Service -
Viele Menschen in Deutschland haben ein Suchtproblem, das sich zum einen auf die Leistungsfähigkeit und dadurch auf ihre Arbeitsleistung auswirkt.
Es geht jedoch noch weiter: der Suchtmittelmissbrauch spielt sich mitunter direkt am Arbeitsplatz ab. Umgekehrt wird deutlich, dass die Arbeitsverdichtung in Betrieben und Verwaltungen auch den Missbrauch von Suchtmitteln erhöht. Sie werden zur Stressbewältigung konsumiert, vor, an oder nach der Arbeit eingesetzt von Menschen, die sich sonst nicht zu helfen wissen oder denen sonst keine andere Hilfe angeboten wird.
Medikamentenmissbrauch
Zum einen wird gedopt, um wacher zu werden und die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen. Zum anderen geht es um Entspannung, um den Abbau von Ängsten und die Steigerung des Wohlbefindens. Eingesetzt wird als Aufputschmittel dabei auch Ritalin, das sonst hyperaktiven Kindern verschrieben wird. Die Wirkung lässt mit längerfristigem Gebrauch nach und die Konsumenten gehen mit der Dosis hoch – was ganz negative Folgen hat. Schlaftabletten spielen dagegen zur Entspannung zu Hause eine Rolle, bei Schlafstörungen wegen Stress. Genaue Zahlen über den Konsum von Medikamenten liegen nicht vor.
Alkohol – Droge Nummer eins
Mehr Zahlen gibt es über Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit. 1,3 Millionen Menschen im erwerbstätigen Alter von 18 bis 64 Jahren sind alkoholabhängig, weitere zwei Millionen dieser Altersgruppe gehen missbräuchlich damit Alkohol um. 10% aller Beschäftigten trinken aus gesundheitlicher Sicht zu viel, 5% trinken riskant, weitere 5% sind suchtgefährdet.
Es gibt Indizien, dass sich übermäßiger Alkoholkonsum stark auf die Arbeitsleistung auswirkt. Bei jedem 5. Arbeits- und Wegeunfall spielt Alkohol eine Rolle. Mit zunehmendem Konsum fehlen Beschäftigte bis zu 16 Mal häufiger am Arbeitsplatz, das bedeutet 25% weniger Arbeitsleistung. Insgesamt fehlen Alkoholkranke zwei- bis viermal häufiger als die Gesamtbelegschaft.
Es ist insgesamt problematisch, dass die Droge Alkohol jederzeit verfügbar ist und gesellschaftlich rundum akzeptiert wird. Der Weg in die Sucht passiert schleichend, über eine jahrelange Phase. Ist die Suchtstruktur etabliert, ist es sehr schwer, alleine herauszukommen. Leider müssen sich häufig die Probleme so dermaßen zuspitzen, dass dann erst ein Entschluss des Betroffenen greifen kann clean zu werden und zu bleiben..
Im Arbeitskontext ist problematisch, dass in einigen Betrieben Alkohol immer noch nicht verboten wird, dass umgekehrt alkoholkranke Mitarbeiter angestrengt versuchen, ihre Sucht zu verheimlich , nicht aufzufallen, das Pensum zu schaffen. Sie werden dabei häufiger von Kollegen gedeckt, die auch die ausgefallene Arbeitsleistung kompensieren. Über allem steht die Befürchtung, dass eine Kündigung ausgesprochen wird. Vertuschen, Verheimlichen, Decken hilft aber nichts und alles bleibt wie es ist
Wie Suchtprobleme erkennen
Für Arbeitsgeber wie für Kollegen ist es wichtig, ein Suchtverhalten zu erkennen, um konstruktiv den Mitarbeiter darauf anzusprechen. Indizien sind, wenn ein Mitarbeiter häufig abwesend ist,, wenn er sich gerne durch Dritte entschuldigen lässt, wenn er unzuverlässig wird. Auch veränderungen der Persönlichkeit sprechen Bände: wwenn jemand größeren Stimmungsschwankungen unterliegt, häufig überreagiert oder überangepasst ist, bzw. umgekehrt sich gerne zurückzieht und isoliert. Wenn es um konkrete Trinkverhalten geht fällt auf, dass ein Abhängiger häufiger zu unpassenden Gelegenheiten trinkt, dass er bei Feiern viel trinkt, dass er öfter nach Alkohol riecht oder nach Stoffen wie Pfefferminz, um den Geruch zu manipulieren, dass er heimlich trinkt oder dann auch wiederum demonstrativ Alkohol vermeidet..
Was lässt sich tun – unter den Kollegen?
Insbesondere Kollegen sind gefordert, offensiv das Problem anzusprechen und den Betroffenen auf seine Verantwortung anzusprechen. Es geht also nicht darum, den Zustand durch falsche Hilfestellungen zu verlängern und dem Betroffenen dauernd aus der Patsche zu helfen, im Gegenteil. Vielleicht braucht man selbst Beratung, um den dem Kollegen auf die richtigen Hilfsangebote aufmerksam zu machen. Ist die Arbeitssicherheit gefährdet ist, sollte man den Vorgesetzten informieren.
Prävention – Problemlösung
Sucht ist als Krankheit anerkennt und darf kein Kündigungsgrund sein, im Gegenteil: Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter, in so einer Situation Problemlösungen anzubieten. Insbesondere in Zeiten von Arbeitsverdichtung und zunehmendem Fachkräftemangel.
Darum ist es wichtig, im Arbeitsumfeld, im Betrieb ein Klima der Kommunikation zu schaffen, so dass über solche weitreichenden Probleme gesprochen werden kann: das wäre der Idealfall und eine Herausforderung für jeden Arbeitgeber. Größere Betriebe, die sich für ihre Mitarbeiter im psychosozialen Bereich einsetzen, haben im besten Falle Suchtbeauftrage, einen sozialmedizinische Beratung, eine Betriebsvereinbarung zum Suchtmittelmissbrauch. Darin werden die Regularien zum Umgang mit Alkohol beschrieben, Sanktionsmechanismen vorgestellt, aber auch ein Stufenplan. Über ihn wird verfahren, wenn es um Gespräche geht – zusammen mit der Personalleitung, oder mit dem Personalrat oder am Ende mit dem Management. Darin sind auch Hilfeleistungen festgeschrieben, welche Möglichkeiten ein Mitarbeiter an die Hand bekommt, seine Sucht zu überwinden und clean zu werden. In kleinen Betrieben sieht es schwieriger aus. Das Betriebsklima ist entscheidend, Wichtig ist es im Auge zu behalten, Mitarbeiter nicht zu überfordern, gegebenenfalls Angebote zu schaffen, wie Stress abgebaut werden kann: Massage, autogenes Training, Yoga – alles Möglichkeiten.
Beitrag von Eva Wagner










