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Für ausgiebige Fahrradtouren ist der Sommer die richtige Zeit - damit aus dem Genuss aber keine Qual wird, sollte aber der Sattel stimmen.
Die meisten Radler fahren nämlich mit dem falschen Sattel, wie die Stiftung Warentest jetzt herausgefunden hat. Welche Sattel-Arten es gibt und für wen welcher Sattel geeignet ist, beantwortet Kolja Oppel im zibb Service.
Damit der Sattel zum Menschen passt und nicht umgekehrt, sollte man zuerst den Abstand der Sitzknochen messen. Diese sollten auf dem Sattel aufliegen, so sind Genitalien und Dammbereich vor zu viel Druck geschützt. Das Vermessen geht zum Beispiel mit einem sogenannten Popometer im Fachgeschäft - aber auch mit einem Stück Wellpappe. Einfach drauf setzen und dann den Abstand der entstandenen Mulden ausmessen. Viele Anbieter geben inzwischen auf der Packung an, für welche Po-Breite ihr Sattel geeignet ist.
Am beliebtesten ist der Gelsattel. Er ist zwar bequem, aber die Kontaktfläche ist häufig zu groß, daher ist er nicht für Touren über 30 Kilometer geeignet. Die Stiftung Warentest empfiehlt zum Beispiel für einen Fahrer mit aufrechter Fahrweise den Terry Fisio Gel Max für rund 40 Euro. Ebenso für aufrechte Fahrer geeignet ist laut Test der doppelt so teure SQlab 621 Active. Darauf sitzt man mit einem breiten Po am besten.
Zusätzliche Mulden im Dammbereich können für eine bessere Druckentlastung sorgen, sind aber kein Allheilmittel. Denn bei manchen Modellen ist der Druck am Rand der Mulden umso größer. Die Empfehlung: der SQlab 602 für rund 90 Euro für Aufrechte und Sportliche mit schmalem Po.
Auch ein Ledersattel war im Test - Brooks B 17 Standard für rund 90 Euro. Er kam bei den Probanden unterschiedlich gut an. Auf jeden Fall muss er mehrere hundert Kilometer lang eingefahren werden bis er zum Po passt. Außerdem ist dieser Ledersattel hart und rutschig. Und er bedarf aufwändiger Pflege (einfetten).
Eher teuer sind Spezialsattel wie der Comfort Line Wings Sport (rund 190 Euro). Er besteht aus zwei beweglichen Teilen und passt sich daher den Bewegungen besser an. Im Test war er vor allem bei den Frauen beliebt. Hingegen sind High-End-Sattel wie der 320 Euro teure „Rochen-Sattel“ Comfort Line Relax IQ zwar laut Hersteller noch anpassungsfähiger - aber nicht unbedingt besser, sagt die Stiftung Warentest. Kein Proband konnte damit die Testdistanz (45 Minuten) durchhalten. Die vorderen Stäbe dieses Sattels sollen den Beinbewegungen folgen - das funktioniert aber nur bei extrem niedriger Sitzeinstellung.
Wer den passenden Sattel gefunden hat, muss in vor der ersten Tour noch in Position bringen. Er sollte waagerecht ausgerichtet sein, allenfalls ganz leicht nach vorne geneigt
Denn: Ist der Sattel zu weit nach vorne geneigt, ruht das Gewicht auf der Sattelnase. Das kann Genitalien und Damm belasten. Taubheitsgefühle und Schmerzen wegen eingeklemmter Nerven sind die Folge. Die Sattelhöhe sollte so eingestellt sein, dass das Bein gestreckt ist und das Becken gerade bleibt. Der Sattel lässt sich in der Regel auch nach vorne und zurück schieben. Richtig ist, wenn die Kniescheibe senkrecht über der waagerechten Pedalachse steht.
Ob aufrecht oder sportlich - die Sitzhaltung ist Geschmackssache. Wichtig ist nur, dass der Rücken dabei gerade ist. Denn ein runder Rücken führt zu Beschwerden in Schultern, Genick und Armen.
Beitrag von Christine Schaller












