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Im Haushalt lauern viele Gefahren für Kleinkinder. Schon eine einzige Tasse Kaffee oder Tee reicht aus, um 30 Prozent ihrer Haut zu verbrennen. Wie sich solche Unfälle vermeiden lassen und was im Notfall zu tun ist, erklärt Kinderchirurgin Dr. Stefanie Märzheuser von der Charité Berlin im zibb-Service.
Gerade kleine Kinder sind besonders häufig betroffen - von allen Patienten mit Verbrennungen machen die 0- bis 3-Jährigen 20 bis 30 Prozent aus. Dabei sind gerade in diesem Alter die Folgen am gravierendsten. Sind nur zehn Prozent der Körperoberfläche eines Kindes verbrannt, kann das bereits lebensgefährlich sein. Denn die kindliche Haut ist nur ein Fünftel so dick wie bei einem Erwachsenen. Schon zehn Sekunden Kontakt mit heißem Wasser kann sie komplett zerstören. Zudem wachsen Narben nicht mit, dadurch können Wachstum und Beweglichkeit eingeschränkt sein. Je jünger das Kind, desto dickere Narben bildet die Haut. Denn: In der Wachstumsphase ist die Zellaktivität erhöht, der Körper produziert daher während der Wundheilung zu viel Bindegewebe. Dicke, wulstige Narben sehen nicht nur unschön aus, so dass sich die Kinder oft schämen oder ausgegrenzt werden. Sie jucken außerdem stark und schränken die Beweglichkeit ein. Im schlimmsten Fall versteifen sich die Gelenke und es muss operiert werden.
Erste Hilfe
Nahezu alle sogenannten thermischen Unfälle im Kindesalter sind vermeidbar. Eltern sollten also im Haushalt Gefahrenquellen erkennen und bannen, etwa ein Herdgitter anbringen, Tischdecken entfernen, den Wasserkocher außer Reichweite bringen.
Ist es trotzdem zu einer Brandverletzung gekommen, die verbrühte oder verbrannte Kleidung sofort entfernen. Mit der Haut verklebte Kleidungsstücke jedoch nicht abreißen, sondern auf der Haut belassen, gegebenenfalls den nicht verklebten Rest abschneiden. Die Verbrannte Stelle mit einem feuchten Handtuch kühlen, um ein Nachbrennen zu vermeiden. Aber: Kein eiskaltes Wasser, Eiswürfel oder Coolpacks nutzen, denn beim Kältereiz ziehen sich die Gefäße zusammen, dadurch ist das Gewebe nicht mehr durchblutet. Weitere Hautschäden können die Folge sein. Besser ist etwa 15 Grad kühles Wasser. Außerdem nicht länger als fünf bis zehn Minuten kühlen, bei Kindern unter drei Jahren sogar nur zwei bis drei Minuten. Denn Unterkühlung kann lebensgefährlich sein.
Eltern unterschätzen häufig das Ausmaß der Verletzung, deshalb bei Brandblasen immer zum Arzt gehen. Kleinere oberflächliche Verletzungen ersten Grades äußern sich lediglich durch gerötete Haut, sie verursachen keine Blasen. Sie heilen meist folgenlos innerhalb von drei bis zehn Tagen - auch ohne ärztliche Hilfe. Sind mehr als 10 Prozent der Körperoberfläche betroffen, nicht kühlen und sofort den Notruf tätigen. Jetzt steht der Erhalt der Körperwärme im Vordergrund. Das Kind zudecken, etwa mit einer Rettungsdecke, dabei zeigt die goldene Seite zum Körper.
Narben pflegen
Damit die Narben gut verheilen, sollte das Gewebe von Anfang an gedehnt werden - sowohl in der professionellen Physiotherapie als auch zuhause. Außerdem täglich eincremen und die Narben massieren. Zwei Jahre lang müssen Kinder Kompressionskleidung tragen, sie wird immer wieder maßangefertigt. Gerade im Sommer ist das für die Kinder nicht angenehm. Mindestens sechs Monate lang sollte die verbrannte Stelle vor Sonne geschützt werden, das heißt die Kinder sollten auch nur mit UV-Bekleidung baden gehen.
Beitrag von Christine Schaller










