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Service - Fallstricke für Neumieter

In Städten wie Berlin oder Potsdam herrscht ein unerbittlicher Kampf um bezahlbare Wohnungen. Mieter lassen sich auf fast alle Bedingungen ein, die Vermieter sitzen vermeintlich am längeren Hebel. Doch: Sie müssen sich nicht alles gefallen lassen, auch wer eine Wohnung sucht, hat Rechte.

Wer heutzutage eine Wohnung sucht, muss sich vorsehen. Die häufigste Betrugsmasche ist der sogenannte Vorkasse-Betrug. Dabei werden Wohnungen inseriert, die oftmals gar nicht existieren. Wenn man als Interessent Kontakt aufnimmt, wird behauptet, eine Besichtigung sei nicht möglich, weil der Vermieter z.B. im Ausland lebt. Der Vorschlag: den Wohnungsschlüssel gegen eine Kautionszahlung von z.B. 1.000 Euro zu schicken. Die Zahlung soll dabei meist mit Transferdiensten wie Western Union erfolgen, bei denen sich die Spur des Geldes nicht nachvollziehen lässt. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn Traumwohnungen zu sensationell niedrigen Preisen angeboten werden. Niemals Geld überweisen oder Vorauszahlungen leisten, bevor die Wohnung nicht besichtigt wurde. Irgendwelche Zahlungen sollten erst erfolgen, wenn der Mietvertrag unterschrieben ist und der Mieter die Wohnungsschlüssel erhalten hat.

Miete kalkulieren
Die Miethöhe führt ebenfalls häufig zum Streit. Seit Einführung der Mietpreisbremse dürfen bei Neuvermietungen die Mieten in gefragten Gegenden nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Kostet eine Wohnung also bisher 5,50 Euro pro Quadratmeter und die ortsübliche Vergleichsmiete liegt bei 6,00 Euro, dann darf der Vermieter im neuen Mietvertrag bis auf 6,60 Euro raufgehen. Das gilt allerdings nur bei Neuvermietung. Für alte Mietverträge mit überhöhten Mieten gilt Bestandsschutz.

Zur Kaltmiete kommen die Betriebskosten. Manche Vermieter setzen die Vorauszahlungen bewusst zu niedrig an, um eine niedrigere Gesamtmietbelastung vorzugaukeln. Das böse Erwachen erfolgt bei der ersten Jahresabrechnung. Das ist grundsätzlich zulässig. Denn es handelt sich dabei lediglich um Vorauszahlungen. am Ende des Jahres muss der Vermieter sowieso eine Abrechnung vorlegen, so dass zu hohe oder zu niedrige Vorauszahlungen ausgeglichen werden. Bei Interesse sollte man sich immer den Energieausweis zeigen lassen, denn der energetische Zustand eines Hauses ist ein wichtiger Hinweis auf die zukünftige Höhe der Heizkosten. Richtwert: Laut Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes müssen durchschnittlich 2,10 bis 2,30 pro Quadratmeter und Monat an Betriebskosten gezahlt werden.

Tricks der Makler
Seit gut eineinhalb Jahren ist das sogenannte Bestellerprinzip in Kraft. Das heißt, die Maklerprovision bezahlt immer der, der den Makler beauftragt hat. Und das ist in aller Regel der Vermieter – der natürlich möglichst wenig Geld ausgeben will. Um trotzdem mehr zu verdienen, greifen die Makler deshalb immer wieder auf Tricks zurück. Sie versuchen zum Beispiel Zusatzgebühren von den Wohnungssuchenden einzustreichen. Doch Renovierungspauschalen oder zusätzliche Vermittlungsgebühren sind verkappte Provisionen - und damit grundsätzlich unzulässig. Wohnungssuchende können den Vertrag trotzdem unterschreiben, zahlen müssen sie aber nicht. Auch überhöhte Ablösevereinbarungen sind unzulässig. Denn sie sind letztlich nichts anderes als Kaufverträge über vom Mieter übernommene Möbel oder Geräte. Derartige Verträge sind nur zulässig, so lange der Kaufpreis und der Wert der übernommenen Gegenstände nicht in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen. Der tatsächliche Wert orientiert sich dabei am Zeitwert, berücksichtigt also Alter und Abnutzung der Gegenstände. Ein auffälliges Missverhältnis ist nach der Rechtsprechung dann gegeben, wenn der vereinbarte Preis mehr als 50 Prozent über dem Zeitwert liegt.

Zudem versuchen manche Makler die Wohnungsinteressenten dazu zu überreden, ihnen per Unterschrift einen Auftrag zu erteilen – bevor sie ihnen genauere Informationen zur bereits vorher inserierten Wohnung geben. Dazu setzen Makler Angebote ins Internet, die es gar nicht gibt und veranlassen mit diesen „Superschnäppchen“ potenzielle Mieter, einen Suchauftrag zu erteilen. Das ist nicht zulässig. Ein Mieter muss nur dann den Makler bezahlen, wenn der auf Grund eines konkreten Auftrags tätig geworden ist und eine Wohnung für den Mieter gesucht und an ihn vermittelt hat. Wer einen Makler beauftragen möchte, sollte einen Maklervertrag in Textform schließen. Aus ihm muss hervorgehen, dass der Makler eine Provision verlangen wird und in welcher Höhe sie fällig wird. Zulässig sind maximal zwei Monatsmieten plus Mehrwertsteuer. Die Provision wird erst bezahlt, wenn eine passende Wohnung gefunden ist.

Beitrag von Christine Knospe