Service - Straftat Unfallflucht

Gas geben und weg: Unfallflucht ist zum Massendelikt geworden. Ob ein anderer Wagen beim Ausparken beschädigt oder ein Straßenschild umgefahren wird - bis zu eine Million Autofahrer begehen in Deutschland jedes Jahr Unfallflucht – eine Straftat mit Konsequenzen.

Ein kleiner, aber heftiger Rempler mit dem Auto an ein anderes. Das kann mal vorkommen. Aber was jetzt? Sich einfach aus dem Staub machen? Denn so viel ist ja nicht passiert. Laut Schätzungen flüchten jedes Jahr in der Bundesrepublik mehr als eine halbe Million Menschen vom Unfallort. Auch kleine, so genannte Bagatell-Schäden, gelten als Unfall. Wer sie verursacht und sich danach sofort vom Unfallort entfernt, macht sich strafbar. Richtig handelt der, der versucht, den Geschädigten zu ermitteln und wenn das an Ort und Stelle nicht geht, die Polizei informiert.  Es reicht nicht aus, einen Zettel mit der eigenen Anschrift an die Windschutzscheibe des ramponierten Fahrzeugs zu stecken.  Der Unfallverursacher muss eine „angemessene“ Zeit am Unfallort warten.  Genau definiert ist dieser Zeitrahmen nicht, aber die Regel lautet: Mindestens eine halbe Stunde.
Unfallflucht ist eine Straftat. Entscheidend ist dabei der angerichtete Schaden. Beträgt er weniger als 600 Euro, erwartet den Betreffenden meist nur eine leichte Geldbuße. Bis 1300 Euro muss schon mit einer Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts gerechnet werden sowie zwei Punkte und bis drei Monate Fahrverbot. Ist der Schaden größer, kann die Fahrerlaubnis für 6 Monate entzogen werden. Außerdem kann es drei Punkte geben, die 10 Jahre lang nicht gelöscht werden. Auch hohe Geldstrafen sind zu erwarten. Bei einem schweren Unfall mit Personenschaden können auch mehrjährige Haftstrafen die Folge sein, wenn der Verursacher flüchtet. Viele glauben, dass es ausreichend ist, sich 24 Stunden nach dem Unfall bei der Polizei zu melden. Aber das stimmt nicht. Es bleibt auch dann der Straftatbestand der Unfallflucht, der geahndet werden wird, wenn vielleicht auch etwas milder. Ausnahmen sind dann geringe Schäden, unter 1300 Euro und das sich der Unfall nicht im fließenden Verkehr ereignete.

Wenn ich sehe, wie jemand den Unfallort verlässt, ist folgendes zu tun:
Kennzeichen des flüchtenden Wagens und des Unfallwagens notieren und diese der Polizei übergeben. Dabei auch alle anderen Merkmale mitteilen, wie Fahrzeugtyp, Farbe usw. Auch Radfahrer können Unfallflüchtige sein, da hilft eine möglichst genaue Personenbeschreibung.

Für die Schäden haftet immer der Unfallverursacher und zwar mit seiner Haftpflichtversicherung. Ist er aber nicht bekannt, wird es schwierig. Mit einer Vollkaskoversicherung kann man sich für solche Fälle absichern, denn die übernimmt in der Regel die Kosten.  Mit dem unschönen Effekt allerdings, dass man, obwohl unschuldig, trotzdem beim Schadensfreiheitsrabatt höher gestuft wird. Diese Regelung gilt auch, wenn der Unfallverursacher ermittelt wird. Bei ihm sollte sich dann der Geschädigte das Geld zurückholen. Schlimmer wird der Fall, wenn man verletzt wurde und der Unfallverursacher sich einfach aus dem Staub gemacht hat. In solchen tragischen Fällen springt der Verein „Verkehrsopferhilfe“ ein, die von deutschen Autohaftpflichtversicherern gegründet wurde. Dieser Verein verwaltet einen Garantiefonds, der bei Unfällen in Deutschland hilft, die durch nicht ermittelte oder nicht versicherte Kraftfahrzeuge verursacht wurden. Auch für Fälle im Ausland kann er Entschädigungen leisten. Übrigens kann sich dort auch hinwenden, wenn der Autohaftpflichtversicherer insolvent wird. Der „VOH“ reguliert den Schaden durch zugelassene Autohaftpflichtversicherer oder durch Schadenregulierungsbüros. Doch nicht nur der Unfallverursacher kann Flucht begehen.

Bei der so genannten Parkplatzrempelei ist das klar. Da hat einer den anderen angefahren und einen Schaden verursacht. In diesem Fall muss der Verursacher warten, bzw. die Polizei rufen.  Es gibt aber auch Unfälle, an denen mehrere beteiligt sind. Dann wird es schwierig zu klären, wer hier wirklich der Verursacher war. Zum Beispiel muss bei einem Auffahrunfall nicht immer der Auffahrende schuld sein. Deshalb müssen alle Unfallbeteiligten am Ort bleiben, bis die Polizei erscheint - selbst die Beifahrer.

Sollte es sich aber um kleinere Schäden handeln, können die auch untereinander geregelt werden, indem man die Personalien austauscht und sich über die Regulierung einigt. Dann ist es nicht nötig, die Polizei zu verständigen.

Zeugen, die den Unfallort verlassen, sind keine Unfallflüchtigen.

Beitrag von Boris Römer