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Fair gehandelte Produkte, das kennt man von Kaffee und Schokolade. Doch spätestens seit im April eine Textilfabrik in Bangladesch einstürzte und über 1100 Menschen starben, stehen die Produktionsbedingungen unserer Kleidung im Fokus der Aufmerksamkeit.
Immer mehr Menschen wollen nicht, dass für die Herstellung ihrer T-Shirts und Hosen Menschen in der dritten Welt ausgebeutet werden. Sie kaufen „faire Kleidung“. Doch was ist das überhaupt und woran kann man sie erkennen?
Faire Kleidung bedeutet, dass sämtliche Herstellungsschritte unter ethisch und sozial korrekten Bedingungen erfolgen. Bei der Produktion wird keine Kinderarbeit eingesetzt, die Arbeiter erhalten einen Mindestlohn, der Brand- und Arbeitsschutz wird eingehalten, es gibt eine gesundheitliche Versorgung wie zum Beispiel Mutterschutz, Versammlungsfreiheit in Gewerkschaften, einigermaßen erträgliche Arbeitszeiten.
„Fair“ bedeutet nicht unbedingt „bio“. Zwar beachten die meisten Labels, die sich um faire Produktionsbedingungen bemühen, auch Umwelt-Aspekte. Aber nicht immer wurden fair hergestellte Produkte zwangsläufig auch unter ökologischen Bedingungen produziert. Umgekehrt verhält es sich genauso: Wer ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle kauft, darf nicht automatisch davon ausgehen, dass bei der Herstellung faire Arbeitsbedingungen für die Näherinnen herrschen.
Auch der Preis sagt nicht unbedingt etwas über die Herstellungsbedingungen aus. Selbst teure, namhafte Markendesigner lassen in Entwicklungsländern nähen, in denen die Arbeiter für wenige Cent Stundenlohn schuften.
Im Siegel-Dschungel
Eine Orientierung bieten Siegel. Davon gibt es allerdings auf dem Textilmarkt jede Menge, so dass es für den Verbraucher mitunter sehr schwer ist, durchzublicken.
Weit verbreitet ist das Siegel „Global organic textile standard“ (G.O.T.S.). Es gelten die sozialen Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als Mindestanspruch. Kinderarbeit, Diskriminierung und Zwangsarbeit sind nicht erlaubt, während gerechte Löhne, Arbeitsschutz und Vereinigungsfreiheit gefordert werden. Der arbeitsrechtliche Schutz der Arbeiter und Angestellten muss gewährleistet sein, ein eindeutig festgelegter Mindestpreis ist jedoch nicht Bestandteil der Kriterien. Des Weiteren muss Kleidung nach G.O.T.S.-Standard zu 90 % aus Naturfasern hergestellt sein. Davon müssen mindestens 70 % aus biologischem Anbau kommen und dürfen nur bestimmten chemischen Prozeduren ausgesetzt werden. Die gesamte Herstellungskette wird jährlich von unabhängigen Kontrolleuren inspiziert.
Ein weiteres großes Siegel ist das „Fairtrade Certified Cotton“, das weltweit größte unabhändige Zertifizierungssystem für Baumwolle. Damit sollen Baumwollbauern in Westafrika gefördert werden. Sie erhalten einen Mindestlohn für ihre Baumwolle, die frei von Gentechnik und bestimmten Pflanzenschutzmitteln sein muss. Auch alle anderen Hersteller innerhalb der Produktionskette wie Spinnereien, Webereien oder Konfektionäre verpflichten sich, die anerkannten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuhalten. Die Einhaltung dieser Normen muss jeder Betrieb nachweisen.
Zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen verpflichten sich die Unternehmen, die Mitglied bei der Fair Wear Foundation sind. Mit ihrem Beitritt zur FWF akzeptieren die Unternehmen den FWF Verhaltenskodex und garantieren, dass sie ihn bei ihren Lieferanten durchsetzen. Während das fairtrade Siegel ein reines Produktsiegel ist, stellt die Mitgliedschaft in der FWF eine Art „Unternehmenssiegel" dar. Das heißt, nicht das einzelne Produkt wird geprüft, sondern das ganze Unternehmen, ob es nachhaltig arbeitet.
Vielen Verbrauchern dürfte vor allem das Siegel „Öko Tex Standard“ bekannt sein. Von diesem weit verbreiteten Zertifikat gibt es drei Standards „100“, „1000“ und „100plus“. „Ökotex 100“ steht allein für schadstoffgeprüfte Textilien, „1000“ kennzeichnet eine umweltfreundliche und sozialverträgliche Produktion, „100plus“ umfasst beides. Allerdings sind die Anforderungen des Siegels nicht besonders streng.
Generell ist es wichtig, dass sich ein Unternehmen unabhängig und extern prüfen lässt. Das ist glaubhafter als unternehmensinterne Kontrollen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Transparenz: Je transparenter ein Unternehmen sich darstellt, umso besser. Das bedeutet, dass es die Namen seiner Produzenten und Zulieferer nennt sowie die Länder, in denen es produzieren lässt.
Wo finde ich nachhaltige Mode?
Noch gibt es in Großstädten mehr Läden für faire Mode als auf dem Land. Auf der Internetplattform www.getchanged.net vom Netzwerk „Faire Mode“ kann man bundesweit nach Läden in seiner Nähe suchen, die faire Öko-Mode verkaufen. Wer online shoppt, kann auf der Seite www.wegreen.de nachsehen, welche Bewertung große Marken in Nachhaltigkeits-Rankings erhalten.
Kinderarbeit vermeiden
Weltweit müssen Millionen von Kindern schuften, auch in Textilfabriken. Von Kindern produzierte Kleidung kann man vermeiden, indem man zum einen auf die schon genannten Siegel achtet. Außerdem gibt es ein Computerprogramm, das nennt sich „aVOID plug-in“. Es wurde von Software-Entwicklern für die Organisation „Aktiv gegen Kinderarbeit“ entwickelt. Wenn das installiert ist und man dann bei Web-Shops wie z.B. Zalando oder Amazon einkauft, werden automatisch Produkte derjenigen Firmen ausgeblendet, die im Verdacht stehen, dass sie mit Hilfe von Kinderarbeit produzieren. Weltweit wurden auf diese Weise schon 1,3 Millionen Kleidungsstücke ausgefiltert – das zeigt, wie weit verbreitet Kinderarbeit in diesem Gebiet ist.
Beitrag von Sina Krambeck












