Ein Model geht während der Mercedes-Benz Fashion Week am 18.01.2018 im Vollgutlager in Berlin beim Finale des Maybelline Urban Catwalk im lila Konfettiregen über den Laufsteg.
dpa
Bild: dpa

Ausflugstipp - Fashion Week in Berlin

Anlässlich der Fashion Week führt uns der Ausflugstipp in dieser Woche an die Orte, wo in Berlin die Wiege der Konfektion stand. Rund um den Hausvogteiplatz entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein Zentrum für den Bekleidungs- und Pelzhandel.  

Am U-Bahnhof Hausvogteiplatz beginnt dieTour. Auf den Stufen stehen Namen der ehemaligen jüdischen Bekleidungshersteller, und es gibt noch mehr Erinnerungen.

Stadtführer Bernd Meyer trifft seine Gäste immer an der Tanzenden Berolina. Das kunstvolle Drahtgefecht steht an der Stelle, wo zeitweilig die dralle Frauenstatue der Berolina stand. Vor dem Haus der Berolina am Hausvogteiplatz 12, eines der wenigen erhaltenen historischen Gebäude.

Die Hausvogtei war das Gefängnis. Hier wollte sich niemand ansiedeln. Die Grundstücke waren günstig. Ideal für eine neue Firmenidee, nämlich Kleidungsstücke nicht mehr einzeln schneidern, sondern sie in Serie zu produzieren.

Becon, der einzige Bekleidungsladen, der vor zwei Jahren an den historischen Platz zurückkehrte steht für Berliner Confektion und ist der Nachfolger eines DDR-Unternehmens. Heute ist es ein Herrenausstatter.

Genau hier in diesen Höfen wurde entworfen, genäht und mit Mode gehandelt. Berlin war DAS europäische Zentrum der Modeindustrie. Kleider, Anzüge und Mäntel wurden von hier in alle Welt exportiert.
Der Niedergang begann mit den Nationalsozialisten. Jüdische Modehausbesitzer emigierten oder mussten ihre Firmen unter Wert verkaufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Hausvogteiplatz in Schutt und Asche. In der DDR gab es noch Modeindustrie und Großhandel. Danach war Schluss. Wenige Häuser überlebten. Restauriert ist das Haus Manheimer. Wo einst Mode entworfen und für Millionen verkauft wurde, vermietet die junge Firma rent24 jetzt Co-Working-Spaces, also Schreibtische. Der einstige Glanz der Modewelt ist unübersehbar. Darum schaut Bernd Meyer bei seinen Führungen zur Berliner Konfektion hier immer wieder vorbei.

Beitrag von Heike Boldt-Schüler