimmte Inhaltsstoffe zu deklarieren und Warnhinweise auf die Verpackung zu schreiben, z.B. „Dieses Produkt ist nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt". Bei dem Hinweis handelt es sich nicht um ein Verbot. Für Friseure hat die neue Verordnung eventuell juristische Konsequenzen. Sie müssen die unter 16jährigen gut über mögliche Risiken aufklären und auch abschätzen, ob diese die typverändernde Wirkung schon beurteilen können. Färbt der Friseur und es treten hinterher gesundheitliche Probleme auf, so kann er gegebenenfalls haftbar gemacht werden. Vollständig nachzulesen in der neuen EU-Richtlinie.

Warum kann Haarefärben besonders für Jugendliche gefährlich sein?

Die Haut von Kindern und Jugendlichen ist tatsächlich noch dünner als die von Erwachsenen und von daher durchlässiger für die Stoffe, die in den Haarfärbemitteln stecken. Kinder und Jugendliche sind empfindlicher gegenüber Allergenen, man sollte sie so lange wie möglich von potentiellen Allergie-Auslösern fernhalten. Ansonsten können sie sensibilisiert werden auf bestimmte Stoffe. Deshalb soll man möglichst auch keine Allergietests bei Babys und Kindern machen, weil sie da ja im geringen Umfang mit allergieauslösenden Stoffen in Berührung kommen und das kann schon ausreichen, um den Körper zu sensibilisieren.

Welche Gefahren bestehen überhaupt für den Menschen durchs Haarefärben?

 Viele Mittel enthalten Ammoniak. Dieser Stoff bereitet das Haar auf das Färben vor, es quellt es auf, so dass Farbe besser eindringen kann. Das bewirkt eine starke basische Veränderung der Haut und das ist nicht gesund. Andere Stoffe können so eindringen, z.B. die Stoffe, die für die Haarfarbe verantwortlich sind.

Welche akuten, welche Langzeitgefahren kann es denn geben?

Allergien sind die akuten Gefahren. Abhängig von den Substanzen gibt es auch langfristige Gefahren, einige stehen im Verdacht z.B. Blasenkrebs zu verursachen. Das kommt aber auch darauf an, in welcher Dosis und wie oft sie angewendet werden.

Was sind Stoffe, die Reaktionen hervorrufen können?

Diaminoanisol, Diaminotoluol, Solvent Red, Benzoldiamin, p-Phenylendiamin (PPD), p-Toluylendiamin.

Wie können allergische Reaktionen aussehen?

Das geht von ganz schlimm, also einem allergischen Schock mit Atemnot, der sich sofort ereignet. Bis zu Reaktionen, die teilweise erst zwei Tage später kommen, wie Juckreiz, Borkenbildung auf der Haut. Starke Ekzeme, Ausschläge am ganzen Körper.

Ist es unterschiedlich gefährlich, ob man sich die Haare hell oder dunkel färbt?

Ja. In der Regel verursacht dunkel/schwarz häufiger Allergien als hell/blond. Dafür wird beim Blondieren Peroxid verwendet, das zu Hautirritationen führen kann.

Tipps zum Haare färben

Sind Sie sich unsicher, lassen sie die Haare am besten professionell beim Friseur färben. Da dieser besonders darauf achten kann, dass bestimmte Mittel möglichst nicht mit der Kopfhaut in Berührung kommt. Die Alkalisierung sollte nicht so stark sein, ein ph-Wert von 9 ist noch in Ordnung, alles was darüber liegt ist zu stark. Man sollte das Haar nach dem Färbevorgang 3-4 Mal gut ausspülen, damit wirklich alle Reste entfernt sind.

Einige Friseure testen auch vorher, ob der Kunde womöglich allergisch reagiert.
Wenn Sie zu Hause färben, sollten Sie folgendes beachten: bei empfindlicher oder gereizter Kopfhaut besser verzichten. Tragen Sie Hautcreme auf, damit nichts in die Augen läuft. Auch nicht zu färbende Haut mit fettigen Cremes schützen. Vor dem Färben die Haare nicht waschen, dann bleibt die Kopfhaut durch die natürliche Fett- und Schuppenschicht geschützt. Ziehen Sie Handschuhe an. Bringen Sie möglichst wenig die Kopfhaut mit dem Mittel in Berührung. Und: unbedingt die Einwirkzeit nicht überschreiten.
Sanfte Pflanzenfarben können eine Alternative sein, sind aber nicht für jeden unbedenklich.

Was ist mit Naturfarben?

Immerhin hat man hier keine Alkalisierung der Haut, weil kein Ammoniak nötig ist. Aber bei Naturfarbe besteht auch ein hohes Allergierisiko, starke allergene Pflanzen sind z.B. Kamille und Calendula.

Ist Tönen, wo sich die Farbe ja nur äußerlich ums Haar legt und sich wieder rauswäscht im Unterschied zu Färben risikoarmer?

Ja, weil auch hier die Alkalisierung der Haut wegfällt. Neigt man aber zu Allergien, sollte man auch darauf verzichten.

Wie oft sollte man höchstens färben?

Das kann man schwer pauschal sagen. Aber: je häufiger, desto größer wird das Allergierisiko. Man kann es jahrelang gut vertragen haben und auf einmal ist die Allergie da.

Gibt es Menschen, die grundsätzlich aufs Haarefärben verzichten sollten?

Alle Neurodermitiker, alle, die zu Allergien neigen, alle, die schon allergisch auf die Stoffe in den Haarfärbemitteln reagieren. Alle, die gereizte Kopfhaut haben, offene Stellen, Wunden oder Ekzeme. Auch Schwangere und Stillende sollten besser darauf verzichten.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 25.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

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