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Viele Jugendliche legen ihr Handy kaum noch aus der Hand. Oft haben sie ein Smartphone, mit dem sie ins Internet gehen, mit Freunden kommunizieren oder Spiele herunterladen. Bei Vielnutzern bleibt das Smartphone selbst bei der Nachtruhe oder im Unterricht angeschaltet.
Bonner Forscher wollen nun mit Aufzeichnungen beleuchten, inwieweit eine Suchtgefahr droht. Dazu soll die eigens entwickelte App "Menthal" dienen, die Smartphone-Nutzer (Android basierte) kostenlos herunterladen können, um ihr Verhalten zu messen und zu kontrollieren.
Die meisten Nutzer neigen dazu, die Zeit am Handy zu unterschätzen. In einer Pilotstudie anhand der App untersuchte das Forscherteam mit Psychologen und Computerwissenschaftlern der Universität Bonn das Verhalten von 50 Studierenden über einen Zeitraum von sechs Wochen. Resultat: Alle zwölf Minuten aktivierte ein Durchschnittsnutzer sein Smartphone, 130 Unlocks und bis zu drei Stunden Handyaktivität täglich sind keine Besonderheit, das reine Telefobnieren tritt besonders in der Zielgruppe der 17- bis 25-Jährigen in den Hintergrund.
Ein Leiter der Studie, der Psychologe Dr. Christian Montag, spricht von erschreckenden Ergebnissen: Im Schnitt sei das Handy am Tag 80 Mal aktiviert worden.
Zusammen mit dem Informatikprofessor Alexander Markowetz und weiteren Wissenschaftlern hat Montag mit "Menthal" eine App entwickelt, die exakt festhalten soll, wie oft und wann das Smartphone aktiviert wird und welche Dienste und Anwendungen man nutzt.
WhatsApp verdrängt Telefonate und SMS
Viele jüngere Menschen wollen ständig erreichbar sein. Man könnte ja wichtige Nachrichten etwa über Facebook oder den Kurznachrichten-Dienst WhatsApp verpassen. "Auch in Vorlesungen sind viele permanent online", sagt ein 20-jähriger Student. Vor allem gehe es um Kommunikation mit Freunden und Bekannten.
Angesagt ist dabei aktuell das sogenannte Instant Messaging via WhatsApp. Dort kann man bei einer Internetverbindung und über die Handynummer Nachrichten sowie Fotos und Videoaufnahmen rasch hin und her schicken. Man sieht auch, wer jeweils "online" oder "verfügbar" ist. Klassische SMS, das gewöhnliche Telefonat oder E-Mails sind in den Hintergrund getreten.
Das neue Kommunikationsverhalten wird auch in der Bonner Pilotstudie belegt: Da steht WhatsApp an der Spitze der Smartphone-Zeit vor Facebook und Spielen, weit dahinter rangieren Telefonieren und SMS.
Auch Spiele-Apps wie aktuell etwa Quizduell sind auf dem Smartphone beliebt. Das Hitspiel "Flappy Bird" wurde vor wenigen Tagen zurückgezogen. Der vietnamesische Entwickler bekam nach eigenen Angaben Gewissensbisse. Es sei eigentlich zur Entspannung gedacht gewesen, habe sich aber zu einem Produkt mit Suchtpotenzial entwickelt, erklärte er den ungewöhnlichen Rückzieher auf dem Höhepunkt des Erfolgs.
"Menthal" funktioniert wie eine "digitale Waage"
Die App "Menthal" sei wie eine "digitale Waage", mit der man sein eigenes Suchtpotenzial einschätzen könne, sagt Montag. Die meisten Studien zur Handynutzung hätten sich bislang auf Selbsteinschätzungen verlassen, die auch subjektiv verfälscht sein könnten.
Übermäßiger Umgang mit dem Smartphone könne suchtähnliches Verhalten hervorrufen, erläutert Montag. Um das Befriedigungsniveau zu halten, sei ein immer höherer Konsum nötig. Ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln gebe es bei Nichtnutzung auch Entzugserscheinungen. Und ähnlich wie bei Drogen gebe es eine "ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Medium".
Prof. Alexander Markowetz und seine Kollegen wollen mit den Daten, die die App generiert künftig u. a. auch Rückschlüsse über das Zusammenspiel von Smartphone-Nutzung und psychischer Befindlichkeit ziehen können. Die Wissenschaftler sehen bereits jetzt einen deutlichen Einfluss der Häufigkeit von Smartphone-Nutzung auf die Konzentrationsfähigkeit und somit auf das intellektuelle Leistungsvermögen.
Um uns auf eine Tätigkeit, etwa das Lesen eines Textes vollends konzentrieren zu können, benötigen wir etwa 15 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit, klingelt das Telefon, erreichen uns SMS oder Mails, lenkt das die Konzentration enorm ab.
Gast im Studio: Prof. Alexander Markowetz, jun. Prof. für Informatik an der Bonner Universität, Institut für Informatik III.












