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Mittlerweile tragen schätzungsweise zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen eine Spange. Was man dabei beachten sollte und mit wie viel Geld die Eltern rechnen müssen, erklärt Kieferorthopädin Cindy Spors im
zibb-Service.
Früher peinlich, heute stylish: trauten sich Kinder mit Zahnspangen in den 70er Jahren kaum zu lächeln und wurden oft bespöttelt, so zeigen viele Kinder heute gern Zähne und werden sogar beneidet, um das, was sie im Mund haben: Hightech-Teile mit Edelstahl, Titan und Keramik oder auch knallbunte Kunststoff-Spangen. Mittlerweile tragen schätzungsweise zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen eine Spange.
Doch wann ist sie wirklich notwendig und wie findet man die richtige? Zibb zeigt worauf es ankommt, damit der Biss wieder stimmt.
Welche unterschiedlichen Spangen gibt es?
Im Wesentlichen gibt es lose Spangen und feste Spangen.
Lose Spangen:
Meistens sind das die ersten vorbereitenden Spangen im Kita/Grundsschulalter. Hier gibt’s unzählige Varianten, z.B. aktive Platten, die Einzelzahn und Gruppen bewegen, oder funktionskieferorthopädische Geräte, die das Kieferwachstum beeinflussen. An einigen Spangen sind auch Stellschrauben, mit denen die Patienten selber z.B. einmal in der Woche die Spange weiter stellen, um den Kiefer zu weiten. Diese Spangen sind in der Regel aus Kunststoff mit Metall. Die Kinder können zwischen verschiedenen Farben und sogar Motiven und Glitzer wählen, das ist sehr beliebt, macht die Spange zunächst einmal begehrt. Ist aber die erste Euphorie verflogen, muss man sehr darauf achten, dass diese losen Spangen auch regelmäßig getragen werden. Das setzt bei Eltern und Kindern eine große Disziplin voraus. Und es besteht immer auch die Gefahr, dass sie verloren geht oder zerbricht (weil sie z.B. mal verbotenerweise in der Hosentasche gelagert wurde).
Auch lose Spangen können anfangs Schmerzen verursachen. Die Mundhygiene ist mit losen Spangen allerdings einfacher als mit festen.
Feste Spangen:
Ist eher etwas für ältere Kinder, wo schon fast alle bleibenden Zähne da sind, bei Missverhältnis zwischen Zahn und Kiefergröße.
So genannte Brackets aus Metall oder Porzellan werden direkt auf die Zähne geklebt und mit einem Bogen aus Stahl oder Titan verbunden. Der Bogen wird an den Brackets entweder durch Gummis befestigt (hier können die Kinder wählen zwischen farblos/silber und bunt) oder durch so genannte Türchen an den Brackets selbst. In regelmäßigen Abständen werden die Bögen durch Bögen mit größerem Durchmesser ausgetauscht, so wird der Druck auf die Zähne langsam erhöht.
Für wen ist welche Spange das Richtige?
Das muss individuell entschieden werden. Aber bei schlechter Mundhygiene würde die Expertin keine feste Spange empfehlen. Bestimmte Zahnbewegungen kann man hingegen nur mit einer festen Spange korrigieren. Wenn der Zahn nur gekippt werden soll, geht auch eine lose, das dauert aber länger.
Wann sollte man überhaupt beginnen mit Zahnspangen?
Ist unterschiedlich, kommt auf Fehlstellung drauf an. Wenn im orthopädischen Bereich, z.B. großer Überbiss, Stufe oder offener Biß, dann schon früh vor den bleibenden Zähnen, wenn es um schiefstehende Zähne geht, eher wenn schon die meisten bleibenden Zähne da sind, so ab neun Jahre.
Welche Probleme können Spangen bereiten?
Sprachtechnisch gewöhnen die Kinder sich ganz schnell daran, anfangs bereitet es ein wenig Schmerzen aber da kann man ruhig einmal ein Kinder-Schmerzmittel geben, so die Expertin. Auch die losen verursachen Schmerzen. Bei mangelnder Mundhygiene können Zahn und Zahnfleisch leiden. Gerade bei einer festen Spange ist gründliche Mundhygiene sehr wichtig: zwischendurch nach essen immer spülen. Vor dem Zähneputzen mit einer kleinen Bürste zwischen den Bögen putzen. Beim Zähneputzen auch in kreisenden Bewegungen das Zahnfleisch massieren.
Feste Spangen machen anfangs beim Essen Probleme, da darf die Nahrung ruhig mal ein Brei sein.
Es kann auch passieren, dass Brackets abbrechen, z.B. wenn man in etwas Hartes beißt, das ist nicht so schlimm, der Kieferorthopäde repariert sie.
Welche Folgen können (schwere) Zahnfehlstellungen haben, wenn sie nicht behandelt werden?
Funktionelle Belastung der Zähne, sie können eher verloren gehen, man kann nicht richtig kauen, nicht richtig sprechen. Probleme im Kiefergelenk, Zähneknirschen, Schmerzen in Rücken, Ohren, Nacken.
Was bezahlt die Kasse?
Es gibt kieferorthopädische Einstufungsgruppen, bestimmte Schweregrade müssen vorliegen, damit die Kasse bezahlt. Ein Überbiß muss z.B. über 6 Millimeter sein. Die losen Spangen werden in der Regel übernommen. Bei festen wird’s komplizierter: Die Leistung von der Kasse ist ein Basismodell mit so genannten unprogrammierten Edelstahlbrackets mit Stahlbögen. Die Brackets sind größer und die Bögen unflexibel, fixiert wird mit Gummis. Alles, was die Behandlung komfortabler und schmerzfreier macht, wird in der Regel nicht von den Kassen übernommen. Es gibt z.B. Modelle mit weicheren selbstligierenden Bögen. Sie üben weniger Druck aus. Und einige Spangen verzichten auf Gummis und haben stattdessen Türchen in den Brackets, das ist u.U. hygienischer. Auch sind die Brackets teilweise kleiner und oder aus Keramik. Für Spangen mit eben diesen Zusatzleistungen kommt an Zuzahlung etwa 1000,- bis 2500 EUR dazu. Da kann auch eine Schutzbehandlung dabei sein oder zusätzliche professionelle Zahnreinigungen.
Was kann man tun, wenn man unsicher ist, ob bestimmte Zusatzleistungen notwendig sind?
Es gibt Patientenberatung und Schlichtungsstellen der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, wenn man unsicher ist, kann man sich dahin wenden. www.kvz-berlin.de, www.kzvlb.de
Expertin im Studio:
Cindy Spors, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie, CenDenta Zentrum für Zahnmedizin
Beitrag von Susanne Stein



