Agenten des BND sollen streng konspirativ die Welt der Witze im Arbeiter- und Bauernstaat erfassen und auswerten. © rbb/MDR/Lew Hohmann
Agenten des BND sollen streng konspirativ die Welt der Witze im Arbeiter- und Bauernstaat erfassen und auswerten. | Bild: rbb Presse & Information

- DDR-Witze und der BND

Der Film schaut hinter die Kulissen der professionellen Witze-Sammler aus dem Westen und nicht weniger neugierig und direkt hinein in die Witze-Küchen der DDR. Tragisches und Witziges.

Die erste BND-Akte mit DDR-Witzen erreicht am 11.11.1977 Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Vermerk "VS-Vertraulich". © rbb/MDR/Lew Hohmann
Die erste BND-Akte mit DDR-Witzen erreicht am 11.11.1977 Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Vermerk "VS-Vertraulich"

1977 startet der Bundesnachrichtendienst in Pullach eine sehr spezielle Geheimoperation. Agenten des BND sollen streng konspirativ die Welt der Witze im Arbeiter- und Bauernstaat erfassen und auswerten. Die erste Witze-Akte erreicht am 11.11.1977 Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Vermerk "VS-Vertraulich". Man wählt den karnevalistischen Bezug, für den scheinbar unernsten Gegenstand nachrichtendienstlicher Ermittlungstätigkeit. Jahrzehntelang ist die Operation "DDR-Witz" ein Staatsgeheimnis der alten Bundesrepublik.

"Keine Bretter für die Laube, für das Auto keine Schraube, für den Arsch kein Klopapier – aber Kosmonauten haben wir."

Erst 2009 werden die Witz-Akten frei gegeben. Regisseur Lew Hohmann schaut hinein und rekonstruiert nahezu lückenlos den Witze-Flow Richtung Pullach. Einer der Lieferanten ist die Hauptstelle für Befragungswesen des BND. Sie wird tätig in den Notaufnahmelagern der BRD, wo Flüchtlinge und Übersiedler bei einer Tasse Kaffee auch nach politischen Witzen befragt werden. Daneben gibt es auch sogenannte "Zugbefrager", zumeist Frauen mittleren Alters, die als Reisende getarnt, ein Schwätzchen mit anderen Reisenden halten. Zum anderen werden aber auch Bundesbürger, die entweder Besuch aus der DDR bekommen oder selbst dort zu Besuch waren, auf DDR-Witze abgeklopft.

Jahrzehntelang ist die Operation „DDR-Witz“ ein Staatsgeheimnis der alten Bundesrepublik. Erst 2009 werden die Witz-Akten frei gegeben. © rbb/MDR/Lew Hohmann
Jahrzehntelang ist die Operation „DDR-Witz“ ein Staatsgeheimnis der alten Bundesrepublik. Erst 2009 werden die Witz-Akten frei gegeben. (Brief an den Bundeskanzler)

In seinem Begleitbrief an Kanzler Kohl schreibt BND-Chef Wieck im November 1986: Gleichwohl offenbart der politische Witz in totalitären Systemen mitunter Missstände und Gegenströmungen zur gelenkten öffentlichen Meinung drastischer und unmittelbarer, als ausgefeilte Analysen dies vermögen. Die letzte Witze-Kladde wird am 11.11.1989, zwei Tage nach dem Mauerfall ordnungsgemäß im Bonner Kanzleramt abgegeben.

Der Film schaut hinter die Kulissen der professionellen Witze-Sammler aus dem Westen und nicht weniger neugierig und direkt hinein in die Witze-Küchen der DDR. Tragisches und Witziges. Aufgestöbert und erzählt an Originalschauplätzen in Pullach und im "Osten". Mit hochkarätigen Protagonisten.

Film von Lew Hohmann

Erstausstrahlung am 27.12.2016/MDR

Comic-Serie der Digedags © rbb/IT WORKS! Medien
rbb Presse & Information

Kult-Comic aus der DDR - Das Geheimnis der Digedags

Dig, Dag und Digedag. Die Digedags. Das sind die drei anarchistischen Kobolde, die Generationen von DDR-Kindern in ihr Herz geschlossen haben. Der Film zeigt u.a. die frühesten Archivbilder der Bild-Manufaktur der MOSAIK-Hefte um den Schöpfer Hannes Hegen. Er erzählt von der Erschaffung und Zerstörung eines großen Werkes, das bis heute Kult ist.

Garten von Schloss Babelsberg (Quelle: rbb)
rbb

Preußens Arkadien zur Mauerzeit - Gärtner führen keine Kriege

Die preußischen Schlösser und Gärten entlang der Havel sind heute UNESCO-Weltkulturerbe und einmalige Kulturlandschaft. 1961 wurden die Gärten im Grenzgebiet zwischen Potsdam und West-Berlin zu einem Schauplatz des Kalten Krieges: Mauer, Grenzzäune und Todesstreifen zerstörten über 35 Hektar der historischen Parkanlagen.

Ein Mann mit einer Kippa steht in Berlin vor dem Brandenburger Tor (Quelle: imago/Mang)
imago stock&people/Mang

Wie antisemitisch ist Berlin? - Feindbild Jude

Die rbb Reporter gehen der Frage nach dem Lebens- und Sicherheitsgefühl von Juden und Israelis nach, die in Berlin ihr Zuhause gefunden haben oder schon immer hier leben.

Maria Luise von Preußen während eines Gottesdienstes in der Kathedrale des Heiligen Isaak von Dalmatien in St. Petersburg © rbb/Florian Bentele

Eine Preußin auf dem Zarenthron

Genau an ihrem 19. Geburtstag im Jahr 1817 wird Prinzessin Charlotte von Preußen mit dem zukünftigen russischen Zaren vermählt und reiht sich damit ein in eine lange Reihe deutscher Prinzessinnen auf dem Zarenthron. 200 Jahre später sucht ihre Nachfahrin Maria von Preußen in St. Petersburg nach den Spuren dieser deutschen Frauen.