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Do 15.07.10 18:30

Service

Faszination Capoeira

Das heutige Kampf-Tanz-Spiel hat seinen Ursprung in der Sklavenzeit Brasiliens. Wir stellen die außergewöhnliche Sportart vor.

Die Sklaven trainierten es heimlich. Sie waren ihren Peinigern wehrlos ausgeliefert und durften keine Waffen besitzen. Also haben sie in Arbeitspausen ihren Körper, Hände und Füße zu Waffen geschmiedet. Für die Flucht, den Aufstand und ihre Verteidigung. Der Kreis diente zum Schutz vor den Blicken der Aufseher, traditionelle Tänze und Musik ihrer fernen Heimat waren eine Tarnung. Sie fügten Bewegungen von Tieren hinzu. Denn sie mussten für die Kämpfe geschmeidig sein wie Schlangen und schnell wie Gazellen, voller Kraft und Geschicklichkeit.

Selbst nach der Abschaffung der Sklaverei 1888 blieb Capoeira als Aktivität verboten, weil sie als gefährlich galt. Erst 1934 gelang es dem Mestre Bimba, offiziell eine Capoeiraschule in Salvador de Bahia zu eröffnen. Doch auf der Straße war Capoeira bis in die 90er Jahre kaum erlaubt.

Inzwischen wird Capoeira mehr und mehr als brasilianisches Kulturgut sowie als Kampfkunst mit verschiedenen Stilrichtungen respektiert und weltweit ausgeübt. Heutzutage kann man überall in Brasilien Capoeiristas bewundern. Für Kinder gibt es Capoeira als Unterrichtsfach, in sozialen Projekten in den Slums und auch in Eliteschulen.

Die Abadá-Bewegung hat dabei die meisten Mitglieder: 45000 in 46 Ländern. Eine von drei Berliner Gruppen ist im zibb-Sommergarten zu Gast. In Berlin leitet Instrutora Esmeralda die Abadá Capoeira-Schule. 2009 war sie Europameisterin in der  Frauenkategorie.
 
Wie in den asiatischen Kampfkünsten gibt es auch in der Capoeira ein Graduationssystem. Ein trainierender Schüler erhält bei Eintritt in die Gruppe die "corda crua", die rohe Kordel. Bei der ersten Kordelverleihung (Batizado) wird er "getauft", d.h. er bekommt einen "Apelido" - Capoeira-Spitznamen / Kriegernamen und erhält die erste farbige Kordel.

In der Capoeira gibt es keine Kordel-Prüfung, sondern der Lehrer entscheidet (gegebenenfalls mit der Hilfe des jeweils anwesenden Meisters oder Meisterschülers), welche Graduierung der Schüler verdient. Für die Graduierung wird nicht nur technisches Können bewertet, sondern auch die musikalischen Fähigkeiten, die Trainingskontinuität und das Engagement für die Capoeira / die Gruppe.

Kindercapoeira
Schon vor dem Training toben die 4-7jährigen herum. Durch das Capoeiratraining haben sie bereits eine erstaunliche Körperbeherrschung. Im Begrüßungkreis lernen die Kinder ihre brasilianischen Capoeiranamen. Und dann geht's los. Nach und nach lernen die Kinder, mit den einzelnen Grundelementen Körperbewegungen zu koordinieren, Gleichgewicht und Spannung zu halten. Und natürlich geht es auch um Kraft und Kondition. Und die Roda gehört auch schon bei den Kindern zum Abschluss des Trainings. Die Kleinen haben bei ihrer Freizeitbeschäftigung wirklich Spaß. Bei den Größeren wird schon strenger trainiert, aber sie sind ehrgeizig und wollen natürlich so gut werden wie ihre Trainer Esmeralda und Lince. Bei der kürzlich erfolgten Kordelverleihung konnten die Kinder all ihr Können zeigen. Der Meister aus Brasilien Mestre Camisa und die großen Capoeiristas waren stolz auf sie.

Die Roda
(portg. "roda": Rad, Kreis, Runde, Drehung, (Um)Lauf, Bekanntenkreis) Die Roda ist der Kreis, den Capoeira-Spieler bilden, um in ihm das Spiel der Capoeira zu praktizieren. Die Roda wird zumeist gebildet von anderen Capoeiristas, die darauf warten zu spielen, "das Spiel zu kaufen". Sie sind ebenso wichtig für das Spiel wie die beiden Spielenden darin. Sie unterstützen das Spiel durch die Musik der Capoeira, rhythmisches Händeklatschen, das Spielen der typischen Instrumente und das Anstimmen von Liedern. Die beiden Spieler in der Mitte werden durch die Präsenz des Kreises bestärkt. So entsteht ein gemeinsames Erlebnis.

Die Roda wird auch verstanden als eine Metapher für das Rad des Lebens, alle Individuen sind wichtig in der Kreation des Ganzen und Kooperation ist essentiell für den Prozess des (Überlebens) Kampfes.

Die Musik
Bei uns setzt sie sich zusammen aus dem Spiel der drei Berimbaus Gunga, Médio und Viola, einer Atabaque, zweier Pandeiros und eines Agogôs. Alle anderen Capoeiristas beteiligen sich durch rhythmisches Händeklatschen.

Der Berimbau Gunga hat tonangebende Funktion in der Roda und wird in der Regel vom Leiter der Roda - dem Meister oder Lehrer - gespielt. Die Gunga bestimmt den Rhythmus, z.B. São Bento Grande, Angola, Benguela oder Iúna. Die Médio spielt den Gegenrhythmus, der Viola Variationen. Es gibt zahlreiche Rhythmen "toques" - in der Capoeira, die oben genannten sind die z.Zt. gängigsten. Der Rhythmus wiederum bestimmt die "Spielart" der zwei Spieler in der Mitte des Kreises.

Das Spiel der Instrumente wird durch Gesang ergänzt. Ein Vorsänger stimmt Lieder an, der Kreis antwortet in Form von Refrains. Der Inhalt der Lieder kann sehr unterschiedlich sein; meist werden die allgemeine oder persönliche Geschichte der Capoeira besungen, Geschichten des Lebens erzählt oder Schutz erbeten.

Manche Lieder sind Aufforderungen zum Kämpfen oder zum ruhigen Spiel, denn der Text steht in Verbindung mit dem Geschehen in der Roda - kommentiert und lenkt das Spiel in der Roda. Es existieren zahlreiche traditionelle Lieder und täglich entstehen neue.

Beitrag von Sabine Horn

Dieser Text gibt den Sachstand vom 15.07.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Abadá Capoeira-Schule-Berlin e.V.

Urbanstrasse 93
10967 Berlin-Kreuzberg
Tel./Fax: 030 - 612 02 736

www.abada.net

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