Service - Wohin mit alten Sachen?

Handys, Elektronik, DVDs oder gebrauchte Kleidung - wohin mit alten Sachen? Was kann wo verkauft, getauscht oder gespendet werden? Diese und weitere Fragen klären wir im Service am Mittwoch.

Wohin mit den alten Sachen?
Wir leben in einer Überflussgesellschaft, jeden Monat kommt ein neuer Fernseher, ein neues Handymodell raus. Die Marketingstrategen bläuen uns ein, dass wir immer das Neueste brauchen. Und Keller oder Schränke platzen aus den Nähten. Die Kinder wachsen aus den Kleidern heraus. Spielzeug muss ausgemistet werden. CDs und Filme sind nicht mehr aktuell. Doch was tun mit den alten Sachen? Was früher nur auf Flohmärkten verhandelt wurde, passiert nun auch online. So ist in der Konsumgesellschaft die Secondhand-Kultur in Mode, weil das nun einfacher geht. Es gibt zahlreiche Internetplattformen, in denen jeder stressfrei Produkt kaufen, verkaufen, tauschen und spenden kann.

Die großen Internetportale zum Verkaufen von Büchern, CDs und DVDs
Momox ist eines der Internetportale, die Bücher, CDs, DVDs und Computerspiele aufkaufen. Gegründet wurde die Firma von einem arbeitslosen Neuberliner. Heute hat sie einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe, über 90 Mitarbeiter sortieren in Lichtenberg Millionen Medien zum Online-Weiterverkauf. Nach demselben Prinzip funktioniert auch Rebuy - gegründet von Mitgliedern einer Kreuzberger WG. Heute bekommt die Firma 30.000 Artikel täglich in das Rudower Lager auf vier Etagen. Die Techniker schätzen die angekauften Geräte ein und machen sie flott.

Alles ganz leicht gemacht
Beide Plattformen haben ein ausgefeiltes Softwaresystem, das auf sehr viele Daten zurückgreift, um den Preis eines Gegenstandes zu berechnen. Dabei spielen Angebot und Nachfrage eine Rolle. Ein Buch in Millionenauflage wird auf dem Secondhandmarkt keinen für den Verkäufer attraktiven Preis erzielen. Insofern ist auch zu erklären, warum manchmal die Preise minimal sind oder gar bei Null Cent rangieren. Aber es sind verbindliche Angaben, die man weiter mit anderen Anbietern vergleichen kann.
Für den privaten Buchverkäufer ist das ganze Verfahren sehr komfortabel - die App auf dem Handy macht es noch einfacher. Die ISBN Nummer wird eingescannt, sehr schnell erscheint der Preis für den Verkauf. Die Barcodes und ISBN Nummern, die mit der Handykamera gescannt oder eingetippt werden können, sind im Regelfall dauerhaft gültig. Es gibt natürlich auch ältere Artikel, die im System nicht gespeichert sind. Dann geht alles auf dem Computer weiter: Kontonummer angeben, Buch kostenlos verschicken oder das Paket mit den Produkten abholen lassen und das Geld wird überwiesen.
Momox und Rebuy verkaufen die Produkte dann weiter über eine andere Plattform (www.medimops.de) bzw. an Großhändler abgegeben.
Für den privaten Verkäufer wie für einen Secondhandkäufer ist es empfehlenswert, den Artikel bei einem Konkurrenten noch einmal gegen zu prüfen insbesondere auch bei dem großen Internetportal www.ebay.de, durch das viele Käufe und Verkäufe von Secondhand-Waren durchlaufen. Wenn man örtlich begrenzt etwas zum Kaufen sucht, dann sind die http://kleinanzeigen.ebay.de besonders hilfreich. Abholer können einen mit Kilometer begrenzten Bereich angeben.

Von Hand zu hand durch Tauschen
Modemacher locken jede Saison damit Neues zu kaufen. Dann wird es immer enger im Kleiderschrank. Manchmal ist auch ein Fehlkauf darunter. Wer den online tauschen möchte, braucht erst einmal ein Digitalfoto und setzt es beispielweise auf die Seite Kleiderkreisel - www.kleiderkreisel.de. Das blaue Sommerkleid mit Spitze lässt sich verkaufen oder tauschen. Jeder hat seine Seite und kann andere Angebote einsehen - dann geht der Kreisel auf dem Postweg los. Tausch zum Anfassen ist seit geraumer Zeit in Mode. Meistens gibt es bei den Events zum Kleidertausch für Mitgebrachtes Punkte- eine Art Währung. Für die erwirtschafteten Punkte lässt sich Neues ergattern. So werden Kleiderschränke zwar nicht leerer, aber was drin ist, macht wieder glücklich.
Es lässt sich auch alles andere tauschen wie bei www.tauschbörse.de. Hier darf sich jeder für sein Angebot etwas anderes wünschen. Beispiel: „tausche Opel Vectra gegen Rasenmäher". Viele lassen aber das Tauschobjekt völlig offen und nehmen erst mal Angebote entgegen, aus denen sie ggf. auswählen.


Wohin mit den Handys? Spenden von alten Sachen zum guten Zweck
Die Umwelthilfe widmet sich zusammen mit der Telekom dem Thema: Die Organisation garantiert, dass verwertbare Stoffe entweder recycelt werden oder das Handy verkauft wird Die Erlöse kommen Umwelt und Naturschutzprojekten zu, konkret den Netzwerken Lebendige Flüsse und lebendige Wälder. Die Handymarke muss genau angegeben werden - dadurch wird klar, ob es recycelt oder verkauft wird. Weg geht es kostenlos per Post. www.umwelthilfe.de
Alte Brillengestelle lassen sich übrigens über myspexx.de spenden. Das ist eine gemeinsame Aktion mit der Deutschen Blindenhilfe. Die Brillen gehen dann nach Afrika.
Manchmal ist es zu aufwendig, einzelne Gegenstände online zu stellen. Da hilft es vielleicht, sie zu sammeln und mit einer Autofuhre zu einem Abnehmer zu bringen. Oxfam ist eine der Organisation, die den Erlös aus Sachspenden direkt für ihre Hilfsprojekte weltweit verwendet. Beispielsweise für die Wasserversorgung in Afrika. Die Gelder erwirtschaftet Oxfam in Berlin in mehreren Läden, in denen Ehrenamtliche alle brauchbaren Dinge des täglichen Lebens annehmen und ausstellen. Sie werden zu einem guten Preis weiter verkauft.
Auch MOZ, der Laden in der Friedrichstraße, lebt davon dass mit Altem Gutes getan wird. Es ist das billigste Kaufhaus der Stadt für alle, die auf jeden einzelnen Cent achten müssen - und das werden immer mehr.

Rechtliche Aspekte und Tipps
Bei all diesen Transaktionen gelten die üblichen Gewährleistungsrechte. Ist ein Artikel - anders als beschrieben - mangelhaft, so muss der Verkäufer den Mangel beseitigen. Wenn der Käufer ein Produkt innerhalb von zwei Jahren zweimal reparieren muss, dann kann er vom Kaufvertrag zurücktreten. Beim Onlinekauf gibt es aber ein 14tägiges Widerrufsrecht. Teilweise ausgeschlossen sind Artikel wie CD und DVD, Software, weil sie kopiert werden könnten. Auch bei technischen Geräten gilt die Gewährleistungspflicht zwei Jahre.

Wenn Produkte online gestellt werden, braucht es ein attraktives Digitalfoto. Viele Verkäufer greifen auf die offiziellen Produktfotos zurück, sie kopieren Bilder einfach aus dem netz und stellen sie statt ihrem eigenen Produkt in die Verkaufsanzeige ein. Das ist natürlich ein Verstoß gegen das Urheberrecht und kann zu einer Abmahnung von bis zu 1000 Euro führen. Es gibt Anwaltskanzleien, die sich auf das Thema spezialisiert haben und Kleinanzeigenmärkte durchforsten Deshalb: immer nur eigene Fotos verwenden!

Auch die eingestellten Texte sollten so offen und ehrlich wie möglich sein. Es geht darum, den Artikel auch in dem Zustand beschreiben, in dem er sich befindet. Es macht keinen Sinn Macken zu verschweigen - am Ende führt das nur zu Schwierigkeiten.

Es kommt auch häufiger beim Online Secondhandhandel vor, dass einer zwar bezahlt, aber nichts dafür bekommt. Am sichersten ist es darum, Ware gegen Geld als Selbstabholer zu tauschen. Bezahldienste mit Versicherungsschutz sind auch eine Gewähr - zum Beispiel Paypal. Viele Portale bieten einen Treuhandservice an, dabei landet das Geld erst mal beim Seitenbetreiber und erst nach Erhalt der Ware geben sie als Käufer das Geld frei. Es ist mittlerweile sehr sicher geworden.



Beitrag von Eva Wagner