Blick auf die Baustelle des geplanten Denkmals für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma gegenüber vom Reichstag in Berlin, (2.1.2012) Quelle: dpa
Bild: dpa

Neues Denkmal für Sinti und Roma - Das zerrissene Herz

Der britische Filmemacher Ben Lewis reflektiert das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma in Berlin.

Im Mai 2011 sollte das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten eingeweiht werden.
Lewis mit dem Künstler Dani Karavan vor seinem Entwurf, Quelle: rbb/arte
Lewis mit Karavan
Der Künstler Dani Karavan, der in Paris und Tel Aviv lebt und schon viele Skulpturen in Israel, Frankreich und Deutschland geschaffen hat, entwarf einen runden Brunnen mit fließendem Wasser und einem Dreieck in der Mitte, aus dem jeden Tag eine frische Blume kommen soll. Zeilen aus dem Gedicht "Auschwitz" von Alexian Santino Spinelli, einem Roma, der in Italien lebt, sind auf dem Brunnenrand schon zu lesen. Aber fertig ist das Mahnmal noch lange nicht.
Lange mussten Sinti und Roma kämpfen, um wie die Juden als Opfer des Völkermords anerkannt zu werden. 1992, zehn Jahre nach der Anerkennung, entschied der Bundestag, für jede Opfergruppe ein eigenes Denkmal zu errichten. Aber die Sinti und Roma wollten eines mit den Juden zusammen. Schließlich stand Ende der 90er Jahre fest, dass es bei den getrennten Denkmälern bleiben würde. Und wieder vergingen über zehn Jahre mit Auseinandersetzungen, Streit und Bauverzögerungen.
Ben Lewis, Engländer und Jude, ist  unterwegs, um herauszubekommen, was es mit dem Mahnmal auf sich hat. Er trifft den Historiker Bill Niven in Berlin, um den "deutschen Entschuldigungen für die Nazi-Zeit" nachzugehen, er trifft den Künstler Dani Karavan und besucht Sinti in einer Siedlung in Düsseldorf. Er entdeckt die Bilder von Otto Pankok, der die Sinti und Roma vor dem Holocaust und danach gemalt hat, und befragt Waltraud Mettbach, deren Angehörige im KZ umgekommen sind.
Lewis mit Alexian Santino Spinelli, Quelle: rbb/arte
Lewis mit Spinelli
Mit dem Dichter Santino Spinelli macht er Musik und hört sein Gedicht. Welches sind die Symbole der sogenannten Zigeuner? Weshalb hütet ein Sinto sein Pferd? Als großer Fan von "Kriegsverbrechensentschuldigungs-Skulpturen" versucht Ben Lewis, die verschiedenen Gesichtspunkte zu verstehen, das "Z-Wort" zu hinterfragen. Bei Lea Rosh (Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas) und Romani Rose (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) erkundigt er sich, ob "sein" Holocaust mit Millionen ermordeter Juden nicht viel schlimmer sei als der der Sinti und Roma mit "nur" hunderttausenden Opfern.
Was kann das neue Denkmal ganz in der Nähe des Reichstags leisten? Und wie sieht es nach der jahrelangen Entwicklung aus? Ben Lewis nähert sich diesem sensiblen Thema auf seine erfrischende, kluge und immer wieder überraschende Art.

Film von Ben Lewis

Aktualisierte Fassung (24.10.12) Erstsendung: 04.09.11/ARTE