Archivbild vom 11.03.2016: Der Real-Supermarkt in der Müllerstraße in Berlin-Wedding (Quelle: imago-images/STPP)
Video: Brandenburg Aktuell | 14.02.2020 | Stefan Kunze | Bild: imago-images/STPP

Verkauf an russischen Investor - Jeder neunte Real-Markt soll geschlossen werden

Am Freitag findet die Hauptversammlung der Metro AG statt. Beobachter erwarten, dass dann auch der Verkauf der 276 Real-Märkte verkündet wird. Bis zu 30 Filialen sollen geschlossen werden. Auch Angestellte in Berlin und Brandenburg fürchten um ihre Jobs.

Rund 30 der noch bestehenden 276 Real-Märkte sollen nach dem bevorstehenden Verkauf des Unternehmens geschlossen werden. Das sagte Olaf Koch, Chef der Real-Mutter Metro, am Donnerstag in Düsseldorf. Einen Tag vor der Hauptversammlung der Metro AG seien die Verkaufsverhandlungen "sozusagen abgeschlossen". Laut Koch sollten die Metro-Gremien und die der russischen Investorengruppe noch am Donnerstag ihre Zustimmung zum Kaufvertrag geben. Nach dem Verkauf soll Real komplett zerschlagen werden.

Auch Märkte in Berlin und Brandenburg bedroht

Zwar wollen die Käufer einen Kern von 50 Real-Märkten für mindestens 24 Monate weiter betreiben. Der größte Teil der Filialen soll jedoch an andere Händler wie Edeka oder Kaufland verkauft werden. Filialen ohne Zukunftsperspektiven sollen geschlossen werden. Ob darunter auch Filialen in Berlin und Brandenburg sind, ist derzeit offen.

Real betreibt bundesweit 276 Supermärkte, davon 13 in Brandenburg und sechs in Berlin. Der Betriebsrat schätzt, dass etwa 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in jeder Real-Filiale arbeiten. Somit müssen mehr als 2.000 Real-Beschäftigte in der Region Berlin und Brandenburg um ihre Arbeitsplätze fürchten. Ingesamt beschäftigt Real in Deutschland rund 34.000 Menschen.

Der Handelskonzern will sich künftig ganz auf sein Großhandelsgeschäft konzentrieren und daher die angeschlagene Supermarkt-Kette abstoßen. Am Dienstag dieser Woche hatte Metro mitgeteilt, sich mit den Real-Interessenten X-Bricks und SCP grundsätzlich geeinigt zu haben. Demnach erwarten die Düsseldorfer die Veräußerung der gesamten Real-Kette zu einem Unternehmenswert von etwa einer Milliarde Euro.

Real sorgte für tiefrote Zahlen

Die Supermarktkette war zuletzt das Sorgenkind des Düsseldorfer Handelsriesen. Auch im wichtigen Weihnachtsquartal erwies sich Real noch einmal als Verlustbringer. Weitere Wertberichtigungen kurz vor dem Verkauf sorgten im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019/2020 für rote Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 34 Millionen Euro, wie das Unternehmen bei der Präsentation der Quartalszahlen mitteilte. Die Wertberichtigungen auf Real bezifferte Metro auf 237 Millionen Euro.

Der Verkaufsprozess erwies sich schwierig. Mit großen Hoffnungen begonnene, exklusive Verhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos scheiterten. Der nun erzielten sogenannten kommerziellen Einigung zwischen Metro und dem Bieter-Konsortium um X-Bricks müssten nach Vertragsunterzeichnung auch die Kartell- und Aufsichtsbehörden noch zustimmen.

 

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, rund 30 Real-Märkte sollten "sofort" geschlossen werden. Dies ist nicht zutreffend. Wir haben den Fehler korrigiert.

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17 Kommentare

  1. 17.

    Habe die große Hoffnung, dass real in den Spandauer Arcaden bestehen bleibt. Habe meinen gesamten Weihnachtseinkauf dort getätigt und hatte nicht den Eindruck, dass der Laden nicht läuft.

    Ein vorheriger Preisvergleich ergab für mich eine deutliche Preisersparung!

  2. 15.

    All Denen welche sagen die Schließung der Realmärkte sei ihnen egal, haben eben nicht bedacht, dass weniger Konkurrenz auf Dauer zu höheren Preisen führt.

  3. 14.

    Wem wird denn hier in die Tasche gelogen? 30 Märkte werden geschlossen? Und was ist mit den Märkten, denen schon vor Verkaufsabschluss die Schließung bekannt gegeben wurde? Wie etwa Berlin Neukölln und Berlin Wedding und andere? Darüber spricht kein Mensch und das wird auch nicht veröffentlicht. Wen interessiert, wie es diesen Mitarbeitern geht? Die Kunden werden mit seltsamen Aktionen fern gehalten und die Mitarbeiter wissen nicht, wann endgültig Ende ist. Warum wird nicht mal über diese Märkte berichtet? Die sind doch unmittelbar vor dem Ende?

  4. 12.

    Es gibt 276 Real Märkte und 30 sollen geschlossen werden, dass sind dann der Überschrift zufolge 90%? Habe ich irgendwas verpasst?

  5. 11.

    Wieso kann die Metro REAL einfach an ein russisches Konsortium verkaufen. Mit dem Wissen REAL zu zerschlagen und Grund und Boden zu verkaufen. Was sind das für Geschäfte? ?? Die Menschen spielen keine Rolle.

  6. 10.

    Woher wissen sie das alles? Wo sind die Fakten!? Wer hat was schuldhaft verursacht? Bitte keine Wltverschwörungsaussagen als Statements. Wem sollen die denn nützen?

  7. 9.

    Spitzenkräfte wie Sie hätten wahrscheinlich viel früher in Ihrer Glaskugel erkannt, dass REAl in seiner jetzigen Größe nicht konkurrenzfähig ist. Idealerweise haben Sie eine Link parat, wo Sie das in einem alten Kommentar bereits angemerkt hatten.

  8. 8.

    "Beim Discounter oder im Supermarkt benötigst Du mit Kasse anstehen genausoviel Zeit." Warum wohl müssen Sie bei REAL nicht so lange an der Kasse warten?

    Ich gehe nur bei Angeboten zu Real, ansonsten ist der Laden für mich gegenüber Edeka, Rewe und Schwarz gerade bei alltäglichen Dingen oft zu teuer. Und hier in den Arkaden finde ich etwas weiter oben auch eine größere Auswahl an Fernsehern zu oft besseren Preisen.

  9. 7.

    Es wird immer nur von Betroffenen von real geschrieben bloß nie von der Logistik gesprochen was wird außen Mitarbeitern die die ware zuzamengestelt haben also kurz gasagt aus den lagern real weg und wir haben dadurch ja auch keine arbeit was ist mit uns also den Mitarbeitern der Logistik

  10. 6.

    Und wieder haben hochbezahlte Manager eine Firma in den Ruin gewirtschaftet. Diese unfähigen Typen mit Anzug und Schlips werden wie die Heuschrecken weiterziehen und den nächsten Laden ruinieren. Was mit den Mitarbeitern geschieht geht denen glatt am Ar..... vorbei.

  11. 5.

    Wirklich schade, dass es nun so weit ist.
    Wohne seit letztem Jahr in der Nähe eines Real Markts und muß sagen, ich genieße es total. Super Fleischqualität, riesige Auswahl. Teilweise super Angebote, payback, Markenware, viel Ginsorten, Thomas Henry Getränke, Käsetheke, Bäcker, super Gemüseabteilung.

    Walmart hats in Berlin vor 10-20 Jahren auch mal versucht mit so Riesenlebensmittelmärkten, und ist auch gescheitert.
    Metro ist mir aber zu kompliziert und weit weg zum kurz mal einkaufen, neeeeee!
    Scheen war die Zeit!

  12. 4.

    Seit Jahren meide ich unseren örtlichen REAL-Markt = viel zu hohe Preise gegenüber ALDI & Co.!
    Sollte dieser REAL-Markt geschlossen werden, finden die meisten Angestellten sicher einen neuen Supermarkt etc. Eine andere Alternative lautet Umschulung. Ich habe nach 1990 insgesamt drei Umschulungen erfolgreich absolviert. Aber natürlich sind solche Maßnahmen keine Garantie für einen neuen Arbeitsplatz. Als ältere Arbeitnehmerin weiß ich, dass die Suche nicht leicht wird. Auch meine Zeit als Arbeitslose habe ich überlebt, mich sportlich betätigt, Hobbys gepflegt und mein Leben abseits des täglichen Hamsterrades genossen. Auch Arbeitslosigkeit ist Lebenszeit, die man vielfältig selbst gestalten kann...

  13. 3.

    Lieber Felix,
    wenn Du vom Parkplatz in den Laden eine Viertelstunde brauchst, musst Du ja fußkrank im letzten Stadium sein! Und zwei Stunden fürs Einkaufen benötigt man im REAL auch nicht, man kann auch dort durchaus sehr strukturiert und schnell seinen "Feierabendeinkauf" erledigen.Beim Discounter oder im Supermarkt benötigst Du mit Kasse anstehen genausoviel Zeit.
    Ich hoffe in erster Linie, daß es für das - vor allem zum Teil sehr langjährige - Personal positiv ausgeht, ich denke, Deine Einkaufspolitik ist das kleinste Problem in unserer Überflussgesellschaft.

  14. 2.

    Das war Absicht bei Metro. Die REAL Märkte waren Jahrzehnte lang die Geldkuh zum Aussaugen ohne was zu investieren. Viele REAL Märkte sehen heute aus wie aus der Zeit gefallen aus Ende der 1990er Jahre. Verkaufskultur und Ambiente geht heute anders. Und die Preise meist wie eine Apotheke. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen, wenn man nicht mit der Zeit geht. Geschäftsmotto von Metro: Ist die Kuh gemolken, wird sie zum Schlachter geführt. Und nebenbei: Der Großhandel Metro ist auch nicht günstig.

  15. 1.

    Wenn ich nicht gerade am Sonnabend auf Shopping-Tour bspw. im A10-Center bin, treibt mich nichts in solche Läden. Viel, viel zu groß für den schnellen Einkauf. Vom Parkplatz in den Laden zu latschen dauert ja schon fast 'ne viertel Stunde. Nach Feierabend will ich doch keine zwei Stunden für's Einkaufen einplanen. Außerdem finde ich grundsätzlich nicht alles was ich suche, habe keinen Bock Verkäufer zu fragen und kaufe schlussendlich lieber gleich im Discounter oder Supermarkt.

    Dem betroffenen Personal viel Glück bei der ganzen Sache.

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