Mehrere Organspende-Ausweise (Quelle: imago / epd)
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Niedrigster Stand seit zehn Jahren - In Brandenburg gab es zuletzt nur 18 Organspender

Für Schwerkranke ist ein Spenderorgan meist die letzte Hoffnung. Das wissen die meisten, trotzdem sinkt die Zahl der Organspender in Deutschland weiter. Die Zahl der gespendeten Organe lag in Brandenburg zuletzt im mittleren zweistelligen Bereich.

Die Zahl der Organspender in Brandenburg hat sich nahezu halbiert. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) waren 2017 in Brandenburg 18 Organspender registriert. Das heißt, es gab lediglich 18 Fälle, in denen Verstorbenen aus Brandenburg Organe zur Spende entnommen werden konnten, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

2016 waren es noch 35 verstorbene Organspender. Dies sei der niedrigste Stand seit 2008. Die Zahl der gespendeten Organe ging von 105 auf 49 zurück. Gründe für den Rückgang wurden nicht mitgeteilt. Transplantationen wurden in Brandenburg 2017 wie schon im Jahr zuvor nicht durchgeführt.

Auch deutschlandweit sind die Zahlen rückläufig

Potenzielle Organspender - wie etwa die Besitzer eines Organspendeausweises - werden in Deutschland nicht zentral registriert. Im Transplantationsregister werden laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) lediglich diejenigen erfasst, die bereits Organe gespendet oder empfangen haben. Voraussetzungen für eine Organspende nach dem Tod sind zum Beispiel der Besitz eines Organspendeausweises oder die Zustimmung der Angehörigen. Bei einer Lebendspende ist neben der Volljährigkeit des Spenders auch die persönliche Beziehung zum Empfänger entscheidend.

Mit dieser Entwicklung liegt Brandenburg im bundesweiten Trend: Denn deutschlandweit ging die Zahl der Organspender im Vergleich zu 2016 zurück - um 60 Personen auf knapp 800. Zuletzt gab es derart wenige Organspender vor 20 Jahren, teilte die DSO mit. Die Stiftung bemängelt, dass bei Therapieentscheidungen am Lebensende die Organspende teilweise nicht in Betracht gezogen werde.

"Dramatische Entwicklung"

"Jedes Spenderorgan - ob Niere, Herz, Lunge oder Leber - bedeutet für einen schwer kranken Patienten auf der Warteliste eine neue Lebenschance", erklärte der medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel. Er spricht angesichts der rückgängigen Zahlen von einer "dramatischen Entwicklung".

Die Gründe sieht Rahmel weniger in der mangelnden Bereitschaft der Bevölkerung. Er wünscht sich Verbesserungen in der Organisation der rund 1.250 Kliniken in Deutschland, die zum Organspende-System gehören. So habe zum Beispiel Bayern 2017 Transplantationsbeauftragte erstmals für ihre Aufgabe freigestellt. Die Organspenderzahlen in Bayern seien 2017 um 18 Prozent gestiegen - der höchste Wert unter allen Bundesländern.

Trotz sinkender Zahlen sei Deutschland allerdings aufgrund seiner hohen Bevölkerungszahl immer noch ein Land, das in absoluten Zahlen mehr Organe als andere Länder zum Organspende-Verbund beisteuere, so Rahmel.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde leider nicht deutlich, was unter der Bezeichnung "registrierter Organspender" zu verstehen ist. Wir haben die Bedeutung dieses Begriffs mit Verweis auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stärker herausgestellt. Mehr Informationen zum Thema Organspende finden Sie hier.

Sendung: Inforadio, 13.01.2018, 18 Uhr

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Ich selber verstehe das sehr wohl, dass in Deutschland ein anderer Weg gegangen wird als bspw. in Österreich - die bewusste Erklärung zur Organspende.

    Dasjenige, was dahinter liegt, ist die gleichrangige Bedeutung zweier unterschiedlicher Prinzipien, nicht aber die Behauptung eines einzigen vorrangigen Prinzips.

    Will sagen, es gibt
    1. das ethische Prinzip der Lebensrettung mit nahezu allen gebotenen Mitteln und es gibt
    2. das ethische Prinzip, dass ein Körper nicht nur in Bezug auf seinen Nutzen betrachtet werden darf, gleich auch für wen oder was.

    Ich achte beide Prinzipien hoch, für mich hat allerdings das 2. Prinzip den höheren persönlichen Stellenwert. Im mitgeführten Ausweis steht drin, dass ich keine Organe spende und auch keine erhalten will. Damit markiere ich für mich eine Grenze der technischen Machbarkeit, die ja im Prinzip unendlich ist, bis hin zu Haut und Haaren, denn Not ist ja auch da nicht gerade ausgeschlossen.



  2. 13.

    Schafft Anreize, damit es mehr potentielle Organspender gibt !

    Dazu 3 Vorschläge: Organspende als Solidarsystem; jeder der sich als Spender eintragen lässt, hat im Krisenfall vorrangig Anspruch auf Spende aus dem Personenkreis der eingetragenen Spender.

    Oder, jeder der sich als Spender einträgt erhält als Bewohner Berlins den Berlin-Pass als kleine materielle Anerkennung.

    Oder, für jedes Jahr der Organspendebereitschaft werden 0, 15 Rentenpunkte gutgeschrieben.


  3. 12.

    Ja. "Der Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft sprach sich gegen Organhandel und Transplantationstourismus aus. Damit seien Patienten gemeint, die nie in Deutschland gelebt haben und nur ins Land einreisen, um ein neues Organ transplantiert zu erhalten, und sich mit der Adresse eines Hotels beziehungsweise einer Klinik auf die Organspendeliste setzen lassen." https://de.wikipedia.org/wiki/Organspendeskandal_in_Deutschland#Auswirkungen Warum werden hauptsächlich Lebern transplantiert?!
    "Im Gegensatz zu anderen Organen wie Niere, Herz oder Lunge ist eine Ersatztherapie wie Dialyse, Herz-Lungen-Maschine oder ECMO für die Leber heute noch nicht möglich. Somit bedeutet endgültiges Leberversagen ohne Transplantation schnell den Tod des Patienten. Aus diesem Grund können Menschen mit hochakuten Erkrankungen auf der Warteliste vorgezogen werden." https://de.wikipedia.org/wiki/Lebertransplantation

  4. 11.

    "In Brandenburg gab es zuletzt nur 18 Organspender" - das kann man zweideutig interpretieren. Entweder effektiv gespendete Personen (was hier zutrifft), oder Personen mit Organspendeausweis (was ich zuerst angenommen habe).

  5. 10.

    Was ist denn daran missverständlich. Die haben es doch nochmal klargestellt. 2017 wurden 18 Brandenburgern Organe zur Spende entnommen.

  6. 9.

    Laut DSO wurden rund 2.000 Organe im vergangenen Jahr gespendet (vorläufige Zahlen). Dies bezieht sich auf Organe, die in Deutschland entnommen und in Deutschland sowie im Ausland transplantiert worden (ohne Lebendspenden). Mehr Infos der Stiftung finden Sie auf www.dso.de.

  7. 8.

    Weiß jemand wieviele Spender es tatsächlich gibt, auch wenn es nur geschätzt ist? Die 18 in der Artikel ist ja stark missverständlich.

  8. 7.

    Sehr geehrter Herr Bötel, Sie haben recht. Potenzielle Organspender werden hierzulande nicht registriert. Unbekannt ist auch die Zahl derer, die einen Organspendeausweis mit sich tragen. Ob es zwischen dem Fakt, dass es im vergangenen Jahr lediglich 18 Brandenburger gab, die Organe spendeten und der (nicht bekannten) Anzahl von Organspendeausweisen einen Zusammenhang gibt, lässt sich daher nicht feststellen. Wir bedauern, dass der Artikel anfangs undeutlich zu verstehen war, sind ausführlicher auf den Begriff eingegangen und haben dies auch in der Überschrift deutlicher herausgestellt. LG, die Redaktion

  9. 6.

    Liebe Redaktion: Schnell reagiert und Missverständnisse ausgeräumt. Danke. Ist ja auch für eine wichtige Sache.

  10. 5.

    Wie viele waren es bevor betrügerische Halbgötter in Weiss beim Organhandel betrogen haben?
    Der Fisch riecht wieder einmal vom Kopf!

  11. 4.

    Mein Ausweis ist auch nicht registriert und ich wüsste auch nicht warum.

  12. 3.

    Der Begriff des "registrierten Organspenders" ist ebenso irreführend wie abschreckend. Kein potenzieller Organspender steht zu Lebzeiten in irgendeinem Register. Wer bereit ist, nach seinem Tod Organe zu spenden, führt lediglich einen Organspenderausweis mit sich. Auch der ist nirgendwo registriert, sondern nur eine Willenserklärung seines Inhabers. Es gibt also an sich keinen Grund, keinen Spenderausweis zu haben. Wenn man sich es anders überlegt hat, schmeißt man den Ausweis eben in den Müll.

    Im Artikel gemeint sind sicher die 18 Personen in Brandenburg, denen nach ihrem Tod auch wirklich Organe entnommen wurden. Oder?

  13. 2.

    Mir ist immer noch schleierhaft, warum man sich in Deutschland nicht zur österreichischen Lösung durchringen konnte: Jeder ist Organspender, wenn er sich nicht ausdrücklich ablehnend äußert.

    Man muss also aktiv werden, wenn man kein Organspender sein möchte. Dadurch würde die Zahl der potenziellen Spender mit Sicherheit erheblich steigen, weil die Hürde niedriger ist.

  14. 1.

    Ich meine die Zahlen können in der Höhe nicht stimmen.
    Ich z.B. habe einen Spenderausweis, wie hoffentlich auch viele andere in meiner Geldbörse, der nicht offiziell registriert ist und in der Statistik daher nicht erscheint aber im Notfall helfen kann. Also besser ermitteln! Viele Grüße
    Mit

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