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"Hühner sind arme Schweine!" - so das Urteil der Zeitschrift ÖKO-TEST in ihrer aktuellen November-Ausgabe. Ein Salat mit Hähnchenbrust gilt zwar als leicht und gesund. Doch die Hähnchen bezahlen dafür mit einem jämmerlich kurzen Leben. Mehr dazu im zibb-Service.
Vor allem die Haltungsbedingungen in der konventionellen Tierhaltung schreien
zum Himmel. Zudem bekommen alle konventionellen Hähnchen während fast der
gesamten Mast mit dem Futter Medikamente.
Katastrophale Zustände bei der Mast
Viele Verbraucher legen
mittlerweile Wert auf die Frage nach den Haltungsbedingungen der Tiere. Die
Verbraucher wollen kein Fleisch mehr essen, das unter unwürdigen Bedingungen
hergestellt wurde. Doch katastrophale Zustände sind in der konventionellen
Tierhaltung an der Tagesordnung. In Ställen mit 40.000 Artgenossen werden bis zu
20 Hühner auf einem Quadratmeter zusammengesperrt. In ihrem zum Teil nur 30 Tage
kurzen Leben sehen sie nie das Tageslicht. Weil sie auf möglichst schnelle
Fleischproduktion gezüchtet werden, sind viele Hühner am Ende der Mast krank und
können sich nicht mehr schmerzfrei bewegen. Als Lebewesen werden sie dabei nicht
wahrgenommen - eher als lebloses Industrieprodukt. So berichtet die Soko
Tierschutz, dass sie erst kürzlich einen Hähnchenmäster erwischte, der kranke,
aber noch lebende Tiere in einem Container für Tierkadaver
"entsorgte".
Auch Bio-Tierhaltung ist nicht gut
Die Bio-Tierhaltung ist
zwar besser, aber auch noch nicht gut, stellt ÖKO-TEST in seiner Untersuchung
fest. So dürfen in ökologischen Betrieben höchstens zehn Hühner pro Quadratmeter
Stall gehalten werden. Doch von den Bio-Verbänden bekam ÖKO-TEST keine
zufriedenstellende Erklärung dafür, warum das Mindestschlachtalter von 81 Tagen
für schnell wachsende Rassen nicht auch für langsam wachsende Rassen gilt. Deren
Leben endet auch schon nach kurzen 50 Tagen.
Mangelnde Auskunftsbereitschaft der Mastbetriebe
Die Branche ist zwar durch diverse Skandale aufgeschreckt, doch wirklich kooperativ zeigte sie sich gegenüber den Ökotestern nicht: So verweigerte Marktführer Wiesenhof die Auskunft, von wem die von ÖKO-TEST untersuchten Tiere gemästet wurden. Denn nach Recherchen der Zeitschrift wurden eben diese Herden am wenigsten artgerecht gehalten.
Hähnchenfleisch voller Keime
Damit nicht genug: Gesundheitsgefährdende Keime wie Salmonellen, Listerien und Campylobacter fanden sich in fast der Hälfte der untersuchten Marken. Dazu in fast allen Proben Keime, die gegen verschiedene Antibiotika resistent sind. Glaubt man der Branche, werden inzwischen zwar weniger dieser Medikamente eingesetzt, doch hat eine Herde im Test sogar ein so genanntes Reserveantibiotikum bekommen. Das sind Mittel, die nur beim Menschen und nur dann eingesetzt werden sollten, wenn nichts anderes mehr hilft. Denn ansonsten ist absehbar, dass Keime auch gegen die Mittel über kurz oder lang resistent werden. Zudem bekommen alle konventionell gemästeten Tiere während fast der gesamten Mast Medikamente gegen Kokzidiose. Dagegen lassen Bio-Mäster die Tiere impfen, was bei konventionellen wegen der Enge im Stall und der damit verbundenen hohen Konzentration der Krankheitserreger nicht ausreichend wirkt.
Den ausführlichen Test von 14 Hähnchenkeulen, davon neun aus konventioneller und fünf aus ökologischer Mast, gibt es ab dem 25. Oktober 2013 im ÖKO-TEST-Magazin November 2013. Im Zeitschriftenhandel kostet das Heft 3,80 Euro.
Beitrag von Michael Großmann










