Ein Weinglas ist vor aufgereihten Weinflaschen zu sehen (Bild: dpa)

Service - Wein und seine Mythen

Ist Deutschland ein Weinland? - Ja! Deutsche Weine gewinnen zunehmend an Beliebtheit. Gut 20 Liter des Rebensafts trinkt jeder Deutsche pro Jahr und gibt dafür sogar mehr Geld aus als für Bier. Trotzdem halten sich viele Wein-Irrtümer hartnäckig.

Lange Zeit wurden deutsche Weine ignoriert, mittlerweile genießen Sorten wie Riesling oder Spätburgunder einen guten Ruf - sogar in Ländern wie Frankreich und Spanien. Die Anbauflächen wachsen. Auch Brandenburg ist mittlerweile für Winzer interessant. Einige robuste Rebsorten kommen mit dem Klima so hoch im Norden noch gut zu Recht. Vorwiegend wird Weißwein produziert, aber auch deutscher Rotwein ist auf dem Vormarsch. Ob rot oder weiß - Wein hat heute sein elitäres Image verloren und geht auch als Trend-Getränk durch. Fehlt nur noch, mit einigen angestaubten Weinmythen aufzuräumen.

Irrtum 1: Rotwein trinkt man bei Zimmertemperatur

Auch wenn es sich über Jahrzehnte festgesetzt hat: Die Zimmertemperatur ist für Rotwein zu warm. Der Leitsatz war richtig, als es in Deutschland noch keine Zentralheizungen gab und die Räume kaum richtig warm wurden. Denn Rotwein sollte bei 16 bis 18 Grad getrunken werden. Junge Weine mögen es etwas kühler, schwere ältere etwas wärmer. So entfalten sie ihr Aroma optimal. Ist der Rotwein zu warm - etwa bei einer üblichen Zimmertemperatur von 20 Grad und mehr - schmeckt er alkoholisch und säurebetont. Deshalb den Wein am besten im Keller lagern oder im Kühlschrank etwas runterkühlen.
Andersrum ist es übrigens bei Weißwein. Der wird häufig zu kalt serviert. Je nach Sorte liegt man mit 8 bis 12 Grad richtig. Ist der Wein zu kalt, verliert er an Aroma - viele Kühlschränke sind mit 4 Grad also echte Geschmackskiller.

Irrtum 2: Jeder Rotwein muss atmen

Diese Szene kennen viele: Der edle Rotwein wird vor dem Trinkgenuss in eine bauchige Glaskaraffe umgefüllt. So kommt Luft an den guten Tropfen. Dann erst entfalte er sein Aroma richtig - heißt es oft. Dabei kann das Dekantieren tödlich sein - jedenfalls für alte Weine. Die vertragen kaum Sauerstoff und können rasch umkippen. Oft reicht ein größeres Glas völlig aus, damit sich der Wein öffnet. Allein bei jüngeren Rot- und Weißweinen kann etwas Luft förderlich sein für den Geschmack. Etwa eine halbe Stunde vor dem Servieren in eine Karaffe umfüllen.

Irrtum 3: Zu kräftigem Käse passt kräftiger Rotwein

Käse und Rotwein - auch diese Regel ist passé. Das Aroma feiner Rotweine wird von würzigem Käse regelrecht erschlagen. So bleibt bei einem kräftigen Livarot vom Geschmack des Weins nicht viel übrig. Da passen Weißweine besser. Zu Weichkäse wie Brie und Camembert etwa ein trockener oder halbtrockener Riesling. Auch ein edelsüßer Weißwein sollte zur Käseplatte nicht fehlen. Die Süße harmoniert mit sehr salzigen Sorten wie zum Beispiel mit einem Blauschimmel-Käse.

Beitrag von Conny Jokisch