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Nun also doch: Der Kanzler ist in die Ukraine gereist. Und anders, als Olaf Scholz sich vielleicht gern selbst sieht, kam der Besuch im Tross mit drei weiteren Regierungschefs überhaupt nicht ohne die zuvor geschmähte Symbolik aus.
Doch abgesehen von betroffenen Gesichtern beim Besuch des Schlachtfelds von Irpin: Was kann der Westen den Ukrainern anbieten und was dem russischen Regime androhen? Die Politikerinnen und Politiker der freien Welt sind in den kommenden Tagen mehrmals verabredet. Europäischer Rat, G7-Treffen und NATO-Gipfel. Darunter der zögerliche deutsche Bundeskanzler und der durch Parlamentswahlen angezählte französische Präsident. Wie kraftvoll kann ihre Botschaft sein? Warum ist ausgerechnet die EU weiter so zögerlich beim Liefern von Waffen? Und wie weit reichen eigentlich die Gemeinsamkeiten in Brüssel, wenn einer der 27 Regierungschefs der Russenfreund Viktor Orban aus Budapest ist?
Spart sich die Regierung die schlechten Nachrichten für den Herbst auf?
Wenn Russland den Gashahn langsam zudreht, extreme Temperaturen den Klimaschutz aufs Tapet brennen und Corona schon im Sommer Ärger macht, bedeutet das auf jeden Fall: Teuerung, Verzicht und Einschränkungen. Robert Habecks schlimmster Alptraum des Wiederanfahrens von Kohlekraftwerken scheint regierungsintern schon an Realität zu gewinnen. Aber warum packt uns die deutsche Politik so ungern schlechte Nachrichten ins Urlaubsgepäck und schockt lieber im Herbst? Und was sagt eigentlich die Wirtschaft dazu?
Jörg Thadeusz diskutiert mit:
Claudia Kade (Die Welt), Sabine Adler (Deutschlandfunk), Hajo Schumacher (Berliner Morgenpost), Claudius Seidl (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) und als Expertin Prof. Cornelia Woll, Präsidentin der Hertie School